- 23.12.2012, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Wenn Weihnachten ist", von Alois Vahrner
Ausgabe vom 24. Dezember 2012
Utl.: Ausgabe vom 24. Dezember 2012 =
Innsbruck (OTS) - Vielen Österreichern geht es trotz der rauen
wirtschaftlichen Zeiten noch immer gut. Die Zahl jener, die um ihre
Existenz kämpfen müssen, nimmt aber zu. Schön, dass die
Hilfsbereitschaft gerade jetzt steigt.
Die angeblich stillste Zeit des Jahres ist längst zur hektischsten
geworden. Statt besinnlicher Lieder und Kerzenschein am Adventkranz
gab es für viele wohl Jahresend-Stress in der Firma, hektisches
Einkaufen in überfüllten Einkaufszentren und Kaufhäusern, dabei
beschallt von den immer gleichen Weihnachts-Dauerschleifen-Popsongs.
Selbst am heutigen Vormittag hetzen noch Unzählige durch die Straßen
und kaufen vor allem Unmengen an Lebensmitteln
ein - fast so, als ob die Maya statt des verpufften Weltuntergangs
einen Monat totalen Ladenschluss prophezeit hätten.
Natürlich ist es für die sonst schwächelnde Wirtschaft extrem
wichtig, dass der Konjunkturmotor auf ähnlich hohen Touren läuft wie
im Vorjahr. Und dafür sind sowohl das zuweilen viel zu schrille und
marktschreierische Weihnachtsgeschäft als auch volle Urlauberbetten
in den Tiroler Tourismuszentren starke Gradmesser.
Vielen in Tirol und Österreich, aber auch in den wichtigsten
Tourismus-Herkunftsländern wie Deutschland oder Holland, geht es
unverändert gut. Der so oft zitierten Wirtschafts- oder Eurokrise zum
Trotz. Im globalen Vergleich ist gerade Österreich, was den Wohlstand
betrifft, weiterhin ein glückliches Land.
Trotzdem gilt jetzt, gerade zu Weihnachten, der Blick all jenen,
denen es auch hierzulande nicht so gut geht. Und traurige Tatsache
ist leider, dass die Schere zwischen Wohlhabenden und jenen, die auch
in unserem Land wenig haben, weiter aufgegangen ist. Die Zahl jener,
die Monat für Monat, oft nach persönlichen Schicksalschlägen, um ihre
Existenz kämpfen müssen, steigt weiter, wie gerade auch die
Hilfsorganisationen registriert haben. Betroffen sind Arbeitslose
ebenso wie Alleinerzieherinnen, kinderreiche Familien oder
Mindestrentner.
Österreich ist ein Sozialstaat und zu Recht stolz darauf. Und noch
stolzer dürfen die Österreicherinnen und Österreicher auf ihre eigene
Hilfsbereitschaft sein. Unzählige leisten unbezahlte und oft auch zu
wenig bedankte freiwillige Arbeit für die Allgemeinheit und sozial
Schwache. Und noch nie zuvor haben Private in Österreich so viel für
wohltätige Zwecke im In- und Ausland gespendet wie heuer. Mehr als
eine halbe Milliarde wurde gespendet, vier von fünf Österreichern
spenden zumindest einmal im Jahr für eine gute Sache.
Dies alles entbindet den Staat aber nicht von seiner Aufgabe, trotz
seiner Budgetnöte genauer darauf zu schauen, dass das soziale Netz
nirgends reißt. Ein Weihnachtswunsch, der im Sinne des ganzen Landes
hoffentlich in Erfüllung gehen wird.
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