- 18.04.2013, 20:48:34
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Unterrichtsausschuss: Sprachdefizite mindern Chancen am Bildungsweg
Bildungsbericht und EU-Jahresvorschau Basis für Grundsatzdebatte
Utl.: Bildungsbericht und EU-Jahresvorschau Basis für
Grundsatzdebatte =
Wien (PK) - Der aktuelle Nationale Bildungsbericht und der EU-
Arbeitsplan 2013 für den Bildungsbereich standen eingangs in der
heutigen Sitzung im Unterrichtsausschuss des Nationalrats zur
Debatte. Neben der Kostenentwicklung des österreichischen
Bildungssystems thematisierten die Ausschussmitglieder unter anderem
fehlende Grundkompetenzen bei Österreichs SchülerInnen und den Bedarf
an sozialpädagogischem Unterstützungspersonal als Entlastung der
Lehrkräfte. Einigkeit zeigten die Ausschussmitglieder bei der
Notwendigkeit verstärkter Sprachförderung im Sinne chancengleicher
Ausgangsmöglichkeiten am Bildungsweg.
Schmied: Bildungspolitik muss Fundament für Chancengleichheit bieten
Ziel ihrer Politik sei, hob Schmied in der Diskussion zum Nationalen
Bildungsbericht 2012 (III-382) hervor, das Bildungsfundament für
Chancengleichheit in der Schullaufbahn für alle abzusichern, die
Kompetenzorientierung mittels Bildungsstandards und die Pläne für
eine PädagogInnenbildung Neu stellten dabei bedeutende Elemente dar.
Als "Meilenstein" moderner Bildungspolitik betrachtete
Bildungssprecher der SPÖ, Edgar Mayer, den ausgearbeiteten
Gesetzesentwurf zur PädagogInnenbildung Neu, den der
Unterrichtsausschuss nach der Begutachtungsphase am 4. Juni
verhandeln wolle. Mayers positive Sicht zum Änderungsplan der
Ausbildung von PädagogInnen schränkte FPÖ-Bildungssprecher Walter
Rosenkranz mit der Bemerkung ein, es gebe noch viele Schwachstellen
in dem Entwurf, mit denen man sich näher befassen sollte. Ungeachtet
dessen hieß er die vom Ausschuss angestrebte Behandlung des
vorliegenden Berichts bei der nächsten Nationalratssitzung gut.
Die im Bildungsbericht aufgezeigten steigenden Kosten des
österreichischen Schulwesens ergäben sich nicht nur aus dem relativ
hohen Altersdurchschnitt von LehrerInnen, wodurch Personalkosten
einen großen finanziellen Aufwand ausmachen, erläuterte
Bundesministerin Schmied auf die kritische Anmerkung der BZÖ-
Bildungssprecherin Ursula Haubner, Kostenaufwand und Bildungserfolg
an den Schulen hielten sich nicht die Waage. Auch die jährliche
Netto-Unterrichtszeit in Österreich liege teilweise deutlich unter
dem OECD-Durchschnitt und nicht zuletzt sei Österreichs international
angesehenes System der Berufsbildenden höheren Schulen ein
beträchtlicher Kostenfaktor, sagte die Unterrichtsministerin. Den
ebenfalls kostentreibenden Umstand, dass Lehrkräfte viel
Unterrichtszeit für sozialpädagogische Aufgaben verwenden müssen,
gelte es zielgerichtet und standortbezogen mit Sozialfachkräften zu
beheben, betonte Schmied, sie sehe hier die Schulen selbst gefordert.
Die Unterrichtsministerin bezog klar Position, den Schulen
langfristig mehr Autonomie zu geben, gerade was die arbeitsteilige
Organisation ihrer administrativen sowie sozial unterstützenden
Tätigkeiten und ihrer Kernaufgabe Unterricht betrifft. Tatsächlich
befindet der Bildungsbericht, Österreich weise im EU/OECD-Vergleich
das schlechteste Verhältnis zwischen LehrerInnen und pädagogischen
Unterstützungskräften wie SchulpsychologInnen, SozialarbeiterInnen
oder IntegrationslehrerInnen auf.
Grünen-Bildungssprecher Harald Walser appellierte in diesem
Zusammenhang erneut, die im Bericht einmal mehr dokumentierten
Empfehlungen von BildungsexpertInnen umzusetzen und prangerte eine
fehlende Regierungslinie beider Koalitionsparteien in Fragen der
Bildungspolitik an. So seien etwa bei der flächendeckenden Umsetzung
verschränkter Formen der Ganztagsschule noch intensivere
Anstrengungen nötig. Für Abgeordneten Mayer (S) stellen die
kritischen Analysen im Bericht einen Auftrag an die Politik dar, den
laufenden Veränderungsprozessen im Bildungsbereich nachzukommen und
keinen Stillstand zuzulassen. Daher habe man auch die Verhandlung des
Berichts im Nationalratsplenum erwirkt. Seine Parteikollegin Rosa
Lohfeyer wertete die wissenschaftliche Aufbereitung von Daten und
Fakten zu Bildungsthemen als wichtige Grundlage für den politischen
Diskurs.
