• 04.09.2012, 21:07:01
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TUIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 5. September 2012 von Anita Heubacher "Bildung gehört von Ideologie befreit"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Eine gemeinsame Schule, in der Begabungen
gefördert und die Schwächeren mitgezogen werden, will die Tiroler
ÖVP. Und sie hat Recht damit. Das sagen Experten; Ideologen und
Gewerkschafter stecken den Kopf in den Sand.

Da haben Landeshauptmann Günther Platter und Bildungslandesrätin
Beate Palfrader, beide ÖVP, einen Stein ins Rollen gebracht - und
das ist gut so. Eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen
soll es sein, wo Talente gefördert und die Schwächeren mitgezogen
werden. Damit wurde das schwarze Weltbild erschüttert, bei dem es
den Hardlinern darum geht, in separaten Schulen Bildungseliten
heranzuziehen, möglichst ungestört von sozial Schwächeren oder
Migranten.
Postwendend auf Platters Vorstoß kam dann auch gleich von
ÖVP-Bundesparteichef Michael Spindelegger, dass natürlich am
Gymnasium festgehalten werde. Beides wird sich aber nicht spielen -
Neue Mittelschule und Gymnasium, das geht sich nicht aus. Applaus
bekamen Platter und Palfrader von der roten Bildungsminis█terin
Claudia Schmied, die schon seit Jahren das Bild der Gesamtschule
zeichnet.
Applaus und Distanzierung geschahen aus ideologischen Gründen, dabei
sollte nur eines wirklich zählen: Das beste Umfeld für Schüler zu
schaffen, um am Ende die besten Ergebnisse zu erzielen.
Die Nationen, die beim PISA-Test gut abschneiden, haben
Gesamtschulsysteme. Darunter finden sich Finnland, Kanada, Japan und
Singapur. Wer█s ein bisschen näher haben will, riskiert einen Blick
über die Grenze. Die Südtiroler Mittelschule bringt Schüler hervor,
die regelmäßig beim PISA-Test besser abschneiden als ihre Kollegen
in Nordtirol. Überall dort hat man das kleingeistige
Gesamtschul-Geplänkel schon hinter sich. Holt die Bildung endlich
raus aus der ideologischen Ecke! Die sture Haltung der
Lehrergewerkschaften, personifiziert vor allem durch das
ÖVP-Urgestein Fritz Neugebauer, ist derart unsäglich, dass sogar
vielen in den eigenen Reihen der Kragen geplatzt ist.
Soziologen, Pädagogen, Hirnforscher und Psychologen warnen davor,
Kinder viel zu früh in fixe Bildungskategorien einzuordnen, die
Auslese viel zu früh zu starten. LH Günther Platter greift diesen
Gedanken auf und will einen Schulversuch in einer Modellregion. Da
bietet sich Innsbruck an. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer
(Für Innsbruck) sieht Innsbruck als bildungstechnischen Vorreiter
und hat bereits einiges dafür getan.
Parteichef Platter kann überdies ein Näherkommen zwischen
Landespartei und der Bürgermeisterin nur recht sein. Schließlich
spielt Innsbruck im Landtagswahlkampf eine Schlüsselrolle.

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