- 14.01.2014, 20:07:16
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Position beziehen, Kommentar zum Brüsseler Auftritt von Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger als designiertes Mitglied im EZB-Direktorium, von Mark Schrörs.
Frankfurt (ots) - "Ich werde meine eigene Position haben." Auf die
Formel hat es Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger jetzt
gebracht, als es darum ging, ob sie als künftiges Mitglied im
Direktorium der Europäischen Zentralbank die EZB-kritische Haltung
von Bundesbankchef Jens Weidmann einnehmen oder den bisherigen Kurs
der Notenbank unterstützen wird wie Jörg Asmussen, dem sie nachfolgt.
Aber wie sieht diese Position aus? Das ist auch nach der Anhörung im
EU-Parlament nicht genau klar.
Lautenschlägers Auftritt war spürbar geprägt vom Ziel, sich nicht zu
sehr in die (geldpolitischen) Karten schauen zu lassen. Das ist
nachvollziehbar: Sie wollte sicher nicht zerrieben werden zwischen
aktuellem und neuem Arbeitgeber. Zudem war Geldpolitik bislang
weniger ihr Feld; sie dürfte sich in vielen Fragen noch eine
endgültige Meinung bilden müssen. Andererseits aber wird sie künftig
Farbe zu bekennen haben - womöglich schneller, als ihr lieb ist.
Lautenschläger soll bei der EZB ins neue Bankenaufsichtsgremium
einziehen. Dafür ist sie ohne Frage bestens geeignet. So mancher
leitet daraus ab, Geldpolitik werde für sie weniger wichtig sein.
Zuvorderst aber wird sie Teil des Direktoriums und des EZB-Rats sein.
Sie wird also auch geldpolitisch ein klares Profil entwickeln müssen.
Ihr Auftritt in Brüssel legt nahe, dass sie die Linie der Bundesbank
nicht völlig verlassen wird. Sie betonte die Risiken einer zu lange
zu laxen Geldpolitik, äußerte sich zurückhaltend zu
Staatsanleihekäufen und warnte davor, die Geldpolitik zu überfordern.
Zugleich schien sie aber bemüht, den Eindruck von
Fundamentalopposition zu vermeiden. Als Aufseherin hat sie gelernt,
dass man mitunter pragmatisch sein muss. Europa ist zudem für sie
eine Herzensangelegenheit.
Für EZB-Chef Mario Draghi wird es vermutlich dennoch zumindest nicht
leichter, künftig die Reihen zu schließen, falls die Mehrheit im Rat
angesichts niedriger Inflation und Kreditklemme in Südeuropa auf
weitere Schritte drängt. Vergangene Woche hat Draghi etwa die Tür für
ein "Quantitative Easing" à la Fed weit aufgemacht.
Einiges davon ist sicher Verbalakrobatik: Draghi betont, was die EZB
alles tun könnte - in der Hoffnung, dass das dann gar nicht mehr
nötig sein wird. Tatsächlich sind alle Optionen mit großen Risiken
verbunden. Einige aber sagen, es brauche nicht mehr vieler
Negativüberraschungen, um die Debatte selbst über extreme Schritte zu
forcieren. Dann stellt sich für Lautenschläger die Frage: Wie hältst
Du es mit der Geldpolitik? Und dann muss sie klare Position beziehen.
(Börsen-Zeitung, 15.1.2014)
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