• 18.10.2012, 21:47:06
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Politik der Wert(e)losigkeit

Innsbruck (OTS/TT) - Von Wolfgang Sablatnig

Untertitel: In der Auseinandersetzung zwischen BZÖ und Frank Stronach
zählt nur die Aussicht auf sichere Mandate. Und da hat der Milliardär
eindeutig die besseren Karten. In der Politik fördert er damit aber
die Beliebigkeit.

Es ist kein Zufall, dass Frank Stronach in den Reihen des BZÖ fischt.
Er braucht für die Klubgründung im Nationalrat fünf Abgeordnete, die
bei der Wahl 2008 auf einer gemeinsamen Liste gestanden sind. Und -
so die offenbar richtige Einschätzung - bei keiner anderen Partei ist
die Zahl der wechselwilligen Mandatare größer als beim einst von Jörg
Haider gegründeten Bündnis. Sie waren frustriert von Parteien,
Behörden und Filz, sie waren geblendet - und wenn sie ihr Idol dann
auch noch bei irgendeinem Fest persönlich trafen, stand der Karriere
in der Politik schon nichts mehr im Weg.
Jörg Haider ist tot, Frank Stronach ist der neue Heilsbringer. Und
wer schon einmal übergelaufen ist, von Blau zu Orange, dem fällt der
nächste Wechsel viel leichter.
Welche Rolle dabei die Tausenden und Hunderttausenden Euro spielen,
mit denen Stronach laut Darstellung des BZÖ seinen Klub voll zu
machen versucht, müssen die Gerichte klären. Josef Bucher kann diesen
Glücksrittern jedenfalls nichts entgegensetzen. So wie er hilflos
zusehen musste, wie gleich die gesamte Kärntner Landesgruppe heim ins
Lager der blauen Freiheitlichen gezogen ist.
Bucher ist es freilich, der am Ende übrig bleiben wird. Sein BZÖ
versucht den Spagat zwischen Wirtschaftspartei und populistischer
Agitation, um über der Wahrnehmungsschwelle zu bleiben. Was die
verbliebenen 14 BZÖ-Abgeordneten eint, ist aber kaum bekannt.
Stronach hingegen kann mit dem Reiz des Neuen punkten. Mandate für
seine Anhänger sind dabei wichtiger als die Inhalte und Werte. Denn
auch wenn Stronach tatsächlich keine großen Summen springen lässt:
Allein der Wiedereinzug in den Nationalrat im Dienste Stronachs ist
mehr als 8000 Euro im Monat wert - für fünf Jahre. Das kann Bucher
nicht bieten, dessen Bündnis 2013 schrumpfen oder gar aus dem
Nationalrat fliegen wird.
Stronach schwingt sich zum Retter Österreichs auf und hat doch außer
den Schlagworten Wahrheit, Transparenz und Fairness nichts zu bieten.
Ein Programm blieb er bisher schuldig.
Diese inhaltliche Leere macht Stronach für seine Gefolgsleute mit der
Aussicht auf ein gesichertes Auskommen aus der Politik wett. Er
sammelt Mandatare, wie er Firmen gesammelt hat. Damit war er in der
Wirtschaft auch erfolgreich.
In der Politik fördert er damit statt Werten aber die Beliebigkeit -
Hauptsache, das Einkommen stimmt und Frank hat sich sein Denkmal
gekauft.

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