- 13.02.2013, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 14. Februar 2013, von Katharina Zierl: "Über Facebook das Gesicht verlieren"
Innsbruck (OTS) - Fotos und Bilder auf sozialen Netzwerken zu
veröffentlichen, dauert nur wenige Sekunden. Dass unüberlegte
Mitteilungen langfristig großen Schaden anrichten können, ist vielen
Nutzern jedoch zu wenig bewusst.
Erst denken, dann klicken. Möchte man meinen. Ist das Internet doch
keineswegs ein privater oder rechtsfreier Raum. Jedes veröffentlichte
Bild und jeder Kommentar sind einer breiten Masse zugänglich. Und
rufen Reaktionen hervor.
Dass die Geschäftsführerin einer Modefiliale das Foto einer
Ladendiebin auf Facebook postete, macht deutlich, wie gefährlich
unüberlegte Veröffentlichungen sein können. Denn auch wenn die Frau
das Bild samt zynischem Kommentar bereits nach kurzer Zeit wieder
entfernte: Rechtlich hat sie eine Grenze überschritten. Im von vielen
Experten nach wie vor als juristische Grauzone beschriebenen Internet
gibt es eben doch Regeln. Wer jemanden öffentlich an den Pranger
stellt, begibt sich auf dünnes Eis. Auch im Netz. Das ist vielen
Nutzern aber nicht bewusst.
Der einzige Grund, warum bislang nicht mehr Urteile in Sachen
rechtlich zweifelhafter Kommentare und Fotos auf sozialen Netzwerken
gefällt wurden, ist, dass sich Betroffene nicht trauen, in die
Offensive zu gehen. Zu wenig ist über die Persönlichkeitsrechte im
weltweiten Netz bekannt. Zu oft haben Betroffene Angst, mit einer
Klage am Ende noch schlechter dazustehen als mit einer Beschädigung
ihres Images. Dabei wären richtungsweisende Urteile dringend nötig,
um aufzuzeigen, dass Regeln, die im realen Leben gelten, auch im
Internet anzuwenden sind - in zwischenmenschlicher und in rechtlicher
Hinsicht.
Soziale Netzwerke sind, was gegenseitige Beleidigungen betrifft,
allerdings nur ein Teil des Problems. Diverse Internetforen sind ein
Sammelbecken für Untergriffe und Mobbing. Anonym und offenbar von
jeglicher Schamgrenze befreit werden Kommentare abgegeben, die an
Niveau teilweise nicht zu unterbieten sind. Unter dem schützenden
Deckmantel der Anonymität lässt es sich gut poltern. Dass im Alltag
geltende Umgangsformen im Internet oft ignoriert werden, ist auch auf
sozialen Netzwerken zu beobachten. Was sich allerdings auf diversen
Foren an Schlammschlachten abspielt, hat mit gegenseitigem Respekt
nichts mehr zu tun. Wer eine Meinung hat, sollte dazu stehen. Und
sich nicht hinter einem Nick-Namen verstecken, um seiner Frustration
freien Lauf lassen zu können. Und wer zu feig ist, sich zu dem zu
bekennen, was er denkt, sollte sich sowohl in der echten als auch in
der virtuellen Welt in nobler Zurückhaltung üben. Und sich nicht im
Netz anonymer Anschuldigungen verfangen.
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