- 28.11.2012, 19:02:21
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Bedeutung der Städte nimmt global zu - auch im Tourismus
Experten über die Zukunft des Städtetourismus
Utl.: Experten über die Zukunft des Städtetourismus =
Wien (PK) - Der Tourismusausschuss
befasste sich in seiner heutigen Sitzung mit der Entwicklung und den
Zukunftsaussichten des Städtetourismus weltweit und in Österreich und
lud dazu Experten der Arbeitsgemeinschaft der Landeshauptstädte und
der Bundeshauptstadt im Tourismus. Wie Norbert Kettner (Wien) und
Dieter Hardt-Stremayr (Graz) ausführten, verzeichneten die
österreichischen Städte von Jänner bis September dieses Jahres
Nächtigungszuwächse zwischen 2,2 % (Bregenz) und 8,6 % (Salzburg). Im
Durchschnitt betrug der Anteil der Städte an allen Gästenächtigungen
in Österreich 13 %. Beeindruckend sei die Dynamik des
Städtetourismus, der 2011 österreichweit um 7 % zunahm, während der
gesamte Tourismus in Österreich um 3,6 % wuchs. Noch deutlicher fiel
eine zehnjährige Betrachtung aus, die zeigte, dass die Nächtigungen
seit 2002 in Österreich um 7,9 % zunahmen, Wien und die
Landeshauptstädte in diesem Zeitraum aber ein Plus von 41,7 %
verzeichneten. Die kürzere Aufenthaltsdauer, aber größere
Ausgabenneigung von Städtetouristen kam in folgenden Zahlen aus 2011
zum Ausdruck: Betrug der Anteil der Städte am Gesamttourismus bei den
Ankünfte 25 %, lag er bei den Nächtigungen nur bei 14 %, bei der
Wertschöpfung aber bei 20 %.
In ihren Analysen verwiesen die Experten auf den globalen Trend zur
Entwicklung großer städtischer Agglomerationen und machten auf den
interessanten Aspekt aufmerksam, dass Städtereisende selbst zu einem
sehr großen Anteil aus Städten kommen. Wachsende Bedeutung im
österreichischen Städtetourismus komme außereuropäischen Gästen zu,
die 2011 bereits 18,6 % der Gäste in den Landeshauptstädten und 4,2 %
der Gäste in Österreich inklusive Wien ausmachten.
Hinsichtlich der Verkehrsmittel werde das Flugzeug immer wichtiger,
zugleich sei aber auch eine starke Tendenz zur Bahn feststellbar,
weil es die Gäste als bequem empfinden, im Zentrum ihrer Reiseziele
anzukommen.
Die Herkunft der Gäste in den österreichischen Städten lasse sowohl
bei den Nächtigungen, als auch bei den Shoppingumsätzen die wachsende
Bedeutung russischer, osteuropäischer, chinesischer und indischer
Gäste erkennen. Zunehmend wichtig seien auch die Türkei,
Lateinamerika, arabische Länder, Japan, Thailand, Taiwan und Korea.
Generell sei zu erwarten, dass Europa die Nummer 1 im Städtetourismus
bleiben werde, aber Marktanteile, insbesondere an Asien, werde
abgeben müssen. Urbane Räume werden im Tourismus eine größere Rolle
spielen als Länder, weil sich Städte zu Weltmetropolen und
Drehscheiben globaler Industrienetzwerke entwickeln werden. Vor
diesem Hintergrund wandelten sich die Aufgaben einer
zukunftsorientierten Tourismusorganisation, resümierten beide
Experten unisono.
Bundesminister Reinhold Mitterlehner unterstrich die Ausführungen der
Experten und stellte fest, dass der österreichische Tourismus seine
gute Entwicklung ohne die Erfolge des Städtetourismus nicht
fortsetzen könnte, wobei der Minister insbesondere auch auf den
Kultur-Schwerpunkt der Österreich Werbung sowie darauf aufmerksam
machte, dass die Städte als Reisedestinationen einen wesentlichen
Beitrag zum Ganzjahrestourismus leisten.
Städtetourismus braucht Kaufkraft, Sicherheit, Kultur, Verkehrswege
In der Debatte thematisierte Abgeordnete Ruperta Lichtenecker (G) das
Verhältnis zwischen Städten und deren Umfeld und erkundigte sich nach
den diesbezüglichen Erfahrungen der europäischen Kulturhauptstädte
Linz und Graz.
Abgeordneter Franz Hörl (V) zeigte sich erleichtert, dass der
österreichische Städtetourismus den Einbruch des Jahres 2009
überwinden konnte, betonte seinerseits die Wichtigkeit des
Herkunftsmarktes Russland und unterstrich die Bedeutung der
Flugverbindungen.
Abgeordnete Heidrun Silhavy (S) zeigte sich ebenfalls am Verhältnis
der Städte und ihres Umlandes in der Tourismusentwicklung sowie am
Konferenztourismus interessiert.
Abgeordneter Ernest Windholz (B) wollte von den Experten wissen,
welche gesetzgeberischen Maßnahmen sie zur Unterstützung des
Städtetourismus als sinnvoll ansahen.
Die Frage nach der Definition von "urbanem Raum" sowie nach der
richtigen Organisation des Tourismus in der Kooperation zwischen
Städten und deren Umfeld beschäftigte sich aus Kärntner Sicht
Abgeordneter Maximilien Linder und aus steirischer Sicht Josef Riemer
(beide F).
