- 13.03.2013, 22:56:48
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 14. März 2013. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Höchstgeschwindigkeitswahl".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Wahl von Kardinal Jorge Mario
Bergoglio zum neuen Papst ist eine Verbeugung vor der Kirche in
Lateinamerika und ein Zeichen der Hinwendung zu den Armen. Auf den
neuen Pontifex warten aber noch weitere schwere Aufgaben.
Und sie bewegt sich doch! Viel war in den vergangenen Tagen vom
Stillstand in Rom die Rede; davon, dass sich im Konklave die
konservativen Kreise durchsetzen werden; und davon, dass jene Teile
der Welt, in der die katholische Kirche ihre meisten und glühendsten
Anhänger hat, bei der Wahl des neuen Pontifex wieder leer auszugehen
drohen.
Dass die Wahl der Kardinäle auf den Argentinier Jorge Mario Bergoglio
fiel, ist deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht als Sensation zu
werten. Mit der Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires, der sich
Franziskus I. nennen wird, ist erstmals ein Jesuit Bischof von Rom
und damit Staatsoberhaupt des Vatikans. Das beweist den Willen
zumindest einer Mehrheit der Kardinäle zu einem radikalen
Richtungswechsel innerhalb der Kirche. Der neue Papst selbst hat
diesen Eindruck durch die Wahl seines Namens noch verstärkt. Er hat
damit zum Ausdruck gebracht, dass er bereit ist, die
römisch-katholische Kirche in eine neue Richtung zu lenken. Der Bezug
zum heiligen Franz von Assisi kommt nicht von ungefähr: Der
76-Jährige wird sich in seinem Pontifikat besonders jenen zuwenden,
die durch den Rost unserer Wohlstandsgesellschaft fallen. Nicht
umsonst wird er in seiner Heimat als "Kardinal der Armen" verehrt.
Nicht minder überraschend ist die Tatsache, dass mit Franziskus I.
erstmals ein Vertreter eines anderen Kontinents Statthalter Jesu
Christi auf Erden ist. Das ist eine längst überfällige Verbeugung vor
der Kirche in Lateinamerika, aus der heute zwei Fünftel aller
Katholiken kommen - und die in der Krise steckt: Der durch die Krisen
der vergangenen Jahre bedingte Verlust an Glaubwürdigkeit hat auch in
Lateinamerika zu einer Hinwendung der Menschen zu alternativen
Glaubensrichtungen geführt. Der neue Papst ist ein Signal, dass Rom
den Kampf gegen die Abkehr vom Katholizismus ernst nimmt.
Auf Franziskus I. warten viele und große Aufgaben. Die katholische
Kirche steht mitten in einer heftigen Positionierungsdebatte.
Pflichtzölibat, die Stellung der Frau innerhalb der Kirche oder
Priestermangel sind nur drei Begriffe von vielen, die rund um den
Erdball Kontroversen auslösen.
Die Weltkirche und ihr neues religiöses Oberhaupt stehen also vor
riesigen Herausforderungen. In seiner ersten Handlung erbat
Franziskus I. deshalb den Segen der Gläubigen für sich, ehe er selbst
den päpstlichen Segen spendete. Diese Demut unterscheidet ihn
wohltuend von vielen seiner Vorgänger.
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