- 27.11.2014, 20:36:43
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Sieg der Saudis, Kommentar zur Opec-Konferenz von Dieter Kuckelkorn
Frankfurt (ots) - Für viele Ölproduzenten hat es auf der mit
Spannung
erwarteten Sitzung der Organisation Erdöl exportierender Länder
(Opec) die schlechteste aller möglichen Entscheidungen gegeben. Das
Kartell hat sich nicht einmal zu einer symbolischen Kürzung der
Förderquoten durchringen können. Es bleibt damit bei den 30 Mill.
Barrel pro Tag (bpd), die die Opec-Mitglieder fördern dürfen, obwohl
die Organisation selbst prognostiziert, dass die Nachfrage nach ihren
Produkten im kommenden Jahr gerade einmal 29,2 Mill. bpd betragen
wird. Aktuell steht die tatsächliche Opec-Förderung sogar bei rund 31
Mill. bpd. Hinzu kommt das stetig wachsende Angebot von außerhalb der
Opec. Auf der anderen Seite fällt die Nachfrage wegen der
Konjunkturflaute in Europa und Asien deutlich schwächer aus als
erwartet.
Die Opec ist am Donnerstag den Wünschen ihres Schwergewichts
Saudi-Arabien gefolgt. Das Land verfügt über große Devisenreserven
und kann diese dazu einsetzen, sich über Wasser zu halten, während es
andere Produzenten, die unter höheren Kosten leiden, aus dem Markt
drängt. Zwar sind viele der unter Druck stehenden Ölförderer in den
USA beheimatet, in einen Konflikt mit der Obama-Administration
scheinen die Saudis aber dennoch nicht zu geraten. Der Präsident gilt
nämlich wegen der Wahlniederlage als "lame duck", und seine
Demokratische Partei steht der wenig umweltfreundlichen Förderung von
Öl aus Schieferformationen und Ölsänden zwiespältig gegenüber.
Kürzlich hatte Obama erst das von Republikanern beschlossene Gesetz
über den Ausbau der Keystone-Pipeline, die Schieferöl in größerer
Menge zu den Exporthäfen bringen soll, auf Eis gelegt.
Es sieht somit alles danach aus, dass der Ölpreis noch eine ganze
Weile fallen wird. Auf welchem Niveau letztlich eine Stabilisierung
stattfinden wird, ist derzeit schwer zu sagen. Innerhalb der Opec,
von Seiten der russischen Regierung sowie von Analysten wird derzeit
die Zahl von 60 Dollar je Barrel Brent Crude herumgereicht. Ein
Absinken unter diese Marke ist eher unwahrscheinlich. Vermutlich wird
der Ölpreis über 60 Dollar, aber wohl unter 70 Dollar seinen Boden
ausbilden, um sich dann - wegen der allmählichen Konjunkturerholung
und der Wirkung des Preisverfalls auf das Angebot - wieder ganz
langsam zu erholen. Für Finanzinvestoren und Produzenten sind dies
schlechte Nachrichten. Den Volkswirtschaften der Eurozone bringt der
gegenwärtige Ölpreisverfall jedoch dringend benötigte
Erleichterungen.
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