• 06.11.2012, 16:49:21
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Jung und Alt wollen sich Herausforderungen gemeinsam stellen

Enquete zur Generationengerechtigkeit im Parlament

Utl.: Enquete zur Generationengerechtigkeit im Parlament=

Wien (PK) - Jugend und SeniorInnen - geht das angesichts des
demografischen Wandels und der damit in Zusammenhang stehenden Frage
der Verteilungsgerechtigkeit überhaupt noch zusammen? Der
Bundesjugendring und der Österreichische Seniorenrat wollen sich
jedenfalls nicht auseinander dividieren lassen, sondern miteinander
die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft im Interesse eines
friedlichen und sozial gerechten Zusammenlebens bewältigen.

Sie haben daher das "Europäische Jahr für aktives Altern und der
Solidarität zwischen den Generationen" zum Anlass genommen, in einer
gemeinsamen Enquete unter dem Titel "Gleiche Chancen für Alt und
Jung?" den aktuellen Spannungsfeldern sowie der Bedeutung und
Gültigkeit des Generationenvertrags nachzugehen und Lösungsansätze
zur Bewältigung anstehender Probleme zu skizzieren.

Fest steht für alle: Die langfristige Absicherung unseres
Sozialsystems kann nur durch Generationensolidarität erreicht werden.
Der Generationenvertrag ist unverzichtbar.

Prammer: Generationenvertrag nicht außer Kraft setzen

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer unterstrich in ihrer
Begrüßung die Bedeutung des Generationenvertrags. Dieser dürfe
keinesfalls außer Kraft gesetzt werden, bekräftigte sie, man müsse
alles daran setzen, den Glauben in die Zukunft des Landes an die
jungen Menschen weiter zu geben und Zukunftsperspektiven zu
entwickeln. Die Diskussion über langfristige Finanzierungen sei
notwendiger denn je, dabei gehe es aber nicht nur um den Bereich
Pensionen, sondern um die Absicherung des Wohlfahrtsstaates an sich,
mahnte sie. Prammer forderte in gleichem Atemzug, rechtzeitig und
adäquat auf neue Entwicklungen zu reagieren, und hielt es für ein
Gebot der Stunde, auch in Zeiten der Konsolidierung in Bildung,
Beschäftigung und Pensionssysteme zu investieren. Das alles könne nur
gemeinsam geschafft werden, weshalb die Nationalratspräsidentin einen
eindringlichen Appell an alle richtete, weiter an der
Dialogbereitschaft zu arbeiten.

Mitterlehner kündigt Jugendstrategie für Anfang nächsten Jahres an

Daran anknüpfend meinte Bundesminister Reinhold Mitterlehner, es gehe
um die Balance und die Interaktion zwischen Jung und Alt.
Entscheidend dafür sei ein herrschaftsfreier Dialog abseits jeglicher
Hierarchie. Mitterlehner kritisierte, dass man in der öffentlichen
Diskussion zu sehr den Konflikt zwischen Jung und Alt, vor allem im
Pensionssystem, in den Mittelpunkt stellt, während in der Realität
die Entwicklung viel positiver und dynamischer verlaufe. Viele
SeniorInnen würden Aufgaben in der Kinderbetreuung übernehmen und sie
seien bereit, aktiv in das gesellschaftliche Geschehen einzugreifen.

Als Jugendminister habe er sich zum Ziel gesetzt, entsprechende
Strukturen für die Teilhabe der Jugend am gesellschaftlichen Prozess
zu entwickeln, um Konflikte zu vermeiden, führte Mitterlehner aus. In
diesem Zusammenhang sei ein Jugendmonitoring eigerichtet worden, das
jene Themen abfragt, welche die Jugend bewegen, und darauf baue die
weitere Vorgangsweise auf. Derzeit arbeite man in seinem Ministerium
eine Jugendstrategie aus, die Anfang nächsten Jahres fertiggestellt
werde. Das sei ein ständig sich erneuernder Prozess, betonte
Mitterlehner, dem es ein Anliegen ist, aus "Betroffenen Beteiligte zu
machen". Er wies weiters darauf hin, dass jede budgetäre Entwicklung
auf Nachhaltigkeit abgecheckt wird.

