- 23.05.2013, 11:42:41
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Sozialpartner in Brüssel: Bildung ist der Schlüssel zu Beschäftigung und Wachstum
Sozialpartner im europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss
Utl.: Sozialpartner im europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss =
Wien (OTS/ÖGB) - Die österreichischen Sozialpartner berichteten am
23. Mai in der Plenarversammlung des Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschusses über das heimische Modell der Berufsausbildung.
Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der EU,
speziell die Jugendarbeitslosigkeit ist bei uns vergleichsweise
niedrig. Die Sozialpartner führen das unter anderem auf das gut
ausgebaute Berufsbildungssystem und die duale Lehrlingsausbildung
zurück. Knapp 80 Prozent eines Altersjahrganges absolvieren zu in
etwa gleichen Teilen eine Lehrlingsausbildung und vollzeitschulische
Berufsbildungen. Mit einer derart hohen Berufsbildungsquote liegt
Österreich an der EU-Spitze.
Foglar: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Herausforderung für die EU
"Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und insbesondere der
Jugendarbeitslosigkeit ist eine der größten Herausforderungen, vor
denen die Europäische Union momentan steht", sagte ÖGB-Präsident
Erich Foglar. "Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Staaten
Europas nimmt nicht nur den jungen Menschen die Perspektiven, sondern
ist auch bedrohlich für Europas Zukunft." Gute Bildung und Ausbildung
seien enorm wichtige Kriterien zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit.
Österreich stünde hier besser da als andere Länder, weil
Sozialpartner und Regierung hier Hand in Hand arbeiten. "Die
Bundesregierung hat die von den Sozialpartnern vorgeschlagene
Ausbildungsgarantie umgesetzt, und hat vor allem trotz Krise weiter
daran festgehalten. Das gute Ausbildungssystem in Österreich
funktioniert aber nur, wenn auch die Betriebe weiterhin ihre
Verantwortung wahrnehmen und auch selbst Lehrlinge ausbilden."
Foglar erläuterte vor dem EWSA, dass es in vielen Bereichen eine
sozialpartnerschaftliche Kultur gebe, die Österreich voran bringe:
"Die Sozialpartner sind auch in die Arbeitsmarktpolitik eingebunden,
sie gestalten gemeinsam die Lehrlingsausbildung, und sie verantworten
die flächendeckende Kollektivvertragspolitik - an die 96 Prozent der
Beschäftigten in Österreich sind durch Kollektivverträge erfasst."
Als weiteres Beispiel nannte Foglar die Vereinbarung einer
Kurzarbeitsregelung in den stärksten Krisenjahren. "Wachstum und
Beschäftigung sind gemeinsame Anliegen der österreichischen
Sozialpartner, wir ziehen hier an einem Strang."
Leitl: Duale Ausbildung ist Vorzeigebeispiel für mehr
Jugendbeschäftigung
Die Jugendarbeitslosigkeit habe vor allem in einigen südlichen
Ländern Europas, wo jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, ein
skandalöses Ausmaß erreicht, das nicht hingenommen werden dürfe,
betonte Leitl. "Wenn junge Menschen auf der Straße statt im
Arbeitsleben stehen, bedeutet das den Verlust von Lebens- und
Zukunftsperspektiven für eine ganze Generation und letztlich die
Gefahr einer Destabilisierung des sozialen und politischen Systems.
Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit geht uns alle an und jeder
hat seinen Beitrag zu leisten." Als einen Hauptansatzpunkt ortet
Leitl: "Bringt die arbeitslosen jungen Leute in die Betriebe! Dort
sollen sie eine Ausbildung erhalten, die ihren Fähigkeiten angemessen
ist. Und motivieren wir die Betriebe, diese jungen Menschen auch
aufzunehmen. Wenn jedes dritte Unternehmen einen jungen Menschen
aufnimmt, ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa beseitigt. Die
Europäische Union möge dies konkret unterstützen. Mittel aus dem
Sozialfonds oder dem Leonardo-da-Vinci-Programm bieten sich dazu an.
Wenn Europa an 2020 denkt, sollte zumindest die Halbierung der
Jugendarbeitslosigkeit eines der zentralen Ziele der Union sein.
Damit könne sie die Menschen in Europa begeistern und vielen jungen
Menschen wichtige Zukunftsperspektiven vermitteln."
