- 23.11.2012, 13:34:14
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Die Medienlandschaft in Zeiten der Digitalisierung
Enquete über Medienvielfalt im Palais Epstein
Utl.: Enquete über Medienvielfalt im Palais Epstein=
Wien (PK) - Die Digitalisierung stellt das wirtschaftliche Fundament
der Medien als vierter Säule der Demokratie vor große
Herausforderungen. Was wäre die öffentliche Meinung ohne Zeitungen
und Magazine ? Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit die
Meinungsvielfalt auch in Zukunft gesichert bleibt ? Mit diesen Fragen
beschäftigte sich heute eine Enquete, zu der Nationalratspräsidentin
Barbara Prammer gemeinsam mit dem Verband Österreichischer Zeitungen
(VÖZ) ins Palais Epstein eingeladen hat.
Prammer: Demokratische Gesellschaften brauchen Medienvielfalt
Ausgangspunkt war dabei, wie dies auch Nationalratspräsidentin
Barbara Prammer in ihren Begrüßungsworten unterstrich, die
Überzeugung, dass demokratische Gesellschaften Medienvielfalt und
Pressefreiheit sowie gute Recherchen und ausgewogene
Berichterstattung brauchen.
Der Präsident des VÖZ Thomas Kralinger bezeichnete Kaufzeitungen und
Kaufmagazine als unverzichtbare Kontrollinstanzen und
Informationsquellen und meinte, nur sie würden die Ebene der
Reflexion im politischen Diskurs schaffen, die es den BürgerInnen
ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Er plädierte für eine
an den Anforderungen des 21. Jahrhunderts orientierte Reform der
staatlichen Unterstützung, damit die Medien, wie er sagte, ihre
demokratiepolitische Aufgabe auch weiterhin erfüllen können.
In seinem Keynote-Statement hob Professor Stefan Ruß-Mohl
(Universität Lugano) vor allem den gesellschaftlichen Mehrwert von
Qualitätsjournalismus hervor, appellierte an die journalistische
Glaubwürdigkeit und die "media accountability" und rief die Politik
auf, nicht undifferenziert die Printmedien, sondern hochwertigen
Journalismus zu unterstützen, dies aber durch indirekte Förderung im
Wege von qualitätssichernder Infrastruktur, etwa durch Aus- und
Weiterbildung von JournalistInnen.
Ruß-Mohl gab damit den Ton für eine Diskussion von Vertreterinnen und
Vertretern aus dem Medienbereich vor, die sich mit den
Rahmenbedingungen für die Sicherung der Titel- und Meinungsvielfalt
in der kleinen Medienlandschaft Österreichs auseinandersetzte. Zu
Wort kamen dabei Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Matthias
Karmasin (Universität Klagenfurt), Harald Knabl (NÖN), Christian
Rainer (profil) und Eugen A. Russ (Russmedia)
Heikles Thema: Presseförderung
Medienpolitische Konzepte zur Sicherung der Meinungs- und
Titelvielfalt waren im Anschluss daran Gegenstand einer
Podiumsdiskussion der Mediensprecher der Parlamentsparteien.
Abgeordneter Josef Cap (S) konnte sich durchaus dem Vorschlag aus dem
Bereich der MedienvertreterInnen anschließen, google zur Kassa zu
bitten, um mehr Einnahmen für die Presseförderung zu lukrieren,
meinte aber, das dafür notwendige Modell sei noch unklar.
Abgeordneter Karlheinz Kopf (V) hielt eine Erhöhung der
Presseförderung "unter gewissen Bedingungen" für vorstellbar und
betonte überdies, nur jene Medien sollten Förderung durch Inserate
erhalten, die Mitglied des Presserates sind und dadurch dessen
Regulativ unterliegen. Norm für die Unterstützung müsste nach Ansicht
Kopfs die Einhaltung qualitativer und ethischer Standards sein.
Abgeordneter Harald Vilimsky (F) gab hingegen zu bedenken, eine bloße
Erhöhung der Presseförderung werde das Problem angesichts der
internationalen Trends nicht lösen können. Er trat für eine
Beseitigung des Ungleichgewichts zwischen ORF und den übrigen Medien
ein und forderte eine allgemeine Medienförderung und ein Abgehen von
den bisherigen Einzelmaßnahmen.
Abgeordneter Stefan Petzner (B) lehnte jegliche Presseförderung als
nicht mehr zeitgemäß ab und rechnete mit einem natürlichen
Marktbereinigungsprozess bei den Printmedien. Zeitungen hätten heute
die Deutungshoheit über die Welt verloren, sagte Petzner. Die
Meinungsvielfalt sei nicht gefährdet, sondern vielmehr durch
Internet, Facebook und Twitter gesichert, war er überzeugt.
Abgeordneter Dieter Brosz (G) bekannte sich zur Unterstützung der
Printmedien durch die öffentliche Hand. Dies sollte aber nicht in
Form von dubiosen Inseraten geschehen, mahnte er. Vielmehr gelte es,
die Presseförderung hin zu einem transparenten System zu entwickeln,
unterstrich Brosz.
HINWEIS: Fotos finden Sie (nach dieser Veranstaltung) im Fotoalbum
auf www.parlament.gv.at. (Schluss)
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