• 16.05.2013, 20:53:04
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 17. Mai 2013 von Marco Witting - Das Handy kann auch Schule machen

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Ein generelles Verbot von Mobiltelefonen, das
derzeit an Schulen in Wien diskutiert wird, schießt am Ziel vorbei.
Lehrer und Eltern müssen den Kindern den verantwortungsvollen Umgang
mit der Technik zeigen.

Nicht ohne das Handy: Für Jugendliche ist es Statussymbol,
Gebrauchsgegenstand, Spickzettel und Kommunikator in einem. Schüler
packen es so selbstverständlich in die Schultasche wie früher das
Pausenbrot und Federpenal. Ein generelles Verbot von Mobiltelefonen
an den Schulen, das jetzt wieder diskutiert wird, kann das Problem im
Unterricht allerdings nicht lösen.
Denn: Ein solches Verbot wird nur dazu führen, dass die Kinder
versuchen werden, es zu umgehen. Mit allen Mitteln. Mit allen Tricks.
Der Reiz des Unerlaubten und der Versuch, die Grenzen auszuloten, ist
in jungen Geistern eben besonders groß.
Schulen, welche die Maßnahme in Wien - wo das allgemeine Verbot am
heftigsten diskutiert wird - bereits probiert haben, schwenken zudem
bereits wieder zurück. Ein allgemeines Handyverbot in der Schule wird
gemeinhin als rechtlich schwer haltbar angesehen. Denn es gibt auch
Interessen von Schülern, die das Mitbringen eines Handys durchaus
rechtfertigen. So wollen genügend Eltern die Kinder in der Pause
erreichen oder selbst für die Kinder erreichbar sein.
Klar ist, dass der Unterricht in keinster Weise von den Telefonen
gestört werden darf. Es kann auch nicht angehen, dass Lehrer im
Klassenzimmer gefilmt und im Internet bloßgestellt werden. Hier sind
klare Grenzen in der Hausordnung der Schule zu ziehen. Dafür braucht
es ein Bewusstsein bei den Schülern und ein Umdenken von Lehrern und
Eltern.
Das Lehrpersonal beklagt oft, dass sich die Kinder und Jugendlichen
in den Pausen lieber mit den Smartphones als den Mitschülern
beschäftigten. Dabei ist auch oft vom Druck die Rede, unter dem die
Kinder stehen, in sozialen Netzwerken präsent sein zu müssen.
Diesen Druck kann man den Heranwachsenden aber durchaus nehmen. Indem
sich sowohl die Eltern daheim als auch die Lehrer in der Schule mit
diesem Thema befassen und einen verantwortungsvollen Umgang mit den
modernen Kommunikationsmitteln üben. Die Smartphones können nämlich
durchaus auch sinnvoll genutzt werden - als Vokabelheft, Wörterbuch
oder Bibliothek.
Internet und Smartphones verändern die Gesellschaft. Das Lehrpersonal
muss sich auch auf diese Herausforderung ein- und den Unterricht
umstellen. Denn im realen Leben wird es auch keine Handyverbote
geben. Und für das Leben lernen die Kinder ja bekanntlich.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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