Die Befürchtung eines Lehrkräftemangels ab dem Schuljahr 2017/18, wie
sie von den Abgeordneten Ursula Haubner (B) und Anna Franz (V)
geäußert wurde, da dann der Höhepunkt von Pensionierungen bei
LehrerInnen zu erwarten sei, ließ Schmied so nicht gelten. Die Zahl
der Studierenden an den Pädagogischen Hochschulen hätten sich seit
2007 auf derzeit 15.000 Personen mehr als verdoppelt und auch für
QuereinsteigerInnen werde der Lehrberuf immer attraktiver gemacht,
erklärte sie. An ÖVP-Bildungssprecherin Christine Marek gerichtet,
die auf bestehende LehrerInnenmängel an AHS-Unterstufen im Vergleich
zu Hauptschulen hinwies, sagte die Unterrichtsministerin, der erhöhte
Bedarf ergebe sich vorrangig aus den städtischen Standorten von AHS,
im kleinstrukturierteren ländlichen Bereich, wo vor allem Haupt- bzw.
Neue Mittelschulen angesiedelt seien, könne man daher eine bessere
Versorgung mit Lehrpersonal feststellen.
Wann soll Sprachförderung beginnen?
Problematisiert wurde in der Ausschussdebatte, dass laut Bericht in
Österreich jede/r sechste SchülerIn am Ende der vierten Schulstufe
hinsichtlich Deutschkompetenz als RisikoschülerIn einzustufen ist, da
grundlegende Lesefähigkeiten fehlen. Unter den 15- bis 16-jährigen
SchülerInnen können 28% Grundaussage und Zusammenhänge eines Textes
nicht erfassen und zählen damit ebenso zur Risikogruppe. Abgeordnete
Haubner (B) forderte daher eine stärkere Einbeziehung der
Erziehungsberechtigten bei Maßnahmen zur Leseförderung. Die
entscheidende Funktion des Elternhauses bei der Entwicklung von
Lesegewohnheiten der Kinder hob FPÖ-Mandatarin Heidemarie Unterreiner
diesbezüglich hervor und Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager
(V) fügte an, gerade in der Elementarpädagogik müssten erste Schritte
zur Sprachförderung gesetzt werden. Unterrichtsministerin Schmied
bemerkte dazu, sie erhoffe auch mit dem nun in Begutachtung
befindlichen Entwurf einer neuen PädagogInnenbildung, die Schulung
von KindergartenpädagogInnen im Bereich Sprach- und Leseförderung zu
forcieren. Ein umfangreiches Konzept zur gezielten Sprachförderung
werde in ihrem Ressort außerdem derzeit gerade ausgearbeitet, mit
laufenden Programmen wie "Kunst macht Schule" versuche ihr
Ministerium bereits, die Lesemotivation zu steigern.
Bezugnehmend auf die angestrebte Chancengerechtigkeit wies
Abgeordneter Franz-Joseph Huainigg (V) auf die im Bildungsbericht
dokumentierte ungleiche Verteilung von SchülerInnen mit und ohne
Migrationshintergrund nach Schultypen hin. Er prangerte an, Kinder
mit nicht-deutscher Muttersprache seien an Sonderschulen
überrepräsentiert, obwohl sie anstatt sonderpädagogischer Förderung
eher Sprachförderung benötigten. Schmied bekräftigte daraufhin ihr
Bestreben, Schulen standortbezogene Förderinitiativen zu ermöglichen,
dadurch würden einzelne SchülerInnen mit speziellem
Sprachförderbedarf nicht stigmatisiert. Huainiggs Frage nach dem
Verlauf des bestehenden Jugend Coachings beantwortete die Ministerin
mit der Information, diese Initiative werde dank erfolgreicher
Implementierung nun auf alle Bundesländer ausgedehnt.
Der Nationale Bildungsbericht vom Ausschuss einstimmig zur Kenntnis
genommen und zur weiteren Diskussion in das Plenum des Nationalrats
geschickt.
Österreich als EU-Vorzeigeland bei Schulabbruchsrate
Bei der Diskussion über den Bericht des Unterrichtsministeriums zur
EU-Jahresvorschau 2013 (III-399), den der Ausschuss ebenso einstimmig
annahm und auch enderledigte, unterstrich Unterrichtsministerin
Schmied, Österreich sei mit seinem berufsorientierten Schulsystem
unionsweit ein Vorbild für viele EU-Mitgliedsländer. Der Bericht
zeige auf, dass die EU auf Bildung als Wachstumsmotor setze, zeigte
sich Abgeordnete Ursula Haubner (B) erfreut, sie hinterfragte
allerdings, welchen konkreten Nutzen das anvisierte EU-
Bildungsprogramm "Erasmus für alle" in Hinblick auf Österreichs
Bildungseinrichtungen haben werde. Unterrichtsministerin Schmied
erwiderte, Schwerpunkte werde man dabei zum einen auf die
Lernmobilität von Einzelpersonen, zum anderen auf mehr
institutionelle Partnerschaften setzen, gerade in Verbindung mit der
PädagogInnenbildung Neu werde dies von Vorteil sein.
Abgeordneter Harald Walser (G) begrüßte zwar, dass Österreich laut
Bericht mit einer SchulabbrecherInnenquote von 8,3% das EU-Ziel, die
Schulabbruchsrate EU-weit unter 10% zu senken, bereits erfüllt. Er
bezweifelte jedoch die Sinnhaftigkeit einer im Bericht vorgesehenen
neuen nationalen Strategie gegen Schulabbruch, woraufhin Schmied
klarstellte, es gehe hierbei lediglich um ein Stabilisieren der
bereits erfolgten Reformarbeit im Bildungswesen. Die Anregung der
Abgeordneten Katharina Cortolezis-Schlager, unternehmerisches Wissen
im Schulunterricht stärker zu verankern, gab die Bundesministerin
ihre Zustimmung, doch erinnerte sie an die bereits exzellente
Vermittlung wirtschaftlicher Basiskompetenzen in Österreichs
kaufmännischen Schulen. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) rei
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