- 20.11.2012, 18:46:45
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Schmied: Ethikunterricht braucht gesellschaftlichen Konsens
Unterrichtsausschuss debattiert Wertevermittlung an Schulen
Utl.: Unterrichtsausschuss debattiert Wertevermittlung an Schulen=
Wien (PK) - In welcher Form Schulen zukünftig Ethikunterricht
anbieten sollen, wurde im heutigen Unterrichtsausschuss auf Grundlage
eines Berichts mit Kostenschätzungen verschiedener Unterrichtsmodelle
für das Fach Ethik kontrovers diskutiert. Während ÖVP und BZÖ mit
Hinblick auf die vorangegangenen Diskussionen darüber eine politische
Entscheidung zum Ethikunterricht forderten, erwarteten SPÖ, FPÖ und
die Grünen eine noch tiefergehende Behandlung der Frage.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied wertete die Einrichtung eines
Ethikunterrichts alternativ zum Unterrichtsfach Religion als zu kurz
gegriffen, hielt aber fest, es sei noch eine breite gesellschaftliche
Diskussion zu diesem Thema nötig. Der Bericht zum Ethik-Unterricht
wurde einstimmig zur Kenntnis genommen und gilt damit als
enderledigt.
Ethik als Alternative oder Ergänzung zum Religionsunterricht?
Unterrichtsministerin Claudia Schmied betonte, mit der
parlamentarische Enquete vom 4. Mai 2011 zu Thema Werteerziehung im
Religions- und Ethikunterricht sowie dem danach erstellten Bericht
ihres Ressorts (III-357 d.B.) seien im Sinne der
Regierungsübereinkommens Eckpfeiler für die Einführung des
Ethikunterrichts geschaffen worden. Es bedürfe letztendlich jedoch
eines breiten gesellschaftlichen Konsenses zu dieser Frage, eine
endgültige Entscheidung über die Form der zukünftigen
Wertevermittlung an Schulen gebe es daher noch nicht. Auf Frage des
Abgeordneten Elmar Mayer (S) erläuterte Schmied die drei Modelle für
den Ethikunterricht in der Sekundarstufe II, die im Bericht
hinsichtlich der erforderlichen Planstellen sowie der jährlichen
Ausgaben behandelt werden.
Mögliche Varianten seien "Ethik" als eigenständiger, zusätzlicher
Pflichtgegenstand, "Ethik" als alternativer Pflichtgegenstand zum
Religionsunterricht, wie es in einem bereits laufenden Schulversuch
Ethikunterricht praktiziert wird, oder "Ethik" als
Lehrplanbestandteil eines bestehenden Pflichtgegenstandes wie etwa
Philosophie. Zu den Kosten der drei Modelle sagte Schmied, die erste
Variante mit einer Stunde Ethikunterricht pro Woche würde angesichts
des erhöhten Ressourcenbedarfs 53 Mio. € ausmachen. Die Schätzung für
Variante zwei, also Ethik als Alternativfach für SchülerInnen, die
keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, beliefen sich
auf etwa 30 Mio. €, wobei diese Annahme auf einer Stichprobe beim
Schulversuch Ethikunterricht beruhe, die nicht repräsentativ sei. Die
Unterrichtsministerin meinte weiters, sollte Ethik Teil eines
bestehenden Unterrichtsfachs werden, seien keine zusätzlichen Kosten
zu erwarten, außer, man benötige dann mehr Unterrichtsstunden in
diesem Fach, wodurch sich die Ausgaben auf etwa 33 Mio. € beliefen.
Schmied hielt auch fest, bei diesen Überlegungen sei die Behandlung
des Ethikunterrichts in der PädagogInnenausbildung noch nicht
berücksichtigt und offen sei auch die inhaltliche Ausgestaltung des
Faches Ethik.
Schulversuche zum Ethikunterricht laufen bereits
Abgeordnete Anna Franz und Werner Amon (beide V) verwiesen auf die
guten Rückmeldungen von SchülerInnen und LehrerInnen zu den derzeit
an 223 Schulen in der Sekundarstufe II laufenden Schulversuchen zum
Ethikunterricht. V-Mandatarin Franz plädierte daher, dieses Modell,
bei dem SchülerInnen den Ethikunterricht anstatt des
Religionsunterrichts besuchen, an den Schulen zur Regel zu machen.
Schülerinnen und Schüler, die einer gesetzlich anerkannten Kirche
oder Religionsgesellschaft angehören, die sich aber von einem
konfessionellen Religionsunterricht ihres Bekenntnisses abgemeldet
haben bzw. den Besuch eines (außerschulischen) Religionsunterrichts
nicht nachweisen können, haben beim Schulversuch verpflichtende
Unterrichtseinheiten im Fach Ethik. Konfessionslose Schülerinnen und
Schüler müssen den Ethikunterricht besuchen, außer sie haben sich für
den Religionsunterricht als Freigegenstand angemeldet.
Für Elmar Mayer war allerdings zu hinterfragen, ob SchülerInnen, die
sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, für ein Alternativfach
zur Werteerziehung verpflichtet werden sollten. Seine Parteikollegin
Sonja Ablinger (S) warnte davor, "Ethik" könnte in Folge als "Strafe"
für Kinder, die nicht den Religionsunterricht besuchen, empfunden
werden. Generell können ReligionslehrerInnen den Ethikunterricht
übernehmen, wobei die Schulleitung die Entscheidung über den
konkreten Lehrereinsatz trifft. Ein Universitätslehrgang Ethik wird
derzeit nur am Institut für Philosophie an der Universität Wien
angeboten, allerdings besteht an Pädagogischen Hochschulen für
LehrerInnen die Möglichkeit zur Weiterbildung im Fach Ethik.
Die völlige Wahlfreiheit zwischen den Fächern Ethik und Religion
erachtete Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) als bedeutend, dürfe es
doch keine Konkurrenz zwischen diesen Unterrichtsgegenständen geben.
Der F-Mandatar befürwortete eine weiterführende Diskussion zu dem
Thema, merkte allerdings an, er halte vor allem die
Wissensvermittlung zu Wertehaltungen wichtig, die alleinige
Diskussion von SchülerInnen darüber reiche nicht aus. Gegen die
neuerliche Behandlung der Frage, ob und wie Ethikunterricht an
Schulen Fuß greifen sollten, sprach sich Abgeordnete Ursula Haubner
(B) aus. Sie trat für die möglichst baldige Umsetzung der dritten
Variante, bei der Ethikvermittlung in bestehende Pflichtfächer
einfließt, ein. In Zusammenhang mit Fachthemen, befand Haubner,
könnten moralische Werte am besten vermittelt werden.
Die Situation des aktuellen konfessionellen Religionsunterrichts
stellte Abgeordneter Harald Walser (G) zur Debatte und bemerkte, zur
Ausgestaltung einer zeitgemäßen Wertevermittlung an Österreichs
Schulen sei es wichtig, auch jene bei Diskussionen darüber zu
beachten, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Dieser Haltung
schloss sich Abgeordneter Josef Auer (S) an, immerhin sei das
umfassende Verständnis des Ethik-Begriffs mit all seiner sittlichen
Bedeutung für sämtliche SchülerInnen notwendig. (Fortsetzung
Unterrichtsausschuss).
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