- 19.09.2012, 11:35:38
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"Ethik für ALLE": Breite Plattform fordert die Entkopplung des Ethikunterrichtes vom Religionsunterricht
Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde heute die überparteiliche Plattform "Ethik für ALLE" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Utl.: Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde heute die
überparteiliche Plattform "Ethik für ALLE" erstmals der
Öffentlichkeit vorgestellt.=
Wien (OTS) - Heinz Oberhummer, Vorstand der "Initiative Religion ist
Privatsache", stellte gleich in seinem Eröffnungsreferat die drei
Grundprinzipien der Plattform vor: Sachlichkeit, Gleichbehandlung und
Qualitätssicherung: "Eine sachliche Behandlung des Themenkomplexes
'Ethikunterricht' kann nur dann gewährleistet sein, wenn
ausschließlich Philosophen und Pädagogen solch ein wichtiges
Schulfach gestalten und nicht Theologen. Davon sind wir derzeit aber
weit entfernt." Als diskriminierend bezeichnete Oberhummer den
Umstand, dass der Besuch des Ethikunterrichts davon abhänge, ob ein
Schüler den Religionsunterricht besucht oder nicht. "Eine
weltanschauliche Trennung innerhalb des Klassenverbands kann aber in
Österreich im Jahr 2012 ganz einfach nicht hingenommen werden", so
Oberhummer, der anschließend auch die Parameter der
Qualitätssicherung für den Ethikunterricht vorstellte:
"weltanschauliche Neutralität und entsprechend fundiert ausgebildete
Ethiklehrer, die keine konfessionelle Lehrbefugnis besitzen".
Abschließend hielt Oberhummer fest, dass der hohe Stellenwert, den
ein fundierter Ethikunterricht quer durch alle politische Lager
genießt, konsequenterweise nur eines bedeuten kann: "Ethik für ALLE
und zwar von der HTL bis zur konfessionellen Privatschule; ethikfreie
Enklaven darf es in Österreich einfach nicht geben".
"Eine klare Trennung zwischen Ethik und Religion zu schaffen und
dem Ethikunterricht eine klare Vorrangstellung zu verleihen" gilt für
Tatjana Gabrielli, Vorsitzende der "Aktion Kritischer Schüler_innen"
(AKS), als Gebot der Stunde. "Ethik und Religion können nicht Hand in
Hand gehen! Der Ethikunterricht muss den Religionsunterricht
vollständig ersetzten und von Lehrpersonen unterrichtet werden, die
vom Staat und nicht der Kirche bestellt werden" so Gabrielli, die im
21. Jahrhundert "keinen Platz mehr in öffentlichen
Bildungseinrichtungen für unwissenschaftliche und längst überholte
Ansichten" ortet. Für Gabrielli gilt folglich eine einzige
Handlungsvariante: "Religion als Pflichtfach ist so schnell wie
möglich abzuschaffen. Sowie, nebenbei, auch der Schulversuch
'Ethikunterricht' in seiner jetzigen Form."
Jürgen Wutzlhofer, Bundesgeschäftsführer der Österreichischen
Kinderfreunde, tritt grundsätzlich dafür ein, dass "Kinder auch in
der Schule Werte vermittelt bekommen". Für Wutzelhofer geht es dabei
um "die Grundwerte der Aufklärung und den demokratischen Grundkonsens
von Solidarität, Freiheit und Zivilcourage". Wutzelhofer: "Diese
Werte sind Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens und mehr
als eine Alternative für all jene, die sich gegen den
Religionsunterricht entscheiden. Wir fordern daher: Ein
differenzierter, gegenüber allen Religionen äquidistanter
Ethikunterricht soll ALLEN SchülerInnen zugute kommen und nicht als
Verpflichtung für jene, die sich von Religion abmelden,
missverstanden werden."
Für Nikolaus Scherak, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen
(JuLis), gilt in einer Demokratie die "saubere Trennung von Staat und
Religion" als eines der "höchsten Gebote". Vor diesem Hintergrund
bildet für Scherak die bereits jetzt geltende Praxis des
"Ethikunterricht als Ersatzpflichtgegenstand zum
Religionsunterricht", die den Kern des seit 15 Jahren laufenden
Schulversuchs darstellt, einen "krassen Verstoß gegen die Grundwerte,
die unsere Demokratie ausmachen". Im Rahmen seines Beitrages setzte
sich Scherak auffällig kritisch mit dem aktuellen Diskurs
auseinander: "Bis jetzt wurde der Ethikunterricht immer nur als
Ersatzgegenstand für den Religionsunterricht betrachtet. In der Tat
geht es hier also offensichtlich um die Zementierung des
Religionsunterrichts". Im Zusammenhang mit dem Ruf nach Ethik sieht
Scherak aber auch "eine kritisch zu hinterfragende Tendenz hin zu
staatlicher Kindererziehung, die ausgerechnet durch den zunehmend
unpopulären Religionsunterricht ausgelöst wird". Für Scherak wäre der
Ethikunterricht nur als "flächendeckend eingeführter und alle Kinder
zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Werten und
Weltanschauungen animierender Pflichtgegenstand" denkbar. Solch ein
Ethikunterricht kann jedoch, so Scherak, mit einem konfessionellen
Religionsunterricht jedoch "unter keinen Umständen verglichen
werden".
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