- 28.02.2013, 21:37:56
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 1. März 2013 von Wolfgang Sablatnig "Die Verantwortung für das Blut"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Die HIV-Infektion einer Frau in Ostösterreich
zeigt, dass trotz aller Vorkehrungen immer ein Restrisiko bleibt.
Dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein, vom Roten Kreuz bis
hin zu den freiwilligen Spendern.
Es wirkt wie eine reflexartige Schutzbehauptung, wenn der
Generalsekretär des Roten Kreuzes voller Überzeugung jede Schuld
seiner Organisation an der HIV-Infektion einer Patientin zurückweist.
Immerhin kam die als Verursacher identifizierte Blutprobe vom Roten
Kreuz. Und mit einem späteren Spezialtest wurde die Verseuchung mit
dem Aids-Erreger auch tatsächlich festgestellt.
Auf der anderen Seite steht aber die Erfolgsbilanz des Blutspendens.
Sechs Millionen Konserven hat allein das Rote Kreuz in den
vergangenen 15 Jahren ausgeliefert und damit Tausende Menschenleben
gerettet. Und in dieser Zeit wurden - den aktuellen Fall eingerechnet
- gerade einmal drei HIV-Infektionen durch Blutkonserven bekannt. Das
Risiko für eine Infektion mit dem Aids-Erreger liege bei gerade
einmal eins zu 2,5 Millionen, rechnete das Rote Kreuz gestern vor.
Diese Wahrscheinlichkeit sei geringer als bei gängigen medizinischen
Routineeingriffen, sagen Experten.
Auch das Gesundheitsministerium und seine Medizin-Agentur bestätigten
gestern, dass das Rote Kreuz fehlerlos gehandelt habe und die
Sicherheitsverfahren ausreichend seien. Akuten Handlungsbedarf sieht
Ressortchef Alois Stöger nicht.
Für jene Frau, die nun mit dem HIV-Erreger leben muss, sind diese
Statistiken und Versicherungen dennoch nur ein schwacher Trost - so
wie auch künftige Betroffene der Wahrscheinlichkeit gerne ein
Schnippchen schlagen würden.
Einfach zur Tagesordnung überzugehen, ist daher nicht möglich.
Behörden und Blutlieferanten werden gut daran tun, ihre Verfahren und
Sicherheitsvorkehrungen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen,
und wenn sie noch so davon überzeugt sind, dass sie in jedem Punkt
internationalen Standards entsprechen. Denn das Vertrauen der Bürger
in die hohen Standards der Blutversorgung darf nicht verlorengehen.
"Blutspenden kann Leben retten" - dieses Motto gilt weiterhin. Unter
den erwachsenen Tirolerinnen und Tirolern beherzigen das auch sieben
Prozent und lassen sich zumindest ein- oder zweimal pro Jahr an die
Nadel hängen - unentgeltlich und allen Unannehmlichkeiten zum Trotz.
Österreichweit sind es nur rund fünf Prozent, in Wien gar nur 2,2
Prozent.
Ein großes Maß an Verantwortung liegt auch bei diesen Spendern. Wo
die Technik keine letzte Sicherheit bieten kann, dürfen nicht
Leichtsinn oder Unachtsamkeit zum Risikofaktor werden.
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