Zauner: Generationensolidarität ist Baustein für die Gesellschaft

Solidarität zwischen den Generationen ist ein unverzichtbarer
Baustein für die Gesellschaft, zeigte sich Johanna Zauner,
Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, überzeugt. Konflikte zu
schüren, bringe niemanden weiter. Die Aufrechterhaltung des Pensions-
und Sozialsystems sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Für
Zauner darf das Ziel der Generationengerechtigkeit nicht allein an
den Pensionen festgemacht werden. Vielmehr gehe es darum, Junge und
Alte gemeinsam in die Tagespolitik einzubinden und gleichberechtigt
an den Verhandlungstisch zu setzen. Wer nicht alle
Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt berücksichtigt, der begehe einen
schwerwiegenden Fehler, warnte sie.

Zauner ging in ihrem Statement auch kurz auf die Sicherung des
Pensionssystems ein und bemerkte dazu, man könne nicht über Pensionen
reden, ohne gleichzeitig auch über Jugendarbeitslosigkeit und
Frauenerwerbsquote nachzudenken.

Khol: Das System ist finanzierbar

All jenen, die das baldige Ende der Finanzierbarkeit der Pensionen
voraussagen, antwortete der ehemalige Präsident des Nationalrats und
nunmehrige Präsident des Österreichischen Seniorenrates klar und
unmissverständlich mit der Feststellung: "Das System ist
finanzierbar". Gleichzeitig forderte er aber auch notwendige
Reformschritte ein, um ein nachhaltiges und gerechtes Pensionssystem
auf umlagefinanzierter Basis aufrechtzuerhalten. Khol trat darüber
hinaus für die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters ein
sowie für Maßnahmen, um den Run auf die Frühpensionen zu stoppen.
"Wir brauchen wertschöpfende Beschäftigte, altersgerechte
Arbeitsplätze und Gesundheit am Arbeitsplatz", sagte er. Khol schlug
auch ein Bonus-Malus-System vor, das jene ArbeitnehmerInnen
honoriert, die länger arbeiten, aber auch jenen ArbeitgeberInnen
finanzielle Vorteile bringt, die ihre MitarbeiterInnen länger
beschäftigen. Wer als ArbeitgeberIn ältere MitarbeiterInnen
hinausmobbt oder wer früher in Pension geht, der sollte dafür auch
finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen, meinte Khol.

Der Vertreter der SeniorInnen zollte den Jungen Anerkennung dafür,
dass die Initiative für die Enquete von ihnen ausgegangen ist. Man
wolle durch den gemeinsamen Dialog zeigen, dass der
Generationenvertrag tatsächlich lebt, bemerkte Khol. Das herzliche
Einvernehmen der jungen und älteren Generation zeige sich vor allem
auf emotionaler und privater Ebene. So seien beispielsweise die
Werthaltungen der Jungen maßgeblich von den Werthaltungen der
Großeltern geprägt, wies Khol auf empirische Studien hin. Die heutige
Veranstaltung diene auch dazu, Mythen zu bekämpfen. So sei es
beispielsweise falsch zu sagen, immer weniger Erwerbstätige müssten
die Alten erhalten. Vielmehr sei dieses Verhältnis heute aufgrund der
gestiegenen Frauenerwerbsquote weit besser als etwa noch in den
fünfziger Jahren. Auch sei der Staatszuschuss an den Pensionen seit
Einführung des ASVG gesunken.

Ergebnisse werden der Politik übermittelt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Enquete, die im Palais Epstein
stattfindet, haben die Gelegenheit, die unterschiedlichen Aspekte des
Themas in fünf Arbeitskreisen näher zu beleuchten. Konkret befassen
sich die Diskussionsrunden mit folgenden Fragestellungen: Teilhabe -
wie junge und alte Menschen einbinden? Pensionen - wie das
gesetzliche Pensionssystem nachhaltig gestalten? Soziale Absicherung
in Zukunft - wie den Sozialstaat gerecht finanzieren? Jugend- und
SeniorInnenanliegen in der Politik - Verträglichkeitsprüfung als
Lösung? Generationensolidarität - ist eine Stärkung des
Generationenvertrags möglich?

Im Anschluss daran sollen unter Leitung von Johanna Zauner
(Vorsitzende der Bundesjugendvertretung) und Karl Blecha (Präsident
des Österreichischen Seniorenrates) die Ergebnisse im Plenum
vorgestellt und daraus Handlungsfelder für die Politik abgeleitet
werden. Am frühen Abend wird auch Bundesminister Rudolf Hundstorfer
erwartet. Die Moderation der Diskussion hat Corinna Milborn
übernommen.

Seitens der Bundesjugendvertretung und des Seniorenrats ist auch
vorgesehen, die gemeinsam erarbeiteten Punkte an politische
EntscheidungsträgerInnen zu übermitteln.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at)
im Fotoalbum. (Schluss)

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
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