- 20.05.2013, 20:41:36
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Veraltete Doppelfunktion, Kommentar zu J.P. Morgan von Stefanie Schulte
Frankfurt (ots) - Topmanager schätzen es wenig, öffentlich kritisiert
zu werden - erst recht nicht, wenn die Geschäfte gut laufen.
Logischerweise sträubt sich Jamie Dimon, Chairman und Chief Executive
Officer (CEO) der US-Universalbank J.P. Morgan, mit Händen und Füßen
gegen Forderungen, eine seiner beiden Funktionen abzugeben. Dimon
stünde es jedoch gut zu Gesicht, diesen Schritt freiwillig in
Betracht zu ziehen, selbst wenn das heutige Aktionärsvotum für ihn
positiv ausfallen sollte. Letzteres ist keineswegs gesichert. Nachdem
es bereits 2012 für einen Vorstoß zur Trennung der Ämter 40%
Ja-Stimmen gegeben hatte, könnte es auf der heutigen Hauptversammlung
ernst werden. Einflussreiche Stimmrechtsvertreter und Großaktionäre
dringen darauf, die Doppelfunktion von Chairman und CEO abzuschaffen,
nachdem das Institut 2012 milliardenschwere Verluste aus
Derivatewetten des als "Londoner Wal" bekannt gewordenen Händlers
Bruno Iksil melden musste. Obwohl ein Mehrheitsvotum rechtlich nicht
bindend wäre, müsste der Verwaltungsrat der Bank auf ein solches
Signal wohl reagieren.
Gute Gründe dafür gibt es ohnehin. Während viele US-Konzerne noch von
einem CEO geführt werden, der sich als Chairman quasi selbst
kontrolliert, ist diese Konstellation in der Schweiz schon vor Jahren
aus der Mode gekommen. Dort sind die Ämter von
Verwaltungsratspräsident und CEO heute meist getrennt. In
Deutschland, wo es Vorstand und Aufsichtsrat als separate Gremien
gibt, wären Doppelmandate ohnehin undenkbar.
Dass Banken seit der Subprime-Krise allgemein unter Beschuss stehen,
ist ein weiterer Grund für J.P. Morgan, mit gutem Beispiel
voranzugehen. Die US-Universalbank ist zwar besser durch die Krise
gekommen als viele Rivalen, hat aber spätestens mit dem Londoner
Skandal Kratzer am Image erlitten.
Als lehrreiches Beispiel könnte der Fall von Peter Brabeck-Letmathe
dienen, heutiger Verwaltungsratspräsident von Nestlé und bis 2008
auch CEO. Brabeck-Letmathe hatte sich Aktionärsforderungen nach einer
Trennung der Ämter zunächst erfolgreich widersetzt, einige Jahre
später aber freiwillig diesen Schritt unternommen. Brabeck-Letmathes
Ruf als hervorragender Konzernlenker hat darunter nicht gelitten und
die Performance von Nestlé ebenso wenig. Dimon sollte daher ein
eventuelles negatives Aktionärsvotum akzeptieren und anderenfalls
einen freiwilligen Teilrückzug prüfen - spätestens dann, wenn etwas
Gras über den Derivateskandal gewachsen ist.
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