- 06.03.2013, 20:48:05
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Medienwelt: Männer dominierten auch die neuen Meinungsmärkte
Podiumsdiskussion im Parlament zum Internationalen Frauentag
Utl.: Podiumsdiskussion im Parlament zum Internationalen Frauentag =
Wien (PK) - Der Mediensektor ist im Umbruch. Im digitalen Zeitalter
gewinnen digitale Medien und Social Media zunehmend an Terrain. Der
klassische Zeitungsmarkt droht ins Abseits zu geraten. Gleichzeitig
drängen Blätter, die ihren Fokus auf Skandale, Personen und
Entertainment legen, in den Vordergrund. Eines hat sich im
Medienbereich jedoch nicht geändert: die Macht der Männer. Sowohl im
Boulevard als auch in der "Blogosphäre" müssen Frauen meist mit den
Stehplätzen in den hinteren Reihen vorlieb nehmen, wie es das
Frauennetzwerk Medien auf den Punkt bringt. Es sind überwiegend
Männer, die berichten und die entscheiden, worüber berichtet wird.
Auch in der Politik bilden Frauen nach wie vor eine Minderheit.
Inwieweit das eine mit dem anderen zu tun haben könnte, wie es um die
Beteiligung von Frauen an der Gestaltung der Medien- und
Demokratiezukunft steht und warum gerade in diesen Bereichen um mehr
Frauen-Power gekämpft werden sollte, darüber diskutierte heute eine
prominente Frauenrunde im Parlament. Aus Anlass des Internationalen
Frauentags am 8. März luden Nationalratspräsidentin Barbara Prammer
und das Frauennetzwerk Medien dazu ein, sich über das Thema "Neue
Meinungsmärkte - Alte Männermacht" Gedanken zu machen. Am Podium
saßen neben Prammer auch die Journalistin und Vorsitzende des
Frauennetzwerk Medien Karin Strobl, die Informatikerin und Gender-
Forscherin Edeltraud Hanappi-Egger, die Journalistin Anita Zielina
und Maral Akin-Hecke, Gründerin des IT-Unternehmens Digitalks.
Akin-Hecke: Frauen müssen neue Medien für ihre Zwecke nutzen
Maral Akin-Hecke war es auch, die im Rahmen der Diskussion immer
wieder an die Frauen appellierte, sich die neuen Medien anzueignen
und sie als Chance zu begreifen. Wer im Internet sichtbar sei,
gewinne Reputation, zudem könne man die sozialen Medien für Lobbying
und Agenda-Setting nutzen. Beim Ausmaß der Nutzung von Facebook und
Twitter gibt es ihr zufolge keine wesentlichen
geschlechtsspezifischen Unterschiede, Akin-Hecke räumte aber ein,
dass in erster Linie Familien-, Food-, Reise- und Fashionblogs in
Frauenhand seien, während politische und wirtschaftliche Themen von
Männern besetzt würden.
Prammer: Unseriöse Politiker kommen leichter in die Medien
Nationalratspräsidentin Prammer äußerte gegenüber der digitalen
Medienwelt allerdings einige Vorbehalte. Sie gab zu bedenken, dass
eine kontinuierliche Präsenz auf Plattformen wie Twitter oder
Facebook zeitraubend sei und nur Sinn mache, wenn man authentisch bei
den UserInnen ankomme. Besonders kritisch äußerte sich Prammer zu
anonymen Postings. Für sie stellt sich die Frage, ob es Auftrag der
Medien sei, "diesem massiven Unsinn Vorschub zu leisten". Abgesehen
von "Sexismus pur" ließen viele Poster einfach nur Dreck fallen, in
der Erwartung, dass irgendwer schon beschmutzt werde, kritisierte
sie.
Prammer sieht die Medien aber auch in anderer Hinsicht gefordert.
Dass PolitikerInnen immer weniger Vertrauen in der Bevölkerung
genießen, führt sie nicht zuletzt auf die Art der medialen
Berichterstattung und die Schwierigkeit zurück, die Komplexität der
Politik adäquat darzustellen. Sie habe manchmal den Eindruck, je
unseriöser ein Politiker sei, desto eher lande er in den Medien,
konstatierte sie. Damit blieben aber oft auch die Frauen auf der
Strecke, die Prammers Überzeugung nach gesamt gesehen in der Politik
"die Seriöseren" sind. Durch die angespannte finanzielle Lage in der
Medienbranche sieht Prammer außerdem die große Gefahr der
"Prostitution" von Zeitungen gegenüber der Politik.
