- 06.03.2014, 17:06:36
- /
- OTS0260 OTW0260
Parlamentsbibliothek: Barbara Prammer übergibt Bücher an IKG Wien
IKG Wien-Präsident Deutsch: Jedes Buch hat seine Geschichte
Utl.: IKG Wien-Präsident Deutsch: Jedes Buch hat seine Geschichte =
Wien (PK) - Sie sei zufrieden, sagte Nationalratspräsidentin Barbara
Prammer bei der Übergabe von sechs Büchern an den Präsidenten der
Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, im Lesesaal der
Parlamentsbibliothek. Zufrieden darüber, "dass nun die ersten Bücher
nach über sieben Jahrzehnten endlich wieder in die Hände kommen,
denen sie von Rechts wegen zustehen". Die Bücher waren zur Zeit der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft teils der Kultusgemeinde,
teils jüdischen Vereinen entzogen und in das von der NSDAP zum
"Gauhaus" umfunktionierte Parlamentsgebäude verbracht worden. Da das
Vorhandensein von entzogenen Büchern auch in der Parlamentsbibliothek
nicht ausgeschlossen werden konnte, beauftragte die
Parlamentsdirektion im Jahr 2009 ein Forscherteam unter der Leitung
von Harald Wendelin mit einer Untersuchung der Herkunft des
Buchbestandes der Bibliothek (Erscheinungsdatum vor 1945, Erwerb nach
dem 30.1.1933). Aufgrund der Untersuchung von insgesamt 15.000
Büchern empfahl der Kunstrückgabebeirat unter dem Vorsitz von Clemens
Jabloner am 21. Juni 2013 die Rückgabe von 37 Bänden aus der
Parlamentsbibliothek. Sechs dieser Bände nahmen Präsident Oskar
Deutsch und Vizepräsident Dezoni Dawaraschwili im Namen der IKG Wien
heute zurück.
Die anderen Bücher bleiben bis zu ihrer Übergabe an die ErbInnen der
ursprünglichen EigentümerInnen in der treuhänderischen Obhut der
Parlamentsbibliothek, wo sie in einem Magazin separat sorgfältig
aufbewahrt werden. Mit der Suche nach RechtsnachfolgerInnen hat
Präsidentin Prammer den Nationalfonds der Republik Österreich für
Opfer des Nationalsozialismus beauftragt, der bereits Erbinnen und
Erben kontaktiert hat. 1.429 Signaturen aus dem "Gauhaus-Bestand"
konnten die ForscherInnen keinen EigentümerInnen zuordnen. Diese
"bedenklichen" Bücher, bei denen NS-Entziehungen weder auszuschließen
noch zu beweisen sind, bleiben im Bestand der Parlamentsbibliothek,
werden speziell gekennzeichnet und für den Fall aufbewahrt, dass sie
sich in Zukunft doch als entzogen erweisen sollten und sich
berechtigte Erbinnen oder Erben finden.
Auch die Frage, was mit der nationalsozialistischen und NS-affinen
Literatur geschehen soll, die im Rahmen der Provenienzforschung in
der Parlamentsbibliothek gefunden und bereits aus den Beständen
genommen wurde, nehme sie sehr ernst, sagte Prammer und kündigte
diesbezüglich eine Studie der Universität Wien an.
Oskar Deutsch: Jedes Buch hat seine Geschichte
Er sei froh über diese Rückgabe, weil jedes Buch und jedes Bild seine
Geschichte habe und es wichtig sei, alles zurückzugeben, sagte IKG
Wien-Präsident Deutsch und bedankte sich mit persönlichen Worten bei
Präsidentin Barbara Prammer für die Rückgabe der Bücher. "Für uns ist
das keine Selbstverständlichkeit, aber ich spüre, dass es für Sie
eine Selbstverständlichkeit ist", sagte Oskar Deutsch und dankte
darüber hinaus all jenen, die mit ihrem Engagement die
Voraussetzungen für diese Restitution geschaffen haben.
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA






