- 11.03.2013, 09:00:34
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Reformvorschläge zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen
Wien (OTS/WIFO) - Hochschulen sind zentrale Institutionen in einer
wissensbasierten Gesellschaft wie Österreich. Ihre Aufgabenerfüllung
wird immer wichtiger für Wirtschaft und Gesellschaft, während sie
durch den internationalen Wettbewerb um Studierende, Forschende und
Lehrende erschwert wird. Das österreichische Steuerungssystem weist
Defizite vor allem hinsichtlich der Qualitätssteuerung auf.
Wettbewerbsfähige Hochschulen erfordern neben einer höheren
Finanzierung Reformen der Mittelvergabe sowie der Karriere- und
Organisationsstrukturen, insbesondere der Perspektiven für junge
Wissenschafterinnen und Wissenschafter. Es muss möglich sein, die
Zahl der Studierenden mit den Ressourcen der Hochschulen abzustimmen.
Die Kernaufgabe der Hochschulen liegt in der Bearbeitung von
Wissen: Forschung (Wissensproduktion), Lehre (Wissensvermittlung) und
Unterstützung bei der Nutzung von Hochschulwissen als Beitrag zur
Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu kommen weitere
Ansprüche an die Hochschulen wie z. B. Gendergerechtigkeit, die
Partizipation bildungsferner Schichten, die Förderung des regionalen
Umfeldes usw. Diese Vielfalt der Aufgaben ist eine zentrale
Herausforderung für die Qualität und Quantität ihrer Erfüllung durch
Österreichs Hochschulen.
Alle Aufgaben gewinnen in den Industrieländern stark an Bedeutung
für Wirtschaft und Gesellschaft, etwa für das Wirtschaftswachstum,
für individuelle Beschäftigungschancen, für die Lösung
gesellschaftlicher und technologischer Probleme (z. B. Klimawandel,
Ressourcenknappheit). Alles spricht für einen weiteren
Bedeutungszuwachs der Aufgaben in der Zukunft. Die Aufgabenerfüllung
wird zusätzlich schwieriger, weil der internationale Wettbewerb um
Studierende, Forschende und Forschungsressourcen stark zunimmt: Eine
hohe Mobilität von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern trifft auf
Bemühungen, Mobilitätshemmnisse zu beseitigen (z. B. in der Form des
Europäischen Forschungsraumes), und auf weltweit verstärkt nach
Qualitätsaspekten rekrutierende Hochschulsysteme.
In internationalen Vergleichen der Forschungsleistung von
Hochschulen bleibt Österreich derzeit deutlich hinter Ländern wie
Schweden, Dänemark und Niederlande zurück, die ein ähnliches
Pro-Kopf-Einkommen aufweisen (Abbildung 1).Besonders wichtig für die
internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Hochschulen
erscheinen die folgenden Elemente:
- Die Universitätsautonomie wäre zu vervollständigen (entsprechend
den Fachhochschulen; Möglichkeit der Auswahl von Studierenden und der
Abstimmung der Ressourcen mit der Zahl der Studierenden, etwa durch
eine ausgebaute Studienplatzfinanzierung).
- Die Finanzierung in Relation zur Zahl der Studierenden sollte auf
das Niveau führender Vergleichsländer wie Finnland, Schweiz, Schweden
usw. angehoben werden, die bei ähnlichem Einkommensniveau mehr für
das tertiäre Bildungssystem ausgeben.
- Die Finanzierung sollte sich verstärkt an der Qualität von
Forschung und Lehre orientieren, etwa durch den signifikanten Ausbau
der kompetitiven Projektförderung einschließlich der Finanzierung
indirekter Projektkosten. Dabei sollten junge Forschende ihre
Forschung verstärkt über universitätsinterne Mittel, etablierte
Forschende (mit Festanstellung) eher über Drittmittel von FWF u. Ä.
finanzieren. Eine Neubetrachtung von § 26 Universitätsgesetz 2002
wäre notwendig, um die Verteilung der Drittmitteleinnahmen und den
Spielraum für gesamtuniversitäre Qualitätsstrategien neu zu regeln.
- Die Karriere- und Organisationsstrukturen sollten attraktiver
gestaltet werden, etwa so wie am Institute of Science and Technology
Austria. Qualität und Quantität des wissenschaftlichen Personals sind
neben der Finanzierung die wesentlichen Bestimmungsfaktoren der
Aufgabenerfüllung. Daher sind Rekrutierungsmechanismen, Karrierewege
und Organisationsstrukturen so zu gestalten, dass sie für die
weltbesten Forschenden und Lehrenden attraktiv sind. Das spricht
insbesondere für die flächendeckende Einführung strukturierter
Doktoratsstudien, durchgängiger Laufbahnperspektiven bis zum Full
Professor und von Departmentstrukturen, die die Zahl der unabhängig
Forschenden wesentlich steigern würde. Solche Strukturen wären auch
der Gendergerechtigkeit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
zuträglich. Sie erfordern eine Novelle des Universitätsgesetzes, die
insbesondere das gesonderte Berufungsprozedere für ordentliche
Professuren beseitigt im Sinn der Ausdehnung selektiver
Auswahlverfahren auf Assistenzprofessuren (§ 98 Universitätsgesetz
2002).
- Bestehende Instrumente wie die Leistungsvereinbarungen sollten
verstärkt genutzt werden, um die Zahl der Absolventinnen und
Absolventen aus bildungsfernen Schichten zu steigern.
Abbildung 1: Zahl der Hochschulen je Land gruppiert nach ihrer
Forschungsleistung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
2/2013 (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/46408)
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