- 19.09.2012, 11:40:36
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Plattform "Ethik für ALLE" erhält breite Unterstützung
Die heute in Wien erstmals vorgestellte Plattform "Ethik für ALLE", die sich für einen vom Religionsunterricht losgelösten Ethikunterricht einsetzt, stößt auf breite Unterstützung.
Utl.: Die heute in Wien erstmals vorgestellte Plattform "Ethik für
ALLE", die sich für einen vom Religionsunterricht losgelösten
Ethikunterricht einsetzt, stößt auf breite Unterstützung.=
Wien (OTS) - Für Nationalrat Dr. Harald Walser, Gymnasiumsdirektor
und Bildungssprecher der Grünen, ist die Trennung von Staat und
Kirche "eine der großen Errungenschaften seit der Aufklärung" während
beide - Staat und Kirche(n) - "wichtige, aber eben eigene Aufgaben"
haben. Staat und Kirche dürfen laut Walser nicht vermischt werden:
"Gerade Österreich hat eine lange Tradition, in der diese notwendige
Trennung nicht konsequent befolgt wurde. Das gilt insbesondere für
die Schule". Eine Antwort auf fundamentalistische und
demokratieverachtende Tendenzen in etlichen Religionsgemeinschaften
könnte laut Walser ein verbindlicher Ethik- und ReligionENunterricht
liefern. Dieser soll, so Walser, " ALLE Kinder nicht nur dazu
bewegen, sich kritisch mit Weltanschauungen zu befassen sondern auch
gemeinsam über gesellschaftliche Werte - etwa die Stellung der Frau,
Toleranz oder Schwangerschaftsverhütung - zu diskutieren. Niemand
soll indoktriniert werden, sondern ALLE sollen und müssen in der
Schule zu einem Gedankenaustausch über unterschiedliche, miteinander
oft unvereinbare Werthaltungen, animiert werden. In einer
Gesellschaft mit wirklicher Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit ist es die Aufgabe des Staates, diese
Auseinandersetzung zu fördern."
Der Verband Sozialistischer Student_innen (VSStÖ) spricht sich
ebenfalls für eine klare Trennung von Religion und Ethik aus. "Ethik
und Religion können nicht Hand in Hand gehen. Der Ethikunterricht
muss den Religionsunterricht vollständig ersetzen und von
Lehrpersonen unterrichtet werden, die über eine Ausbildung verfügen
und nicht einfach von der Kirche bestellt werden", stellt
VSStÖ-Sprecher Patrick Pechmann klar. Für Pechmann "haben Schulen die
Aufgabe, Schüler und Schülerinnen in ihrer Identitätssuche zu stärken
und Toleranz zu vermitteln. Nur so kann Verständnis und Respekt
vermittelt werden". Klare Vorstellung hat die VSStÖ auch bezüglich
der Qualitätssicherung des Ethikunterrichtes: "Schüler_innen haben
Lehrpersonen mit adäquater Ausbildung verdient. Lehrpersonen, die von
der Kirche geschickt werden, können, per Definition, gegenüber
sämtlichen Glaubensrichtungen sowie atheistischen Auslegungen nicht
neutral bzw. objektiv sein. Um den Sinn von einem Ethikunterricht zu
wahren, ist es wichtig, dass ein eigener Lehrstuhl und ein
Lehramtsstudium für das Unterrichtsfach Ethik eingerichtet werden".
Elisabeth Blanik, Landtagsabgeordnete und Bildungssprecherin des
Tiroler SPÖ-Klubs, schließt sich mit einer klaren Aussage den
Forderungen der Plattform ebenfalls an: "Ethikunterricht für alle im
Klassenverband und dafür den konfessionellen Religionsunterricht
freiwillig am Ende des Unterrichtstages - das wäre für mich die beste
Lösung!".
Unterstützung erhält die Plattform auch von der "Homosexuellen
Initiative (HOSI) Wien". Deren Obmann Christian Högl erwartet sich
von einem für alle Schüler und Schülerinnen verpflichtenden
Ethikunterricht die Vermittlung "allgemein vertretbarer Werte, wie
Respekt für und Toleranz gegenüber allen Menschen, und zwar
ungeachtet ihrer Weltanschauung, ethnischen Herkunft oder sexuellen
Orientierung". Ein "Entweder-Oder"-Modell, das derzeit auch im Kern
des Schulversuchs Ethikunterricht zu finden ist, lehnt Högl jedoch
strikt ab, da dieses es Religionsgemeinschaften ermöglicht, sich "in
Augenhöhe gegenüber dem Staat zu positionieren und zwar auch dann,
wenn sie traditionell Menschenhass und die Ausgrenzung
Andersdenkender gepredigt und praktiziert haben". Högl verweist in
diesem Zusammenhang auch darauf, dass es gerade religiös erzogenen
Menschen oft besonders schwerfällt, ihre Homosexualität zu
akzeptieren und sie aufgrund ihres Glaubens in schwere
Gewissenskonflikte geraten, die in manchen Fällen sogar im Suizid
enden. Ein verpflichtender Ethikunterricht könnte hier
kompensatorisch wirken.
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