- 26.04.2013, 12:17:42
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Tischler und Kunststoffverarbeiter: 45.000 vertragslos ab 1. Mai!
Die GBH zeigt Arbeitgebern die "gelbe Karte" und fordert eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch
Utl.: Die GBH zeigt Arbeitgebern die "gelbe Karte" und fordert eine
rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch =
Wien (OTS/ÖGB) - Kampfstimmung herrscht bei der Gewerkschaft Bau-Holz
(GBH) und ArbeitnehmerInnen aus dem Holz- und
Kunststoffverarbeitenden Gewerbe. Die Arbeitgeber waren auch heuer
bei der Ist-Lohn-Erhöhung zu keiner vertraglichen Lösung bereit und
ließen deshalb die Lohnverhandlungen platzen. Ab 1. Mai herrscht
somit ein vertragsloser Zustand für 45.000 Beschäftigte in 12.000
Betrieben. ++++
Die Gewerkschaft hat in den letzten Wochen in guter und sachlicher
Sozialpartnerschaft Kollektivverträge im Bau- und Baunebengewerbe
sowie in der Bau-, Holz-, Säge-, Stein- und Keramischen Industrie für
mehr als 200.000 Beschäftigte positiv abgeschlossen. Lohnerhöhungen
wurden sowohl bei den Mindest- als auch Ist-Löhnen vertraglich
vereinbart.
Offen ist nur mehr das Holz- und Kunststoffgewerbe. Hier sind die
Arbeitgeber zu keiner vertraglichen Lösung bei den Ist-Löhnen bereit,
obwohl neun von zehn ArbeiterInnen Ist-Löhne erhalten. Seit Bestehen
des Kollektivvertrages entscheiden die Arbeitgeber einseitig und
freiwillig, ob sie bestehende Überzahlungen nach KV-Erhöhungen
fortschreiben. Laut GBH werden die freiwilligen Überzahlungen aber
bei den KV-Erhöhungen von den Arbeitgebern gegengerechnet. Die
Folgen: Es gibt keine bzw. nur weit geringere Lohnerhöhungen als der
VPI für die Beschäftigten. In mehr als ein Drittel der Betriebe gab
es laut einer Umfrage der GBH 2012 überhaupt keine Ist-Lohn-Erhöhung,
in den anderen überwiegend geringere als der VPI.
GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch: "Tischler und
Kunststoffverarbeiter leisten täglich schwerste körperliche Arbeit.
Sie verdienen sich einen Kollektivvertragsabschluss, der ihre Löhne
vertraglich sichert und automatisch erhöht. Es kann doch nicht sein,
dass Arbeitgeber selbst entscheiden, wie viel sie wem bezahlen. Wir
sind doch nicht mehr im Mittelalter und die Leibeigenschaft wurde
schon lange abgeschafft! Abgesehen davon kommt es so zu einem
unfairen Wettbewerb bei den Ausschreibungen. Lohn- und Sozialdumping
werden Tür und Tor geöffnet. Unterentlohnung kann von den
Kontrollbehörden nicht mehr geprüft werden, da es keine
kollektivvertragliche Regelung gibt!"
Anlässlich einer bundesweiten Betriebsrätekonferenz informierte die
GBH über den vertragslosen Zustand und weitere Kampfmaßnahmen wurden
beschlossen. Betriebsräte aus ganz Österreich befürchten auch
Scheinkündigungen, wodurch die Arbeitnehmer neu eingestellt und
unterbezahlt werden.
Muchitsch: "Ich appelliere an die Verantwortung der Arbeitgeber ihren
Arbeitern gegenüber und fordere sie auf, mit Lösungswillen die
Verhandlungen umgehend wieder aufzunehmen. Wir sind dazu jederzeit
bereit - jedoch muss es zu einer Bewegung bei der Ist-Lohn-Erhöhung
kommen. Es kann nicht sein, dass unsere Arbeiter jährlich zu
Bittstellern werden, wenn es um eine Erhöhung ihrer Ist-Löhne geht.
Da helfen den Arbeitgebern ihrer teuren Imagekampagnen nichts, wenn
sie dieses durch ein so unsoziales Vorgehen selbst `zusammenhauen█
und mit Füßen treten. Welcher Jugendliche soll da noch Lust auf den
schönen Beruf des Tischlers oder Kunststoffverarbeiters haben, wenn
er um sein Geld betteln muss und keinen gültigen Kollektivvertrag
hat?"
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