• 05.03.2013, 21:30:25
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Tiroler Tageszeitung - Leitartikel vom 6. März 2013 von Michael Sprenger - Die Rückkehr des Parteisoldaten

Innsbruck (OTS) - Utl: Werner Faymann hat lange Zeit die Partei links
liegen gelassen. Er vertraute zu lange auf seine Personalpolitik und
seine gute Beziehung zum Boulevard. Eine Fehleinschätzung. Jetzt muss
Norbert Darabos die Partei wieder flottmachen.

In der Partei rumorte es schon lange. Doch der Rumor war bislang nur
im kleinen Kreis zu hören. Die SPÖ war bis zuletzt immer noch
diszipliniert genug, um Kritik nur hinter vorgehaltener Hand zu
äußern. Doch die Wahlverluste unter dem Vorsitz von Werner Faymann
zerrten bereits an den Nerven. Und es wurde immer häufiger eine
Schuldige ausgemacht: die Parteizentrale in der Löwelstraße. Einst
der Sitz der Partei, wo echte Kaliber das Sagen hatten. Doch seit
Faymann den Vorsitz hat, wird dort nur noch hausbackene Arbeit
verrichtet. Ohne sozialdemokratische Überzeugung, ohne Kraft, ohne
Anspruch.
Das Ergebnis dieser Form der Parteiarbeit musste letzten Endes auch
der Kanzler zur Kenntnis nehmen: Die SPÖ hat keine Kampagnenfähigkeit
mehr. In einem Superwahljahr kann es für eine Partei, die noch dazu
den Kanzler stellt, kein schlimmeres Zeugnis geben.
Ungewohnt rasch vollzog der konsensorientierte Faymann nach dem
heißkalten Wahlsonntag die Rochade. Und er konnte damit gleich
mehrere Schwachstellen - und Angriffsflächen für den politischen
Gegner - auf einmal beseitigen. Das Verteidigungsministerium bekommt
mit Gerald Krug einen neuen, unbelasteten Minister. Günther Kräuter
wechselt gerne in die Volksanwaltschaft - und vor allem hat er nun
mit Norbert Darabos einen treuen Parteisoldaten zur Seite, der
bereits dreimal den Beweis antreten konnte, in für die Partei
schwierigen Wahlkampf-zeiten das Ruder herumzureißen. Mit der
Rückkehr des Parteisoldaten in die Parteizentrale hat Faymann auch
indirekt zugegeben, dass die bloße Allianz mit dem Boulevard zu wenig
ist, um Kanzler bleiben zu können. Insofern war Faymann bei der
gestrigen Präsentation seines neuen Parteimanagers und
Wahlkampfleiters geradezu entlarvend ehrlich, als er sagte: Darabos
könne glaubwürdig erklären, wofür die SPÖ stehe.
Darabos sah man gestern förmlich die Erleichterung an. So als ob er
danach brennen würde, der SPÖ wieder dieses Feuer zu geben, das sie
braucht. Er will die Parteifunktionäre wieder auf der Straße sehen.
Vorbei die Zeiten der plakativen Botschaften. Darabos war kein guter
Minister, er hat es auch von Anfang an nie leicht gehabt im
Verteidigungsressort, aber er ist ein Kämpfer, der auf einem
ideologischen Fundament steht. Er besitzt also jene Eigenschaften,
die Faymann fehlen. So könnten sich die beiden bis zur
Nationalratswahl gut ergänzen.

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