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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Wenn Weihnachten ist", von Alois Vahrner

Ausgabe vom 24. Dezember 2012

Innsbruck (OTS) - Vielen Österreichern geht es trotz der rauen wirtschaftlichen Zeiten noch immer gut. Die Zahl jener, die um ihre Existenz kämpfen müssen, nimmt aber zu. Schön, dass die Hilfsbereitschaft gerade jetzt steigt.

Die angeblich stillste Zeit des Jahres ist längst zur hektischsten geworden. Statt besinnlicher Lieder und Kerzenschein am Adventkranz gab es für viele wohl Jahresend-Stress in der Firma, hektisches Einkaufen in überfüllten Einkaufszentren und Kaufhäusern, dabei beschallt von den immer gleichen Weihnachts-Dauerschleifen-Popsongs. Selbst am heutigen Vormittag hetzen noch Unzählige durch die Straßen und kaufen vor allem Unmengen an Lebensmitteln
ein - fast so, als ob die Maya statt des verpufften Weltuntergangs einen Monat totalen Ladenschluss prophezeit hätten.
Natürlich ist es für die sonst schwächelnde Wirtschaft extrem wichtig, dass der Konjunkturmotor auf ähnlich hohen Touren läuft wie im Vorjahr. Und dafür sind sowohl das zuweilen viel zu schrille und marktschreierische Weihnachtsgeschäft als auch volle Urlauberbetten in den Tiroler Tourismuszentren starke Gradmesser.
Vielen in Tirol und Österreich, aber auch in den wichtigsten Tourismus-Herkunftsländern wie Deutschland oder Holland, geht es unverändert gut. Der so oft zitierten Wirtschafts- oder Eurokrise zum Trotz. Im globalen Vergleich ist gerade Österreich, was den Wohlstand betrifft, weiterhin ein glückliches Land.
Trotzdem gilt jetzt, gerade zu Weihnachten, der Blick all jenen, denen es auch hierzulande nicht so gut geht. Und traurige Tatsache ist leider, dass die Schere zwischen Wohlhabenden und jenen, die auch in unserem Land wenig haben, weiter aufgegangen ist. Die Zahl jener, die Monat für Monat, oft nach persönlichen Schicksalschlägen, um ihre Existenz kämpfen müssen, steigt weiter, wie gerade auch die Hilfsorganisationen registriert haben. Betroffen sind Arbeitslose ebenso wie Alleinerzieherinnen, kinderreiche Familien oder Mindestrentner.
Österreich ist ein Sozialstaat und zu Recht stolz darauf. Und noch stolzer dürfen die Österreicherinnen und Österreicher auf ihre eigene Hilfsbereitschaft sein. Unzählige leisten unbezahlte und oft auch zu wenig bedankte freiwillige Arbeit für die Allgemeinheit und sozial Schwache. Und noch nie zuvor haben Private in Österreich so viel für wohltätige Zwecke im In- und Ausland gespendet wie heuer. Mehr als eine halbe Milliarde wurde gespendet, vier von fünf Österreichern spenden zumindest einmal im Jahr für eine gute Sache.
Dies alles entbindet den Staat aber nicht von seiner Aufgabe, trotz seiner Budgetnöte genauer darauf zu schauen, dass das soziale Netz nirgends reißt. Ein Weihnachtswunsch, der im Sinne des ganzen Landes hoffentlich in Erfüllung gehen wird.

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