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OTS0234   13. Feb. 2013, 21:00

TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 14. Februar 2013, von Katharina Zierl: "Über Facebook das Gesicht verlieren"


Fotos und Bilder auf sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, dauert nur wenige Sekunden. Dass unüberlegte Mitteilungen langfristig großen Schaden anrichten können, ist vielen Nutzern jedoch zu wenig bewusst.

Erst denken, dann klicken. Möchte man meinen. Ist das Internet doch keineswegs ein privater oder rechtsfreier Raum. Jedes veröffentlichte Bild und jeder Kommentar sind einer breiten Masse zugänglich. Und rufen Reaktionen hervor. Dass die Geschäftsführerin einer Modefiliale das Foto einer Ladendiebin auf Facebook postete, macht deutlich, wie gefährlich unüberlegte Veröffentlichungen sein können. Denn auch wenn die Frau das Bild samt zynischem Kommentar bereits nach kurzer Zeit wieder entfernte: Rechtlich hat sie eine Grenze überschritten. Im von vielen Experten nach wie vor als juristische Grauzone beschriebenen Internet gibt es eben doch Regeln. Wer jemanden öffentlich an den Pranger stellt, begibt sich auf dünnes Eis. Auch im Netz. Das ist vielen Nutzern aber nicht bewusst. Der einzige Grund, warum bislang nicht mehr Urteile in Sachen rechtlich zweifelhafter Kommentare und Fotos auf sozialen Netzwerken gefällt wurden, ist, dass sich Betroffene nicht trauen, in die Offensive zu gehen. Zu wenig ist über die Persönlichkeitsrechte im weltweiten Netz bekannt. Zu oft haben Betroffene Angst, mit einer Klage am Ende noch schlechter dazustehen als mit einer Beschädigung ihres Images. Dabei wären richtungsweisende Urteile dringend nötig, um aufzuzeigen, dass Regeln, die im realen Leben gelten, auch im Internet anzuwenden sind - in zwischenmenschlicher und in rechtlicher Hinsicht. Soziale Netzwerke sind, was gegenseitige Beleidigungen betrifft, allerdings nur ein Teil des Problems. Diverse Internetforen sind ein Sammelbecken für Untergriffe und Mobbing. Anonym und offenbar von jeglicher Schamgrenze befreit werden Kommentare abgegeben, die an Niveau teilweise nicht zu unterbieten sind. Unter dem schützenden Deckmantel der Anonymität lässt es sich gut poltern. Dass im Alltag geltende Umgangsformen im Internet oft ignoriert werden, ist auch auf sozialen Netzwerken zu beobachten. Was sich allerdings auf diversen Foren an Schlammschlachten abspielt, hat mit gegenseitigem Respekt nichts mehr zu tun. Wer eine Meinung hat, sollte dazu stehen. Und sich nicht hinter einem Nick-Namen verstecken, um seiner Frustration freien Lauf lassen zu können. Und wer zu feig ist, sich zu dem zu bekennen, was er denkt, sollte sich sowohl in der echten als auch in der virtuellen Welt in nobler Zurückhaltung üben. Und sich nicht im Netz anonymer Anschuldigungen verfangen.

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