Strobl: Neue Kriterien für Presseförderung
Karin Strobl, als Chefredakteurin der Regionalmedien Austria (RMA)
für die überregionale Österreich-Seite von 128 Bezirkszeitungen
zuständig, machte auf das Ungleichgewicht zwischen dem Ausmaß der
Presseförderung und dem Inseratenvolumen der öffentlichen Hand
aufmerksam. Ihrer Meinung nach wäre es sinnvoll, mehr Geld für
Qualitätsjournalismus bereitzustellen und die Presseförderung an
frauenfördernde Maßnahmen in den Verlagen zu knüpfen.
Was die Seriosität der Berichterstattung anlangt, hob Strobl hervor,
es gehöre zum Leitbild der RMA-Blätter, konkreten Nutzen in den
Regionen zu stiften. Überrascht sei sie gewesen, als sich diese Woche
bei einem Interview mit Wirtschafts- und Familienminister Reinhold
Mitterlehner herausgestellt habe, dass ihm zuvor noch nie jemand die
Frage gestellt habe, wie er als Familienminister Beruf und Familie
vereinbaren könne.
Zielina: Blogs bieten Chance, sich einen Namen zu machen
Anita Zielina, Stellvertretende Chefredakteurin von derstandard.at
und demnächst Online-Chefin des "Stern", verteidigte die Poster-Foren
und meinte, auch ohne solche Foren würden dumme Leute dumme Dinge
sagen, ohne dass jedoch die Möglichkeit bestünde moderierend
einzugreifen. Die neue digitale Medienwelt sieht sie insofern als
große Chance für Frauen, weil schnell Neues entstehe, das noch nicht
männlich besetzt sei. Blogs würden ihr zufolge außerdem die
Möglichkeit bieten, sich ohne "gatekeeper" als Journalistin einen
Namen zu machen und sich eine Stimme zu geben.
Hanappi-Egger: Systemänderungen erfordern starken Druck von außen
Edeltraud Hanappi-Egger, Professorin an der Wirtschaftsuniversität
Wien, zeigte sich davon überzeugt, dass es starken Druck von außen
brauche, wenn man ein System verändern wolle. Man müsse das
Systemverhalten stören, betonte sie und plädierte in diesem Sinn für
gesetzliche Regulative. Um von innen etwas zu verändern, fehlt ihrer
Meinung nach den Frauen die Macht. Nationalratspräsidentin Prammer
gab in diesem Zusammenhang allerdings zu bedenken, dass es für
Frauenquoten keine Mehrheit in Österreich gebe.
Journalisten verdienen deutlich mehr als Journalistinnen
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Elisabeth Pechmann. Sie
verwies unter anderem auf eine Umfrage, bei der 50 % der männlichen
Journalisten angaben, mehr als 2.500 € im Monat zu verdienen, aber
nur 26 % der Journalistinnen. Zudem machte sie darauf aufmerksam,
dass alle bekannten Blogs in Österreich von Männern geführt würden,
auch die Gründer der in der Öffentlichkeit am meisten bekanntetn
Internet-Initiativen seien allesamt männlich.
Von Seiten der Abgeordneten beteiligten sich auch die
Frauensprecherinnen der ÖVP und der Grünen, Dorothea Schittenhelm und
Judith Schwentner, an der Diskussion. Anwesend war auch Abgeordnete
Anna Höllerer (V).
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion sorgte das Frauenquartett
Jelena Popržan, Ljubinka Jokic, Lina Neuner und Maria Petrova für
Stimmung im Empfangssalon des Hohen Hauses. Unter anderem am
Programm: Folk-Songs vom Balkan in innovativen Arrangements, eigene
Instrumentalkompositionen und Lieder von Bertolt Brecht bis Georg
Kreisler.
Kostenlose Schwerpunktführungen zum Thema "Frauen im Parlament"
Das Parlament bietet anlässlich des Frauentags die ganze Woche
kostenlose Schwerpunktführungen zum Thema "Frauen im Parlament" an.
Noch bis Samstag haben Interessierte die Gelegenheit, Wissenswertes
über die Einführung des Frauenwahlrechts 1918, die ersten
österreichischen Parlamentarierinnen und andere politische
Pionierinnen zu erfahren. Die Führungen finden Donnerstag und Freitag
jeweils um 17 Uhr, am Samstag um 15.30 Uhr statt. Für die Teilnahme
an einer Führung ist eine verbindliche Anmeldung unter
[email protected] erforderlich. (Schluss) gs
HINWEIS: Fotos von der Podiumsdiskussion finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2260, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at
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