• 24.02.2013, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Die Medizin muss endlich zum Röntgen", von Peter Nindler

Ausgabe vom 25. Februar 2013

Utl.: Ausgabe vom 25. Februar 2013 =

Innsbruck (OTS) - Die Ärztemisere in Österreich lässt sich nicht mehr
verschweigen. Die Politik ist gefordert, endlich ein umfassendes
Reformpaket vorzulegen, damit die Patientenversorgung in den nächsten
Jahren nicht schleichend ausgehöhlt wird.

Die Gesundheitspolitik reibt sich derzeit zwischen den Interessen
des Bundes und der Länder, des Wissenschafts- und
Gesundheitsministeriums, der Ärztekammer und der Sozialversicherungen
sowie der Medizinischen Universitäten auf. Geflissentlich übersehen
dabei die handelnden Akteure, wo es tatsächlich krankt: nämlich in
den Krankenhäusern, der Ärzteausbildung und bei der Attraktivität des
Berufs "Land- und Spitalsarzt".
Die Aufregung war groß, als zu Jahresbeginn bekannt wurde, dass es
wegen der Gehaltsstrukturen und der Arbeitsbedingungen an den Tiroler
Landeskrankenhäusern bzw. der Klinik Innsbruck immer schwieriger
wird, neue Assistenzärzte zu gewinnen und erfahrene Oberärzte zu
halten. Das Problem mit dem Mangel an Turnusärzten fügt sich als
Mosaikstein in die ungelöste Misere. Es lässt sich nicht mehr länger
unter den Tisch kehren, dass akuter medizinischer Handlungsbedarf
besteht. Schließlich warnt die Ärztekammer schon seit Monaten, dass
bis zum Jahr 2030 rund 2500 Allgemeinmediziner und 5200 Fachärzte in
Österreich fehlen werden.
Dass Linz ebenfalls eine Medizin-Uni für sich beansprucht, ist
angesichts der von der Ärztekammer skizzierten Zukunftsperspektive
verständlich. Doch das Konzept scheint nicht ausgegoren zu sein und
könnte zulasten der anderen Med-Unis und der stationären
Patientenversorgung in Graz oder Innsbruck gehen. Was fehlt, ist ein
gesamtheitliches Röntgen der Ärztemisere in Österreich und eine
einheitliche Therapie für eine Verbesserung.
Die (finanziellen) Rahmenbedingungen für Jungärzte sind schlecht
und die Quotenregelung bei den Studienplätzen ein notwendiges Übel,
um den Ansturm deutscher Medizinstudenten abzuwehren, die dann wieder
nach Deutschland zurückkehren. Dorthin sowie in die Schweiz oder in
skandinavische Länder zieht es auch den heimischen
Mediziner-Nachwuchs. Damit wird jedoch eine Negativspirale ausgelöst:
Es gibt zu wenige rotweißrote Medizinstudenten, die Absolventen gehen
lieber ins Ausland, deshalb fehlen wiederum die notwendigen
Turnusärzte und in der Folge die Fachärzte und die
Allgemeinmediziner. Und in den ländlichen Regionen wollen ohnehin
immer weniger praktische Ärzte ordinieren.
Weder neue Unis noch zusätzliche Landesinstitute können die
Probleme lösen. Da benötigt es schon eine Wurzelbehandlung von Bund,
Ländern, Wissenschafts- und Gesundheitsministerium, Ärztekammer, Unis
und Sozialversicherungen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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