• 10.04.2013, 10:34:01
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Bienensterben: Unrichtige Zahlen der AGES beeinflussen politischen Entscheidungsprozess

GLOBAL 2000 übergibt Minister Stöger und Berlakovich Sachverhaltsdarstellung und fordert Richtigstellung der AGES-Falschinterpretation

Utl.:
GLOBAL 2000 übergibt Minister Stöger und Berlakovich
Sachverhaltsdarstellung und fordert Richtigstellung der
AGES-Falschinterpretation =

Wien (OTS) - GLOBAL 2000 zeigt auf, dass die Österreichische Agentur
für Ernährungssicherheit (AGES) den Beitrag der Neonicotinoide zum
österreichweiten Bienensterben wesentlich niedriger darstellt, als
dies aus den Erhebungen der MELISSA-Studie zu Bienenschäden in
Österreich hervorgeht. "Vertreter des AGES-Geschäftsfelds
Ernährungssicherheit präsentierten wiederholt falsche Zahlen zum
Thema Bienensterben. Der politische Entscheidungsprozess für ein
Verbot der bienengiftigen Pestizide wird damit auf nationaler und
EU-Ebene beeinflusst", erklärt DI Dr. Helmut Burtscher,
Umweltchemiker von GLOBAL 2000. In der MELISSA-Studie erwiesen sich
rund 50 Prozent der 2011 untersuchten Verdachtsproben als
Bienenschäden durch Neonicotinoide. "Indem die AGES nun die Zahl von
1.396 geschädigten Bienenvölkern, die sich aus freiwillig
eingesandten Verdachtsproben ergab, ohne Hochrechnung mit der
Gesamtheit der 367.000 in Österreich registrierten Bienenvölker in
Verhältnis setzte, kam sie auf lediglich auf '0,38 Prozent
geschädigte Bienenvölker'. Das ist eine falsche Rechnung", erklärt
Burtscher. Erstmals genannt wurden die angeblichen 0,38 Prozent
Bienenschäden in einer Pressemitteilung anlässlich des Abschlusses
der MELISSA-Studie. In dem rund 200 Seiten starken
MELISSA-Abschlussbericht ist diese Zahl nicht zu finden. Sie steht
auch in großem Widerspruch zu den Erfahrungen und Beobachtungen der
österreichischen Imkerschaft. Trotzdem wurde dieser Prozentsatz
gegenüber der Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern
weiterhin als das tatsächliche "Schädigungsausmaß" genannt und von
Interessenvertretern aus der Landwirtschaft, der Chemischen Industrie
und durch das Landwirtschaftsministerium als Beleg für den
ausreichenden Erfolg ihrer Maßnahmen zum Bienenschutz verbreitet.

Die Unzulässigkeit dieser Berechnungsweise bestätigt auch der an der
Universität Heidelberg als Projektstatistiker tätige
Agrarwissenschafter Dr. Anton Safer: "Die von der AGES genannten
Zahlen "0,38 bzw. 0,1 Prozent österreichweit nachweislich durch
insektizidgebeiztes Saatgut geschädigten Bienenvölker" sind nicht
korrekt. Dass dennoch ein solcher Prozentsatz "berechnet" wurde,
indem einfach die Zahl der Bienenschäden, die sich aus der
Untersuchung von nicht repräsentativen Verdachtsproben ergeben haben,
zur Gesamtzahl der Bienenvölker in Österreich ins Verhältnis gesetzt
wurde, ist unzulässig."

Das EU-Pestizidverordnung 1107/2009 verlangt, dass Pestizide, deren
Anwendung zu Bienenschäden führt, ihre Zulassung verlieren. "Bereits
das erste Jahr des MELISSA-Projekts offenbarte erhebliche durch
Neonicotinoide verursachte Bienenschäden, nämlich bei rund 90 Prozent
der eingesandten Verdachtsproben aus Gebieten mit intensivem
Neonicotinoid-Einsatz", erklärt Burtscher: "Bei objektiver
Interpretation dieser MELISSA-Daten wäre aus unserer Sicht schon
damals ein Anwendungsverbot der bienengiftigen Pestizide notwendig
gewesen."

"Durch das Nichtzustandekommen eines Anwendungsverbots sind in den
Jahren 2010 bis 2012 den österreichischen Imkern nach Schätzungen aus
Imkerkreisen ökonomische Schäden im zweistelligen Millionenbereich
entstanden", erklärt Burtscher. "Die nächsten Bienenschäden stehen
vor der Tür, wenn in wenigen Tagen bis Wochen die Maisaussaat für
2013 beginnt und das ökologische Desaster seine Fortsetzung findet."

GLOBAL 2000 übermittelt deshalb heute eine detaillierte
Sachverhaltsdarstellung an die Eigentümervertreter der AGES,
Landwirtschaftsminister Berlakovich und Gesundheitsminister Stöger.
"Es ist zu prüfen, ob der geschilderte Sachverhalt mit dem
gesetzlichen Auftrag der AGES, die Öffentlichkeit objektiv,
unabhängig und transparent zu informieren und den Schutz der
Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie die Sicherheit und
Qualität der Ernährung zu wahren, zu vereinbaren ist. Die AGES muss
die unrichtigen Aussagen über den quantitativen Beitrag der
Neonicotinoide zum Bienensterben in Österreich öffentlich richtig
stellen", fordert Burtscher.

Die Sachverhaltsdarstellung steht auf www.global2000.at als Download
zur Verfügung.

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