- 22.12.2012, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Frauen sind gefährdeter" von Liane Pircher, Ausgabe vom 23. Dezember 2012
Es ist verfehlt, Hilfseinrichtungen nur zur Weihnachtszeit verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.
Utl.: Es ist verfehlt, Hilfseinrichtungen nur zur Weihnachtszeit
verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken. =
Innsbruck (OTS) - Warum emotionaler Stress nicht der einzige Grund
für Gewalt gegen Frauen ist und was es noch zu tun gibt - weltweit.
Die wohl erschütterndste Geschichte über Gewalt und Unterdrückung
war in diesem Jahr jene von dem Mädchen Malala Yousafzai. Sie
erinnern sich? Das war jenes 15-jährige pakistanische Mädchen, das
für den bloßen Wunsch, zur Schule gehen zu dürfen, von den Taliban
eine Kugel durch den Kopf gejagt bekam. Das Mädchen überlebte
schwerst verletzt. Malala wurde zur Symbolfigur für Widerstand und
Mut - in der muslimischen Welt, aber auch im Westen bewegte diese
Geschichte. Gewalttaten gegen Frauen wühlten in den vergangenen
Wochen auch hierzulande die Gemüter auf - zwei Frauen wurden von
ihren Ehemännern ermordet, zwei weitere entgingen Mordversuchen durch
Ex-Partner nur mit knapper Not, in Tirol wurde eine Frau von ihrem
Ex-Freund erst vergangenes Wochenende erschossen.
Nach wie vor widerfährt Frauen also weltweit massive Gewalt, weil
sie Frauen sind. Tatsächlich ist Gewalt an Frauen ein Männerproblem.
Sie werden geprügelt oder gar getötet, weil sie männlichen
Vorstellungen von einer Ehefrau, Geliebten, Tochter oder Schwester
nicht entsprechen. Dass Frauen hierzulande rund um Weihnachten
besonders gefährdet sind, sagen alle Hilfseinrichtungen. In dieser
Zeit gibt es besonders häufige und viele Ausschläge in der Statistik.
In dieser Zeit liegen die Nerven besonders blank, weil die Emotionen
rund ums Fest groß sind. Auch Alkohol mag eine Rolle spielen.
Gleichzeitig ist aber Fakt, dass Gewalt nicht aus heiterem Himmel zu
Weihnachten ausbricht, sondern vielmehr in Beziehungen und Familien
vorkommt, in denen das Zuschlagen ganzjährig Muster ist. An all dem
gemessen, dürfen in einem Land wie Österreich Noteinrichtungen für
Gewalt nicht nur rund um die Weihnachtsfeiertage am meisten
öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wir müssten öfters hinschauen.
So, wie Gewalt passiert: ganzjährig.
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