• 15.03.2013, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 16. März 2013, von Alois Vahrner: "Gesten und die Hoffnung auf Wunder"

Innsbruck (OTS) - Auch drei Tage nach seiner Wahl sorgt Papst
Franziskus mit Aussagen und starken Gesten für viel Hoffnung in der
katholischen Kirche und weit darüber hinaus. Jetzt gilt es, mutig die
Fenster aufzustoßen und Reformen anzugehen.

Und sie bewegt sich offenbar doch: Die Welt kommt in diesen Tagen und
Wochen ob der Umwälzungen in der katholischen Kirche aus dem Staunen
nicht heraus. Zunächst der vorher für unmöglich gehaltene Rücktritt
von Papst Benedikt XVI., dann die angeblich mit deutlich mehr als der
erforderlichen Zweidrittelmehrheit der Kardinäle erfolgte Wahl von
Jorge Mario Bergoglio zum ersten Papst aus Südamerika.
Der Argentinier, der in Buenos Aires als "Kardinal der Armen"
galt, hat es mit ersten Gesten und Aussagen geschafft, viel Hoffnung
zu erzeugen. Mit humorvollen Äußerungen ebenso wie mit
Bescheidenheit, indem er sich zunächst von Gläubigen am Petersplatz
segnen lassen wollte, ehe er den Segen erteilte. Auch als er sich mit
dem Bus statt mit der dicken Limousine zum Essen mit den Kardinälen
fahren ließ und darauf beharrte, die Hotelrechnung für die Zeit des
Konklaves auch als Papst persönlich zu begleichen.
Der Name Franziskus in Anlehnung an Franz von Assisi soll Programm
sein. Eine Kirche, die sich statt um Macht und Pomp stärker als
bisher um die Armen kümmert, das könnte im Zentrum des Pontifikats
von Franziskus stehen. Dass die Kardinäle diesen Weg im Konklave
mitgewählt haben und mitgehen wollen, ist ein gutes Zeichen. "Wenn
ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf
die Straße Verletzungen zuzieht, und einer Kirche, die erkrankt, weil
sie nur mit sich selbst beschäftigt ist, dann habe ich keine Zweifel:
Ich würde die erste Option wählen", sagte Bergoglio noch als
Kardinal. Als Papst kann er jetzt die Fenster tatsächlich aufstoßen.
Die Aufgaben, vor denen der neue Papst steht, erfordern Demut und
noch mehr Mut. Beides scheint Franziskus zu haben. Zunächst muss der
Papst mit internen Missständen aufräumen. Missbrauchs-skandale,
Vatileaks-Affäre, Probleme und Intrigen in der sich
verselbstständigten römischen Kurie bis hin zu fragwürdigen Vorgängen
in der skandalumwitterten Vatikanbank. All das wird Franziskus rasch
anpacken müssen.
Österreichs Kardinal Christoph Schönborn, der bei der Wahl von
Franziskus als einer der Papstmacher gilt, erwartet "Entscheidungen
von Tragweite". Ob diese auch die hierzulande so oft leidenschaftlich
diskutierten Themen wie Sexualmoral, Zölibat oder die Frage der
Frauen in der Kirche miteinschließt, muss sich aber erst
herausstellen. So viel Mut in Rom auf einmal wäre dann fast schon ein
Wunder.

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