• 18.03.2013, 11:47:06
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WKÖ-ÖGB: Das klassische Rollenbild muss aufgebrochen werden

Erster Gipfel der Sozialpartnerinnen

Utl.: Erster Gipfel der Sozialpartnerinnen =

Wien (OTS/ÖGB/WKÖ) - "Karriere mit Lehre! Auch für Mädchen?", war das
Motto des ersten "Gipfels der Sozialpartnerinnen" zu dem
ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser und WKÖ-Vizepräsidentin Renate
Römer heute, Montag, dem 18. März 2013 in die ÖGB-Zentrale in Wien
geladen haben. Beide Vizepräsidentinnen verstehen die Veranstaltung
als Ergänzung zum bereits traditionellen Sozialpartnergipfel in Bad
Ischl.+++

Die Vorurteile gegen Mädchen in sogenannten Männerberufen seien, so
Oberhauser, in den Köpfen der Menschen noch immer fest verankert. Ob
Aussagen wie "Mädchen sind zu schwach, um Mauern aufzuziehen" oder
"Das ist kein Beruf für Frauen", die Muster müssen aufgebrochen
werden. Oberhauser sieht den heutigen "Gipfel" der Sozialpartnerinnen
als einen Beitrag dazu, dass es in Zukunft "eine
Selbstverständlichkeit ist, dass Mädchen im gesamten Spektrum der
Lehrberufe wählen."

Römer betonte, dass "wir frühzeitig anfangen müssen, Mädchen für die
über 200 Lehrberufe und nicht nur für █Klassiker█ wie Einzelhandel,
Bürokauffrau oder Friseurin zu gewinnen." Rollenbilder werden schon
im Kindergartenalter geprägt, deswegen sollen die Kleinen mit Themen
wie Technik oder Forschung spielerisch vertraut gemacht werden - ein
Beispiel dafür ist die Initiative "Haus der kleinen Forscher" für
Kindergärten. Römer: "Neben der frühkindlichen Förderung sind
Berufsorientierung und Bildungsberatung während der Pflichtschulzeit
extrem wichtige Punkte, damit in Zukunft nicht weiterhin 50 Prozent
der Mädchen in den oben genannten drei Berufen landen, sondern die
Vielfalt der Lehre sowie die Karrierechancen darin entdecken." Die
von den Sozialpartnern in diesem Zusammenhang in ihrem
Bildungsreformpapier vor Kurzem vorgeschlagenen ausführlichen
Potenzialanalysen und Beratungsgespräche sind diesbezüglich ein
wichtiges Element für Jugendliche, ihre eigenen Stärken und
Begabungen zu erkennen und dementsprechend den richtigen
Weiterbildungsweg zu finden.

Regine Wieser vom Österreichischen Institut für
Berufsbildungsforschung (ÖIBF) sprach sich dafür aus, mit dem
"Umdenken" bereits im Kindergarten zu beginnen. Wichtig sei dabei
auch, dass das gesamte Umfeld einbezogen werde. Betriebe, Schule und
vor allem Vorbilder aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis. Nicht zu
unterschätzen sei dabei auch, dass das Umbenennen von
Berufsbezeichnungen oft gleich viel mehr Mädchen zu diesem Beruf
führt. Wieser stellte fest, dass zwar schon einiges geschehe, aber
"ein Masterplan fehlt".

Bezeichnend ist auch ein Blick auf die Zahlen zur
Lehrabschlussprüfung. So treten lediglich 4,8 Prozent der Mädchen,
aber 6,7 Prozent der Burschen nicht zur Lehrabschlussprüfung an.
Anders beim Einkommen der Lehrlinge. So beträgt der
Einkommensunterschied bei den fünf häufigsten Lehrberufen im ersten
Lehrjahr 9,4 Prozent und im vierten Lehrjahr 35 Prozent zu ungunsten
der Mädchen.

"Berufsinformation führt zu Berufswahlfreiheit für die Jugendlichen",
erklärte Wolfgang Bliem vom Institut für Bildungsforschung der
Wirtschaft (ibw). Daher sei die intensive Information über Berufs-
und/oder Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem Pflichtschulabschluss
sowie die Analyse der individuellen Stärken der Schlüssel für den
späteren Erfolg sowie die Zufriedenheit im Berufsleben. Als ein
Beispiel diesbezüglich nannte er den Berufsinformationscomputer
bic.at, der erste Aufschlüsse über die beruflichen Interessen der
Jugendlichen liefert und auch intensiv genutzt wird. Die
Informationen über die verschiedenen Berufswege sollten sich die
Jugendlichen aber von mehreren Seiten holen, um ein umfassendes Bild
der Möglichkeiten zu bekommen.

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