• 08.03.2013, 21:31:20
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TIROLER TAGESZEITUNG vom 9. März 2013 Leitartikel von Mario Zenhäusern - Laues Lüfterl statt blauer Rückenwind

Innsbruck (OTS) - Utl: Nach den desaströsen Niederlagen vom Sonntag
wächst die Kritik der Parteibasis an FPÖ-Chef Strache. Erfolge bei
den Landtagswahlen in Salzburg und Tirol würden die Gegner verstummen
lassen - sind aber nicht in Sicht.

Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl. Das gilt auch für die
FPÖ. Das Desaster in Kärnten und die empfindliche Niederlage in
Niederös█terreich haben die erfolgsverwöhnten Blauen vor den beiden
ausstehenden Landtagswahlen in Tirol und Salzburg und der das
Superwahljahr abschließenden Nationalratswahl auf den Boden der
Realität zurückgeholt. Die Höhenflüge vergangener Jahre, die Zeiten,
in denen ein siegestrunkener Bundesparteiobmann Heinz-Christian
Strache die anderen Parteien wie Hasen vor sich hertrieb - all das
ist vorbei. Und beim Gedanken an die bevorstehenden Aufgaben geraten
selbst die sonst selten schmähstaden Parteistrategen ins Grübeln.
Der freiheitliche Sinkflug ist untrennbar mit dem Auftauchen neuer
Gruppierungen verbunden. Bisher hat die FPÖ einen Teil jener Stimmen
einkassiert, die SPÖ und ÖVP je länger, je mehr abhandenkamen. Seit
dem Auftauchen von Frank Stronach und weil gleichzeitig BZÖ-Chef
Josef Bucher hartnäckiger als erwartet ums politische Überleben
strampelt, ist Strache nicht mehr der einzige Hecht im Karpfenteich
der Proteststimmen, sondern einer von vielen.
Diese schwierige Ausgangslage scheint auch bei Strache Wirkung zu
zeigen. Er ist ganz offensichtlich angeschlagen. Nicht zuletzt, weil
seine Versuche, in den am Sonntag vernichtend geschlagenen
Landesorganisationen den starken Mann zu markieren, kläglich
fehlgeschlagen sind. In Kärnten ließ ihm der neue Parteichef
Chris█tian Ragger ausrichten, dass er nichts von einer Vereinnahmung
der Landesgruppe durch die Bundespartei hält, in Niederösterreich
scheiterte der Parteichef zuletzt mit dem Versuch, die freiheitliche
Rechtsaußen-Ikone Barbara Rosenkranz an der Spitze der Landespartei
abzulösen.
Vor den Nationalratswahlen braucht HC Strache also unbedingt einen
zählbaren Erfolg, will er sich im Herbst als wählbare Alternative
präsentieren. Kein leichtes Unterfangen. In Salzburg wird FPÖ-Chef
Karl Schnell im Duell zwischen SPÖ und ÖVP zerrieben und in Tirol ist
die Konkurrenz größer als anderswo. Zwar haben SPÖ, Grüne, FPÖ,
Bürgerforum, Fritz Gurgiser und sein Team, das Duo
Pfurtscheller/Gatt, das Team Stronach, Vorwärts Tirol, Kommunisten
und Piraten die Parole "Alle gegen die ÖVP" ausgegeben. Weil eine
derart überparteiliche Kooperation unrealisierbar ist, wird daraus
wohl ein "Jeder gegen jeden" werden. Der starke Rückenwind, den sich
Strache aus Tirol erhofft, droht angesichts der Vielzahl der Gegner
zum lauen Lüfterl zu verkommen.

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