- 06.08.2012, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 7. August 2012. Von CORNELIA RITZER. "Ein Mitwisser als Austeiler".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Kein System Haider, sondern ein
schwarzes System war für den Parteienfinanzierungsskandal im Zuge des
Kärntner Hypo-Verkaufs verantwortlich, sagt Stefan Petzner. Er
verteidigte damit seinen Landeshauptmann - und sich selbst.
Man kann Stefan Petzner taktisches Geschick unterstellen, seit
gestern muss man es. Der BZÖ-Mandatar war in seiner beruflichen Wiege
Klagenfurt als Zeuge in der Causa Birnbacher-Honorar geladen, und die
Erwartungen waren enorm. Zentrale Figur beim Verkauf der Kärntner
Hypo war nämlich sein politischer Ziehvater - der verstorbene, in
Kärnten aber spürbar noch nachwirkende Landeshauptmann Jörg Haider.
Kaum vorstellbar, dass Petzner, Sekretär, Pressesprecher, Vertrauter,
von den Deals und guten Geschäften Haiders nichts mitbekommen habe.
Petzner ging in die Offensive und trommelte tagelang, mit seiner
Aussage zu "überraschen", sogar von einer Polit-Bombe war die Rede.
Dass diese sich nur als Nebelgranate herausstellte, kann dem
31-Jährigen egal sein: Er hat mit seinem Auftritt vor Gericht seine
Mission erfüllt, Jörg Haiders Ruf und Ehre scheinen gerettet. Mit
handfesten Beweisen? Nein. Mit Erinnerungen an ein Gespräch im Jahr
2007 und den hochroten Kopf des damaligen ÖVP-Kärnten-Chefs Josef
Martinz, nachdem der Landeshauptmann ihn auf die leeren schwarzen
Parteikassen ansprach. Beim Gespräch sollen sogar die vergangene
Woche zurückgetretenen ÖVP-Leute Stephan Tauschitz und Achill Rumpold
dabei gewesen sein - ein pikantes Detail am Rande.
Haiders Weste glänzt also weiß, gleichzeitig auch Petzners, der zur
Zeit des Hypo-Verkaufs immerhin geschäftsführender Obmann der
Haider-Partei war. Als Alleintäterin in Sachen Parteienfinanzierung
wurde von "Haiders Spin-Doctor" (Petzner über sich selbst) die ÖVP
identifiziert.
Aus Martinz' Wahrnehmung stellen sich die Dinge natürlich anders dar,
hat es dieses Gespräch gar nie gegeben. Doch auch der Ex-ÖVP-Obmann
wälzt Verantwortung ab. Auf den verstorbenen Politiker Haider, der
die Idee mit der "Drittelregelung" - dass das Birnbacher-Honorar auf
den Steuerberater, BZÖ und die ÖVP aufgeteilt wird - geboren haben
soll. Und auf Birnbacher, der durch das zu teure Gutachten die
Beteiligten täuschte.
Stefan Petzner wollte mit seinem kleinen Rundumschlag aufzeigen, dass
es ein System Haider nie gab. In erster Linie beweist er damit
jedoch, dass er seine Fähigkeiten als Spin-Doctor nicht verlernt hat.
Denn der Rettungsversuch für den Politiker Jörg Haider kommt zu spät.
Zu viel kam durch den Prozess bereits an die Oberfläche. Ablenken und
ignorieren kann nicht mehr genügen.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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