- 01.03.2013, 21:01:26
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 2. März 2013 von Michael Sprenger "Provinz wählt, Wien wird nervös"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Der morgige Wahltag hat es in sich. Denn mit
den Wahlergebnissen werden nicht nur die Weichen für die
Nationalratswahlen gestellt, sie werden auch für heftige Debatten in
den Zentralen der Bundesparteien sorgen.
Da braut sich etwas zusammen.
Am morgigen Sonntag erlebt das Superwahljahr 2013 mit den
Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten nicht nur seinen
ersten Höhepunkt, es werden auch die Weichen für die Nationalratswahl
im Herbst gestellt. Selten hatte ein Landtagswahlsonntag so eine
bundesweite Bedeutung wie der morgige 3. März. Und das für alle
Parteien. Zwar führt nur Josef Bucher, der sich als Bundesparteichef
des BZÖ in Kärnten zum Spitzenkandidaten aufstellen lassen musste,
einen politischen Überlebenskampf, doch die Nervosität geht in allen
Wiener Parteizentralen um. So braucht der SPÖ-Parteivorsitzende
Werner Faymann unbedingt einen Erfolg der Kärntner Genossen. Und
Erfolg kann nur heißen, den Landeshauptmannsessel zu erobern. Gelingt
dies der SPÖ nicht, dann dürfte sich in der Partei und der roten
Regierungsmannschaft das Personenkarussell rasch zu drehen beginnen.
Doch auch Faymanns Koalitionspartner ist höchst angespannt. Verliert
in St. Pölten Erwin Pröll die Absolute und fällt in Kärnten der
letzte Schwarze aus der Regierung, dann wird nicht einmal mehr
Michael Spindelegger glauben, dass 2013 das Jahr der ÖVP wird. Das
kurze Euphorie-Hoch nach der Volksbefragung wäre wie weggeblasen -
und der Zorn eines angeschlagenen, aber immer noch mächtigen Pröll
würde der Bundespartei das Leben schwer machen.
Nicht einmal die FPÖ gibt sich locker. Sie weiß, dass ihre Kärntner
Schwesterpartei verlieren wird. Doch kommt die Partie von Gerhard
Dörfler und den Scheuch-Brüdern unter die Räder und der
Landeshauptmannsessel geht verloren, dann bekommt Heinz-Christian
Strache ein Problem. Denn verliert die FPÖ, gewinnt das Team
Stronach. Und Strache hätte dann an der Populismusfront einen echten
Gegenspieler für den Herbst. Bleibt allerdings die Partei des
Milliardärs unter ihren Erwartungen, dann dürfte auch schon der
Abgesang dieser Truppe beginnen.
Obwohl vielleicht die Grünen am wenigsten zu zittern hätten, weiß Eva
Glawischnig, dass am Montag bereits eine parteinterne Debatte über
falsche Strategien und falsche Themen einsetzen wird, wenn in Kärnten
die Gruppe um den Aufdecker und Aufklärer Rolf Holub klar unter zehn
Prozent bleibt.
Da braut sich also etwas zusammen. Die Verlierer von morgen sorgen
allemal für stürmische Zeiten bei den Parteifreunden in Wien.
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