- 11.10.2012, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 12. Oktober 2012. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Dogmen hemmen den Fortschritt".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Auch der mächtige Wiener SPÖ-Chef und
Bürgermeister Michael Häupl kann sich Studiengebühren vorstellen,
wenn gleichzeitig die soziale Absicherung stimmt. Am Parteitag will
die SPÖ das Thema aber nicht einmal diskutieren.
Die Diskussion über die Universitäten wird schon lange mit verdeckten
Karten geführt. Zwischen SPÖ und ÖVP spitzt sich alles auf die Fragen
von Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren zu. Beides wollen die
Rektoren. Beides wollen die ÖVP und ihr Wissenschaftsminister
Karlheinz Töchterle. Beides widerspricht aber dem Dogma der SPÖ vom
freien Zugang zu den Unis. Aber beides lässt sich schon lange nicht
mehr so schwarz und weiß darstellen, wie es die Verfechter des freien
Uni-Zugangs gerne hätten.
Denn so frei ist der Uni-Zugang schon lange nicht mehr. Bereits jetzt
muss sich laut Wissenschaftsministerium jeder siebente neue
Studierende einer Universität vor der Zulassung einer Prüfung
stellen. Und an Fachhochschulen sowie Pädagogischen Hochschulen sind
Aufnahmeprüfungen längst Alltag.
Auch das Argument der sozialen Hürden sticht nicht mehr. Alle roten
Pragmatiker, die mit dem kategorischen Nein ihrer Partei zu
Studienbeiträgen hadern, stellen den Ausbau der Stipendien in den
Vordergrund, ob sie nun Gabi Burgstaller, Michael Häupl oder Franz
Voves heißen. Sie haben erkannt, dass der freie Zugang nicht
gleichbedeutend mit dem gebührenlosen sein muss. "Ich bin nicht der
Verteidiger der Millionärskinder", sagt Häupl. Und Burgstaller
verweist auf die Ungerechtigkeit, dass ein Facharbeiter für die
Meisterprüfung tief in die Tasche greifen muss - die Unis aber gratis
sein sollen.
Studiengebühren und mehr Stipendien, das fordert auch
Wissenschaftsminister Töchterle. Die Modelle mögen sich zwar noch
unterscheiden oder unterschiedlich konkret sein. Auf den Inhalt kommt
es vielfach aber ohnehin nicht an - leider. Allerdings, und noch
einmal sei Häupl zitiert: "Wenn man nicht wirklich Ergebnisse
erzielen will und immer nur schaut, dass der andere keinen Erfolg
hat, wird es nicht funktionieren."
Die SPÖ wird sich um die Debatte daher nicht auf Dauer drücken
können, auch wenn sie das Thema vom morgigen Parteitag am liebsten
fernhalten würde. Nicht drücken kann sich aber auch die ÖVP, deren
Schuldogmen mindestens ebenso tief sitzen.
Offen ist nur, welche Partei sich als erste bewegt. "Wer sich als
Erster bewegt, hat verloren", heißt es oft. Das mag im Volksmund
stimmen. In der Bildungspolitik hingegen wäre der Beweglichere der
Sieger. Denn Dogmen hemmen den Fortschritt.
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