Kaske: Bildung ist immer auch eine Verteilungsfrage
"Wichtige Gründe für die niedrige Jugendarbeitslosigkeit in
Österreich sind vor allem die berufsbildenden Schulen, die Lehre und
die überbetriebliche Ausbildung. Diese drei Standbeine sorgen dafür,
dass die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich relativ niedrig ist",
so AK Präsident Rudi Kaske. Dennoch sieht der AK Präsident auch hier
Handlungsbedarf. "Die Sozialpartner haben sich dazu bekannt, ein
Qualitätssicherungssystem in der Lehrlingsausbildung einzuführen. So
sollen alle Jugendlichen, die eine Lehre machen, die bestmögliche
Ausbildung erhalten."
Die europäische Jugendgarantie nach österreichischem Vorbild ist für
Kaske ein erster wichtiger Schritt im Kampf gegen die
Jugendarbeitslosigkeit. "Wenn man den Jungen ernsthaft helfen will,
sind die sechs Milliarden, die für den Zeitraum 2014 bis 2020 dafür
vorgesehen sind, aber bei weitem nicht genug", so Kaske, und er
fordert, dass auch die Schwelle von 25 Prozent
Jugendarbeitslosigkeit, ab der mit finanzieller Unterstützung seitens
der EU zu rechnen ist, gesenkt werden müsse. "Diese Maßnahmen kosten
Geld. Nicht nur deshalb ist die Bildungsfrage immer auch untrennbar
mit der Verteilungsfrage verbunden", so Kaske. Die Arbeiterkammer
setzt sich vehement für die Einführung der Finanztransaktionssteuer,
einen europaweiten Mindestsatz bei der Körperschaftssteuer und
wirksame Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung ein. Mit diesen
Steuereinnahmen können wichtige Zukunftsinvestitionen wie die
Jugendausbildung finanziert werden.
Wlodkowski: Bildung ist Schlüssel für erfolgreiche Zukunft im
ländlichen Raum
"Für die LK Österreich sind Aus- und Weiterbildung entscheidende
Grundlagen bei der Bewältigung der Herausforderungen der Land- und
Forstwirtschaft. Der bäuerliche Berufsstand sah sich in den letzten
Jahrzehnten mit einem enormen Strukturwandel konfrontiert. Um diesen
Wandel für die davon betroffenen Menschen im ländlichen Raum positiv
gestalten zu können, ist es wichtig, dass das Bildungsangebot in den
Regionen noch besser genutzt werden kann. Die Mehrzahl der
bäuerlichen Betriebe Österreichs wird im Nebenerwerb geführt, daher
sind Zusatzqualifikationen notwendig und müssen auch angeboten
werden. Diese Nachfrage decken vornehmlich die Bildungseinrichtungen
der Land- und Forstwirtschaft mit einem bundesweiten Angebot für
junge Bäuerinnen und Bauern. Auch das Nachholen von
Berufsbildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg ist für die Menschen
in der Landwirtschaft eine wichtige Voraussetzung für deren
Lebensqualität sowie für den wirtschaftlichen Erfolg eines
bäuerlichen Familienbetriebes. Nicht zuletzt ist die Durchlässigkeit
im Bildungssystem bis hin zu höheren Ausbildungen und damit auch für
landwirtschaftliche Betriebsführerinnen und Unternehmer eine im
europäischen Wettbewerb wichtige Aufgabe", erklärte Gerhard
Wlodkowski, Präsident der LK Österreich.
"Eine aktuelle EU-Studie zeigt, dass die Aufgabe der Landwirtschaft
und die Abwanderung der Menschen aus den ländlichen Gebieten viele
europäische Regionen in vielfältiger Weise gefährden. So wird dadurch
nicht nur das soziale Gefüge in den Dörfern zerstört, sondern auch
die Natur wird grundlegend verändert. Die Biodiversität sinkt, die
Attraktivität für Wirtschaftszweige, wie den Tourismus, sinkt und
Arbeitsplätze gehen verloren. Ein wirksames Mittel gegen diese
negativen Entwicklungen sind neben einer aktiven Politik für den
ländlichen Raum leicht erreichbare und in ausreichender Anzahl
vorhandene Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Menschen am
Land. Nur dadurch steigt die Attraktivität der Räume, wovon
Wirtschaft und Arbeitsplätze profitieren", so Wlodkowski.
SERVICE:
Fotos von der Veranstaltung im EWSA können in der ÖGB-Kommunikation
angefordert werden.
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