Die Experten antworteten mit dem Hinweis, dass der Städtetourismus
von negativen politischen und ökonomischen Entwicklungen vorab
betroffen sei. In den vergangenen Krisenjahren habe sich etwa der
Ausfall von Sponsoren im Kongresstourismus negativ ausgewirkt.
Umlandgemeinden profitierten vom Städtetourismus, sagten die
Experten. Generell könne man beim Zuwachs des Städtetourismus mit
einem Zuwachsanteil von 25 % bei den Nächtigungen im Umland rechnen.
Norbert Kettner machte aus Wiener Sicht darauf aufmerksam, dass 60 %
der Wien-Gäste mit dem Flugzeug anreisten, woraus folge, dass eine
dritte Landebahn in Schwechat wichtig sei. Aber auch die Bahn werde
zunehmend wichtiger, was der Grazer Experte angesichts der schlechten
Bahnanbindung der steirischen Landeshauptstadt mit Bedauern
bestätigte. Das Kulturhauptstadtjahr habe Graz sehr viel gebracht:
Entwicklungen seien beschleunigt und die Infrastruktur ausgebaut
worden. Zwar sei der Tourismus danach zurückgegangen, aber doch
mindestens 4 % über dem Stand vor dem Kulturhauptstadtjahr geblieben
und entwickle sich seither dynamisch weiter. Dasselbe gelte für Linz.
Die Politik sollte bei ihren Entscheidungen über
Verkehrsverbindungen, Sicherheitsfragen und Infrastruktur immer auch
die Auswirkungen auf den Tourismus im Auge haben, sagten die
Experten. Denn man sollte nicht aus dem Auge verlieren, dass 300
Teilnehmer mehr bei einem internationalen Kongress einen zusätzlichen
Arbeitsplatz bedeuten. Grundsätzlich sei es wichtig, die Kaufkraft zu
erhalten, in Kultur zu investieren und gute Bedingungen für vitale
Städten zu schaffen. Die Ladenöffnung am Sonntag sei für ihn kein
"Fetisch", sagte Norbert Kettner, an einzelnen Orten, etwa in der
Wiener City, würde die Ladenöffnung am Sonntag aber doch zu
Umsatzzuwächsen führen, sagte der Fachmann mit Unterstützung seines
Kollegen Dieter Hardt-Stremayr. Die Frage dazu kam von Abgeordneter
Birgit Schatz (G).
In weiterer Folge befassten sich die Abgeordneten Maximilien Linder
(F) und Adelheid Irina Fürntrath-Moretti (V) mit organisatorischen
und budgetären Fragen im Städtetourismus und Abgeordnete Ruperta
Lichtenecker (G) erfuhr von den Experten, dass beim Fachkräftemangel
im Tourismus ein West-Ost-Gefälle bestehe. In erster Linie sei die
Gastronomie von Personalmangel betroffen.
FPÖ und Grüne für Wertsicherung des Budgets der Österreich Werbung
Die als Verein organisierte Österreich Werbung wird vom
Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer Österreich im
Verhältnis 75:25 finanziert. Derzeit erhält die Österreich Werbung
24,095 Mio. € vom Bund und 8 Mio. € von der Wirtschaftskammer. Diese
Beträge seien seit 2001 nicht mehr erhöht worden, beklagt
Abgeordneter Roman Haider (F) und verlangt eine jährliche
automatische Inflationsabgeltung für das Budget der Österreich
Werbung (2143/A(E)). Dasselbe Anliegen vertraten die Grünen in ihrem
von Abgeordneter Ruperta Lichtenecker vorgelegten Antrag 676/A [E]).
Während Abgeordneter Roman Haider seinen Antrag mit dem Argument
untermauerte, dass in Länder wie Deutschland und der Schweiz ihre
Tourismuswerbeetats stark aufgestockt haben und Abgeordnete Ruperta
Lichtenecker (G) es für sinnvoll hielt die Tourismuswerbung zu
stärken, weil die Arbeitslosigkeit zunehme und die
Tourismuswirtschaft ein wichtiger Wohlstandsfaktor sei, machte
Abgeordneter Franz Hörl auf die erfolgreiche Tourismuspolitik des
Wirtschaftsministers aufmerksam. Es sei Mitterlehner gelungen, das
Budget der Österreich Werbung vor Kürzungen zu bewahren. Die jüngsten
Rekorde im Sommertourismus bestätigen die Politik des
Bundesministers, sagte Hörl.
Den Antrag des Abgeordneten Obernosterer, beide Initiativen zu
vertagen, unterstützte Abgeordnete Heidrun Silhavy (S), die darauf
aufmerksam machte, dass es kurz nach dem Beschluss über ein neues
Budget nicht sinnvoll wäre, höhere Ausgaben zu beschließen. Der
Tourismus Werbung seien in Form von Sonderbudgets die notwendigen
Mittel zur Verfügung gestellt wurden und durch die Kooperation mit
den Ländern konnte die Effizienz gesteigert, fügte Obernosterer
hinzu. Demgegenüber erinnerte Abgeordneter Ernest Windholz (B) an
Anträge der ÖVP zur Erhöhung der Mittel der Österreich Werbung und
hielt es für sinnvoll die Branche durch kluge Werbung zu
unterstützen.
Bundesminister Reinhold Mitterlehner vermisste eine finanzielle
Bedeckungsvorschläge in den beiden Anträgen, betonte seinerseits die
Effizienzsteigerungen bei der Österreich Werbung und die erfolgreiche
Kooperation mit den Ländern. - Die Anträge wurden mit den Stimmen der
Koalitionsparteien vertagt. (Schluss)
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