• 08.10.2012, 12:46:30
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Foglar: Jeder kleine Fortschritt muss immer hart erkämpft werden

Republik gedachte Anton Benyas

Utl.: Republik gedachte Anton Benyas=

Wien (OTS/ÖGB) - "Sein Weg - 100 Jahre Anton Benya", unter diesem
Titel fand heute im Parlament eine Festveranstaltung zu Ehren des
ehemaligen ÖGB-Präsidenten und 1. Nationalratspräsidenten Anton Benya
statt. Benya wäre heute 100 Jahre alt geworden. Knapp 350 Gäste aus
Politik, Gewerkschaftsbewegung und Sozialpartnerschaft wohnten der
Feier bei.

Prammer: Gelebte Solidarität

"Anton Benya hat Vieles zum Besseren verändert", sagte Mag.a Barbara
Prammer, Präsidentin des Nationalrates, in ihrer Begrüßungsansprache.
"Benya war geprägt von Krieg, Armut und schwierigen sozialen
Verhältnissen. Er hat sehr früh einen Sinn für soziale Gerechtigkeit
entwickelt. Solidarität blieb für Benya nie eine Worthülse, er hat
dafür gekämpft, sie von anderen eingefordert und dafür gelebt."
Prammer ging weiters darauf ein, dass Vieles im parlamentarischen
Prozedere auf die Zeit Benyas zurückging, unter anderen die
Erneuerung der Parlamentsdirektion oder die Verbesserung der
räumlichen Situation für die Abgeordneten.

Faymann: Maßgeblicher Baumeister Österreichs

"Benya hat immer in direkter Sprache klar gemacht, worum es geht",
sagte Bundeskanzler Werner Faymann. Was man erarbeitet habe, davon
stünde den ArbeitnehmerInnen auch ein gerechter Anteil zu, zitierte
Faymann Anton Benya. Benya gehöre zu den großen Baumeistern der
zweiten Republik, das sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. "Er
hat mit anderen gemeinsam maßgeblich am Wiederaufbau und an der
Entwicklung der Demokratie in Österreich mitgebaut. Die richtigen
politischen Schlüsse nach den Erfahrungen des Dritten Reichs, das
Suchen nach gemeinsamen Lösungen, das hat Benya gelebt. Er hat hart,
direkt und emotional für seine Sache gekämpft, aber nie in
persönlicher Feindschaft, sondern im Wissen über die Grenze des
Zumutbaren für den Anderen."

Leitl: Benya hätte Freunde mit Entwicklung Österreichs

Beim Zurückdenken solle man nicht nur der Vergangenheit, sondern auch
der Zukunft einen großen Stellenwert geben, sagte Dr. Christoph
Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. "In der Zeit
Benyas ist Österreich eine Insel der Seligen mit nationaler Autonomie
gewesen, heute gibt es diese Autonomie nur mehr sehr eingeschränkt",
machte Leitl die Unterschiede zwischen Benyas Zeit und der Gegenwart
deutlich. "Würde Präsident Benya heute hier sein, er hätte eine
Freude mit den Daten, wie sich dieses Österreich entwickelt hat." Das
würde gerade auf die Beschäftigungsdaten zutreffen, die für ihn immer
ein wichtiges Kriterium gewesen seien. "In Benyas Zeit wurden die
Grundlagen für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union
gelegt", führte Leitl weiters aus. "Benya und Sallinger haben den
Beitritt aktiv unterstützt und waren sich durchaus bewusst, dass
dabei auch Probleme zu bewältigen sein werden." Benya wäre aber an
der Entwicklung, die Österreich genommen habe, so Leitl, sicherlich
erfreut.

Neugebauer: Blieb sich immer treu

"Benya hatte gelernt, dass man keine reale Macht zugunsten einer
Vision aufgeben darf", sagte Fritz Neugebauer, Zweiter Präsident des
Nationalrates. Benyas Erfahrung mit der Notzeit seien zum Kompass für
seine Einstellungen und sein Handeln geworden. "Er blieb sich im
Denken und in seiner Sprache treu. Er schielte nicht nach oben,
sondern wollte einen Weg zum Besten des Landes gehen." Auch den
Nationalrat habe er als dessen Präsident klug und ruhig geführt, auch
durch alle Turbulenzen. Neugebauer würdigte Benyas Persönlichkeit
abschließend: "Benya war ein Mächtiger, aber die Macht allein erklärt
noch nicht die Anerkennung, die ihm zuteilwurde."

Edlinger: Fußball war Teil seiner Welt

"Benya war ein politischer Mensch, sein Einfluss prägte Österreich
jahrzehntelang", sagte Rudolf Edlinger, ehemaliger Finanzminister und
Präsident des SK Rapid, und erinnerte an eine weitere Leidenschaft
von Anton Benya abseits der Politik: "Fußball war für ihn mehr als
ein Hobby, er war ein Teil seiner Welt, der ihn seit seiner Jugend
faszinierte." Rapid, dessen Präsident Benya war, habe ihm immer schon
durch die Kampfkraft der Mannschaft imponiert, sagte Edlinger. Durch
seinen Einfluss sei Rapid nicht nur einmal gerettet worden. "Benya
galt auch in Fußballerkreisen als stets bescheiden und großzügig, als
Mensch der bei allen beliebt war. Selbst die Anhänger des
Stadtrivalen haben ihm Respekt gezollt."

Foglar: Benyas Wirken ist bis heute präsent

Der 100. Geburtstag Anton Benyas sei "ein guter Anlass um uns allen
ins Gedächtnis zu rufen, dass gerade für uns ArbeitnehmerInnen noch
nie etwas vom Himmel gefallen ist", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar.
"Wir mussten uns jeden kleinen Fortschritt immer hart erkämpfen und
wir müssen das auch in Zukunft tun." Benyas Wirken sei auch in der
heutigen Arbeitswelt noch präsent: "Wenn Betriebsräte tagtäglich ihre
Kollegen und Kolleginnen im Betrieb vertreten, dann tun sie das auf
Basis jenes Arbeitsverfassungsgesetzes, dessen Grundstein in der Ära
Benya gelegt wurde. Arbeitszeitverkürzungen, die Ausdehnung des
Mindesturlaubs, das Nachtschwerarbeitsgesetz und vieles mehr prägen
noch heute unseren Arbeitsalltag. Wenn wir heute Kollektivverträge
verhandeln - auch nicht immer konfliktfrei, wie wir dieser Tage
wieder erleben müssen - können wir auf eine langjährige Praxis
erfolgreicher Verhandlungen aufbauen, die Anton Benya mitgestaltet
hat. Sein Credo, immer eine Lösung auf dem Verhandlungsweg
vorzuziehen, aber wenn nötig auch den Konflikt nicht zu scheuen - das
leben wir auch heute noch."

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