• 12.04.2013, 09:00:32
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WIFO zieht positive Bilanz zu Biotechnologie-Patenten in Österreich

Wien (OTS/WIFO) - Eine aktuelle WIFO-Studie untermauert die große
Bedeutung von Patenten für die österreichische Biotechnologiebranche.
Bedenken, die vermehrte strategische Nutzung und die rasche Zunahme
der Patentanmeldungen könnten Patentierungs- und
Forschungsaktivitäten in Österreich im Bereich der Biotechnologie und
Gentechnik beeinträchtigen, haben sich nicht bestätigt.

Wie eine Studie des WIFO zur Nutzung von Biotechnologie-Patenten
in Österreich zeigt, spielen Patente bei der Akquisition und
Sicherung der Finanzierung sowie im Aufbau von Kooperationen mit
anderen Unternehmen für Österreichs Biotechnologie-Unternehmen eine
bedeutende Rolle. Die Finanzierungsfunktion hat vor allem für junge
oder neu gegründete Unternehmen außerordentliches Gewicht: Deren
Zugang zu Risikokapital und öffentlichen Förderungen hängt maßgeblich
davon ab, wieweit sie über geschützte oder schützbare Erfindungen
verfügen. Im Bereich der Forschung wirkt sich die vermehrte
Patentierung von Forschungsergebnissen, anders als oft befürchtet,
nicht negativ auf die wissenschaftliche Produktivität der
Forschungseinrichtungen aus. Vielmehr melden wissenschaftlich
produktivere Forschungseinrichtungen auch häufiger Patente an. Diese
Patentanmeldungen ergeben sich dabei zumeist aus Kooperationen mit
Unternehmen.

Österreichs Biotechnologie-Unternehmen versuchen, ihre Erfindungen
und Märkte durch die Gestaltung ihres Patentportfolios sowie durch
die Formulierung der Ansprüche in den Patenten breit zu schützen.
Dies wird aber aufgrund des raschen technischen Wandels im Bereich
der Biotechnologie und Gentechnik immer schwieriger. In der
Biotechnologie bauen Erfindungen stark aufeinander auf. Ein zu weit
reichender Erfindungsschutz kann dabei höhere Kosten, etwa durch
rechtliche Konflikte, zur Folge haben, aber auch bedeutende und
volkswirtschaftlich unerwünschte Einschränkungen der Verbreitung und
Anwendung von neuen Erkenntnissen mit sich bringen. Im Streitfall
oder wenn eigene Erfindungen von der Nutzung fremder Patente abhängig
sind, bevorzugen die meisten Unternehmen außergerichtliche
Regelungen. Häufig werden solche Abhängigkeiten durch wechselseitige
Lizenzierung gelöst. Die Unternehmen sind aber bestrebt, durch
detaillierte Analysen des technologischen Umfeldes Konflikte mit
bestehenden Patentrechten bereits im Vorfeld zu vermeiden. Dadurch
werden solche Probleme frühzeitig abgefangen. Die Ergebnisse der
Studie deuten auf Vorteile größerer Unternehmen im Management und der
Durchsetzung von Patentrechten hin.

Keine Hinweise gibt es auf eine maßgebliche Beeinträchtigung der
Forschungstätigkeit von Unternehmen oder Forschungseinrichtungen
durch geschützte Forschungswerkzeuge (z. B. Antikörper, Zelllinien).
Unternehmen wie auch Forschungseinrichtungen prüfen häufig, ob eigene
Forschungsvorhaben von geschützten Forschungswerkzeugen abhängen. In
den seltenen Fällen, in denen eine Abhängigkeit die Durchführung
beeinträchtigt, sind am ehesten Projektverzögerungen die Folge, kaum
aber die Einstellung von Forschungsprojekten. Fallweise versuchen
Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die Abhängigkeit von
Forschungswerkzeugen durch die Entwicklung eigener Verfahren oder
Technologien zu umgehen.

Die Studie "Die wirtschafts- und forschungspolitische Bedeutung
der Umsetzung der Biopatentrichtlinie im österreichischen
Patentgesetz" basiert auf einer Befragung, die zwischen Oktober und
Dezember 2011 durchgeführt wurde. Die Bruttostichprobe umfasste mit
108 Unternehmen und 209 Forschungseinrichtungen annähernd die gesamte
Population der in der Biotechnologie tätigen Unternehmen und
Forschungseinrichtungen in Österreich und erreichte eine
Rücklaufquote von 46%.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
3/2013 (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/46656) oder der folgenden
Studie: Andreas Reinstaller, Gerhard Schwarz, Die wirtschafts- und
forschungspolitische Bedeutung der Umsetzung der Biopatentrichtlinie
im österreichischen Patentgesetz (Juni 2012, 151 Seiten, 70 Euro,
Download 56 Euro: http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/44635).

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