• 21.03.2013, 20:22:37
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Tiroler Tageszeitung vom 22. März 2013; Leitartikel von Cornelia Ritzer: "Das Beste nur für wenige"

Innsbruck (OTS) - Utl: In oberösterreichischen Spitälern wird der
Rotstift angesetzt. Die unsinnige Quote bei künstlichen Hüftgelenken
verunsichert die Patienten. Und sie spielt den Kritikern der
Gesundheitsreform in die Hände.

Von der Notwendigkeit einer Gesundheitsreform überzeugte Minister
Alois Stöger nicht nur den Koalitionspartner ÖVP, sondern auch neun
Bundesländer und die Sozialversicherungen. Am Ende des schwierigen
Weges, am Ende von fast zwei Jahre dauernden Verhandlungen, stand
diese Woche der Beschluss des Gesetzes im Ministerrat. Ein für den
Sachpolitiker im Superwahljahr durchaus herzeigbarer Erfolg, der
kurzzeitig von der vernichtenden Kritik des Rechnungshofes getrübt
wurde. Denn die Prüfer haben die Reform regelrecht zerpflückt, statt
echter Ziele zur Verbesserung der Organisation des Gesundheitswesens
konnten sie nur Absichtserklärungen erkennen.
Nun muss der Ressortchef die zweite Schlappe innerhalb kurzer Zeit
einstecken, und das ausgerechnet in seinem Heimatbundesland
Oberösterreich. Dort, wo er mit ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer
einen mächtigen Verbündeten in Sachen Kostensenkung und Effizienz
hat, hat nun die gefürchtete Zwei-Klassen-Medizin Einzug gehalten.
Qualitativ hochwertige, langlebige und damit sehr teure Hüftgelenke
gibt es nur noch für fünf Prozent der Patienten, gab der landeseigene
Krankenhausträger als Devise aus. Der erwartbare Protestschrei ist
laut, die Ärztekammer will in der Sparmaßnahme - laut einem internen
Protokoll sollen dadurch 700.000 Euro eingespart werden - den langen
Schatten der viel kritisierten kommenden Gesundheitsreform erkennen.
Die Reaktion der Standesvertretung, die vor allem ihre Entmachtung
fürchtet, mag übertrieben sein. Doch auch Ärzte sprechen von einem
Skandal, Experten bezweifeln die Sinnhaftigkeit dieser
Kontingentierung von Prothesen. Außerdem untergräbt die unsinnige
Quote eines der Hauptziele der Reform. Der Mensch und seine
Bedürfnisse sollen im Mittelpunkt stehen, nicht das Gezerre um Geld
und Förderungen zwischen Hauptverband und Ländern, zwischen Ärzten
und Spitälern.
Leistungen zu kürzen ist vor allem im Gesundheitswesen unangenehm.
Trotzdem sind Überlegungen, wie sparsam gewirtschaftet werden kann,
um beste Versorgung für alle Österreicher zu garantieren, gerade in
Zeiten medizinischen Fortschrittes und steigender Lebenserwartung
notwendig. Stöger muss nun aber einen Weg finden, wie er den
vorhandenen Sparwillen der Länder in Bahnen lenken kann, die den
Patienten nicht verunsichern. Sonst droht ihm endgültig das Vertrauen
der Menschen in seine Reform abhanden zu kommen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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