- 02.01.2013, 20:50:40
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. Jänner 2012 von Wolfgang Sablatnig "Fehlstart ins Bildungsjahr 2013"
Innsbruck (OTS) - Utl.: 2013 hat gerade erst begonnen, da fallen
Staatssekretär Kurz und Unterrichtsministerin Schmied in ihre alten
Streitmuster zurück. Leidtragende sind die Kinder von Zuwanderern und
letztlich wir alle als Gesellschaft.
Sebastian Kurz und Claudia Schmied werden zum Problem. Kaum hatte das
neue Jahr begonnen, verfielen der schwarze Integrationsstaatssekretär
und die rote Unterrichtsministerin gestern in ein vertrautes
Verhalten: Kurz preschte über die Medien mit einem Vorschlag vor, der
Schmieds Ressort betrifft - und diese reagierte verschnupft. Der
Inhalt rückte in den Hintergrund.
Dabei ist kaum ein Bereich vorstellbar, in dem innovative Lösungen
dringender erforderlich sind als an der Schnittstelle von Zuwanderung
und Schule. Kinder und Jugendliche, die ihre Schulpflicht absitzen,
mangels Deutschkenntnissen dem Unterricht nicht oder nur schwer
folgen können, starten mit einer schweren Hypothek in ihr späteres
(Berufs-)Leben.
Und das ist nicht nur für die unmittelbar Betroffenen ein Problem,
sondern letztlich für die ganze Gesellschaft und damit für uns alle:
Der Anteil jener, die vom Sozialstaat abhängig sind, steigt - während
gleichzeitig Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Wirtschaft
sinken. Dass Österreich damit auch bei den internationalen
Bildungsstudien von PISA bis PIRLS immer wieder abgestraft wird, ist
da nur ein bedauerlicher Nebeneffekt.
Mit Schmied und Kurz haben einander aber zwei getroffen, zwischen
denen nicht nur inhaltliche und ideologische, sondern vor allem
persönliche Gräben und Ressentiments liegen. Gerade im
Integrationsbereich ist das eine denkbar ungünstige Konstellation.
Denn Kurz ist als Staatssekretär zwar dem Namen nach zuständig dafür,
wie Zuwanderer und eingesessene Österreicher ihr Zusammenleben
gestalten - in der konkreten Umsetzung der Vorschläge seines
Expertenbeirats, mit denen er medial immer wieder vorprescht, ist er
aber immer auf andere Minister angewiesen.
Das funktioniert mit manchen Regierungskollegen besser. Schmied
hingegen lässt ihn immer wieder abblitzen und will sich vom
Jungpolitiker Kurz nicht in ihr Ressort hineinregieren lassen.
Sebastian Kurz und Claudia Schmied haben einen veritablen Fehlstart
ins Bildungsjahr 2013 hingelegt. Noch haben sie und mit ihnen ihre
Parteien aber die Chance, die Scharte auszuwetzen und rasch ein
gemeinsames Modell vorzulegen. Befindlichkeiten und den Drang zu
schnellen Schlagzeilen müssen sie dabei zähmen. Denn die Zeit für ein
weiteres Zuwarten haben wir alle nicht - schon gar nicht, wenn dieses
Zuwarten keinen sachlichen Gründen geschuldet ist.
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