- 22.04.2013, 09:26:35
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WissenschafterInnen bringen Gehirntumore zum Leuchten
Wien (OTS) - Stereotaktische Nadel-Biopsien sind ein etabliertes
Standardverfahren bei der Diagnosestellung von Hirn-Lymphomen und
bestimmten hirneigenen Tumoren (Gliomen). Die entnommenen
Gewebeproben mussten bisher während des Eingriffs an der
Neuropathologie auf Tumorzellen untersucht werden. Um diagnostische
Sicherheit zu erlangen, waren zudem oft mehrfache Biopsien, und somit
die mehrfache Entnahme von Gewebe, nötig. Mit dem Fluoreszenzmarker
5-ALA kann die korrekte Entnahmestelle der Tumorbiopsie und damit
exakte Diagnose sofort im Operationssaal bestätigt werden. Das zeigt
eine aktuelle Studie der Universitätsklinik für Neurochirurgie der
MedUni Wien/AKH Wien. Dabei bringen die WissenschafterInnen
Gehirntumore zum Leuchten.
Der Patient oder die Patientin des AKH Wien müssen dafür die
5-Aminolävulinsäure (5-ALA), einen Fluoreszenzmarker in Pulverform,
in Wasser aufgelöst rund vier Stunden vor der Operation zu sich
nehmen. Durch die tumorbedingte Störung der Blut-Hirn-Schranke (das
ist die physiologische Barriere zwischen Blutkreislauf und
Zentralnervensystem) sowie vermutete Enzymdefekte in der Tumorzelle
reichert sich 5-ALA dort selektiv an. Während der Operation wird dann
ein Blaulicht vom Operationsmikroskop ausgesendet, das die
Tumorzellen bei Verwendung von 5-ALA in roter Farbe fluoreszieren
lässt.
Bisher wurde 5-ALA bei der neurochirurgischen Entfernung von
aggressiven Hirntumoren (Glioblastomen) bereits erfolgreich
eingesetzt. "Mit unserer Studie haben wir nachgewiesen, dass es auch
bei der Biopsie nützlich und effizient ist", sagt Studienautor Georg
Widhalm. "Bei klarer 5-ALA Fluoreszenz der Tumorprobe kann nun die
Biopsie beendet werden, ohne eine neuropathologische Untersuchung
während des Eingriffes und eine Serienbiopsie durchführen zu müssen.
Daraus resultiert eine deutlich verkürzte Eingriffsdauer und erhöhte
Sicherheit des Eingriffs."
Zusätzlich konnte erstmals nachgewiesen werden, dass nur die
aggressiven Tumoranteile bei hirneigenen Tumoren leuchten. Das
ermöglicht die Entnahme der Tumorprobe exakt an der richtigen Stelle,
dem so genannten Hot Spot - sowohl bei der Entfernung als auch bei
der Biopsie von Tumoren.
Dadurch wird eine exakte Bestimmung des Tumorgrades entsprechend der
Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermöglicht.
Stefan Wolfsberger, Studienleiter: "Liegt bereits ein WHO-Grad III
und damit ein rasch wachsender Tumor vor, kann man sofort die
richtige Therapie nach dem neurochirurgischen Eingriff veranlassen."
Das reicht von der Chemo- bis hin zur Strahlentherapie mit dem Ziel
der Maximierung der Lebenserwartung der Betroffenen.
Multidisziplinäre Zusammenarbeit an der MedUni Wien/AKH Wien
Die Studie, die nun im Fachmagazin Neurosurgical Review erschienen
ist, basiert auf der interdisziplinären Kooperation zwischen
Neurochirurgie, Neuropathologie, Onkologie, Strahlentherapie,
Radiodiagnostik und Comprehensive Cancer Center (CCC) an der
Medizinischen Universität Wien und im AKH Wien.
Das Paper entstand im Rahmen des Doktoratsstudiums "Clinical
Neurosciences" (CLINS) an der Universitätsklinik für Neurochirurgie.
Georg Widhalm ist gemeinsam mit Andreas Hahn (Psychiatrie), Angelika
Mühlebner-Fahrngruber (Pädiatrie) und Adelheid Wöhrer
(Neuropathologie) einer der vier ersten Absolventen des CLINS.
Service: Neurosurgical Review
"Strong 5-aminolevulinic acid-induced fluorescence is a novel
intraoperative marker for representative tissue samples in
stereotactic brain tumor biopsies." G. Widhalm, G. Michev, A.
Woehrer, M. Preusser, B. Kiesel, J. Furtner, A. Mert, A. Di Ieva, B.
Tomanek, D. Prayer, C. Marosi, J. Hainfellner, E. Knosp, S.
Wolfsberger. Neurosurgical Review 2012; 35 (3): 381-91.
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