• 05.06.2014, 10:00:31
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Presserat mahnt zu sorgfältiger Recherche bei unbestätigten Meldungen

Wien (OTS) - Anlässlich einer Demonstration von linken Gruppierungen
gegen die sogenannten Identitären am 17.05.2014 ist in mehreren
Medien darüber berichtet worden, dass eine schwangere Frau aufgrund
des Polizeieinsatzes bei der Demonstration eine Fehlgeburt erlitten
habe. In manchen Medien ist dieser Vorfall als Tatsache gebracht
worden, in anderen war bloß von einem angeblichen Vorfall oder von
entsprechenden Meldungen auf Facebook und Twitter die Rede - in den
sozialen Medien wurde die Information über die Fehlgeburt stark
verbreitet.
Schließlich hat sich herausgestellt, dass der Vorfall nicht
stattgefunden hat.

Der Senat 1 des Presserats weist auf Punkt 2.1 des Ehrenkodex für die
österreichische Presse hin, wonach Gewissenhaftigkeit und Korrektheit
in Recherche und Wiedergabe von Nachrichten oberste Verpflichtung von
Journalistinnen und Journalisten sind. Bei Informationen, die über
soziale Medien verbreitet werden, ist ein kritisches Hinterfragen
besonders wichtig. Journalistinnen und Journalisten dürfen auch bei
einem Hype in den sozialen Medien nicht auf das Prinzip von "Check
and Recheck" vergessen.

Es liegt im Interesse der Medien und der Öffentlichkeit,
Informationen möglichst rasch an die Leserinnen und Leser
weiterzugegeben. Dabei darf die Gewissenhaftigkeit bei der Recherche
aber nicht vernachlässigt werden. Bei nicht gesicherten Informationen
sollte deshalb die Informationsquelle genannt, die dafür
durchgeführte Recherche beschrieben oder zumindest darauf hingewiesen
werden, dass eine offizielle Bestätigung der Meldung noch aussteht.

Auch wenn es von großem öffentlichen Interesse ist, über
Demonstrationen zu berichten, bei denen es zu gewaltsamen
Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei kommt,
sollte eine nicht gesicherte Information den Lesern nicht
unreflektiert als Faktum präsentiert werden, selbst wenn sie gut zu
dem Ablauf und dem Szenario der Demonstration passt.

Im vorliegenden Fall haben einige Medien vorschnell Fakten
geschaffen, die sich bald als unrichtig herausgestellt haben.

SENAT 1 DES ÖSTERREICHISCHEN PRESSERATS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen
Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und
Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der beiden
Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

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