• 13.05.2013, 10:00:33
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Selbstbestimmt Leben Österreich: Pflegende Kinder sind Bankrotterklärung der Pflegepolitik

Wien (OTS) - Selbstbestimmt Leben Österreich fordert den Ausbau
mobiler Unterstützungsdienste und Persönlicher Assistenz, damit
Kinder und Jugendliche nicht mehr pflegen müssen

"42.000 pflegende Kinder und Jugendliche sind die
Bankrotterklärung der bisherigen österreichischen Pflegepolitik, die
im großen Stil auf pflegende Angehörige gesetzt hat", stellt
Bernadette Feuerstein von Selbstbestimmt Leben Österreich (SLIÖ)
fest.

Seit einigen Monaten ist nun bekannt, dass in Österreich über
42.000 Kinder und Jugendliche regelmäßig Angehörige pflegen bzw. für
sie den Haushalt führen. 14% der pflegenden Kinder und Jugendlichen,
so die vom Sozialministerium beauftragte Studie, wenden dafür täglich
mehr als fünf Stunden auf.

Nun gibt es erste Vorschläge, wie das Sozialministerium reagieren
will. Diese sind denkbar simpel: Pflegende Kinder und Jugendliche
werden wie erwachsene pflegende Angehörige behandelt, d.h., sie
sollen Beratung erhalten und vier Wochen Auszeit pro Jahr, um z.B.
ohne schlechtes Gewissen an Schulskikursen teilnehmen zu können.

Im Sozialministerium existiert offensichtlich kein
Problembewusstsein dafür, dass z.B. 8-jährige ihrem Vater bei der
Körperpflege helfen oder 12-jährige für die psychische Unterstützung
ihrer an Demenz erkrankten Großmutter zuständig sind. SLIÖ kritisiert
diesen Zustand massiv und fordert den flächendeckenden, dem realen
Bedarf entsprechenden Ausbau persönlicher Assistenz sowie mobiler
Unterstützungs- und Pflegedienste.

"Pflege, Haushaltsführung und psychische Unterstützung sind keine
Tätigkeiten, die von Kindern und Jugendlichen für ihre Angehörigen
durchgeführt werden sollen. Es ist in der Kinderrechtskonvention
verankert, dass Kinder vor dieser Art von Ausbeutung geschützt werden
müssen." so Feuerstein.

Regelmäßige Pflege und Unterstützung im Alltag oder bei der
Haushaltsführung müssen von familienentlastenden Diensten erledigt
werden, die niederschwellig von außen angeboten und organisiert
werden müssen.

Seit dem Bericht einer ministeriellen Arbeitsgruppe von 1990 ist
bekannt, dass es österreichweit zu wenig mobile Unterstützungsdienste
für pflegebedürftige Personen gibt und dass das Angebot dringend
ausgebaut werden muss. Dies ist bislang nur unzureichend erfolgt, zu
sehr verließen sich Bund und Länder auf pflegende Angehörige. Mit
verheerenden Folgen, wie nun zu sehen ist. "Der flächendeckende
Ausbau bedarfsorientierter Unterstützungsdienste sowie der
Persönlichen Assistenz darf nicht länger verzögert werden", fordert
Feuerstein.

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