- 03.07.2012, 21:26:18
- /
- OTS0230 OTW0230
Ein politisches Urgestein wird 80 Festakt zum runden Geburtstag von Robert Lichal
Wien (PK) - Ursprünglich wollte er Schauspieler werden - aber es kam
wie so oft anders, und Robert Lichal landete auf der
gegenüberliegenden Seite des Rings, nämlich im Parlament und nicht im
Burgtheater. Im Parlament, wo er als Bundesrat begann, dann in den
Nationalrat wechselte und schließlich Zweiter Präsident des
Nationalrats wurde, fand heute ein Festakt anlässlich seines
bevorstehenden 80. Geburtstags am 9. Juli statt.
Ob bzw. inwieweit Schauspielerei und Politik etwas Gemeinsames haben,
darauf ging auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Rahmen
ihrer Glückwünsche ein. Das Parlament sei auch eine wichtige Bühne,
sagte sie, man dürfe aber beides nicht miteinander verwechseln,
warnte sie gleichzeitig. Die Leidenschaft, sich 100%ig für eine Sache
einzusetzen, wie das Lichal immer getan habe, und sein hohes Maß an
Identifikation mit den jeweiligen Aufgaben, das verbinde den
Schauspieler mit dem Politiker, warf der Zweite
Nationalratspräsident, Fritz Neugebauer, in seiner Festrede ein. Wer
hingegen als Politiker jemand anderem nur etwas vormache, der sei ein
schlechter Politiker, betonte er und hob insbesondere die Fähigkeit
des Jubilars hervor, eine klare Sprache zu führen und nicht in den
"Politiksprech" zu verfallen.
Allgemein wurde die Geradlinigkeit, Standfestigkeit, Wertehaltung und
Kompromissfähigkeit Lichals gewürdigt, der immer offen für andere
Meinungen sei. Selbstverständlich ging man auch auf seine Spitznamen
"Revolver-Hofrat", Raketen-Django" oder "Rambo" ein und unterspickte
dies mit humorvollen Anekdoten.
Lichal selbst appellierte an alle, die Würde des Hohen Hauses zu
wahren und sprach von einem "verheerenden Bild", das Abgeordnete oft
über die Fernsehbildschirme vermitteln. Er rief aber auch dazu auf,
das "Spiel mit dem Bundesheer" zu beenden.
Zahlreiche Gäste waren gekommen, um Robert Lichal zu beglückwünschen.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer durfte neben Vizekanzler
Michael Spindelegger, unter anderem auch Bundesministerin Beatrix
Karl, die ehemaligen Zweiten PräsidentInnen des Nationalrats Marga
Hubinek und Heinrich Neisser, den ehemaligen Dritten
Nationalratspräsidenten Werner Fasslabend sowie den ehemaligen
Innenminister Karl Schlögel, die ehemaligen VolksanwältInnen Ingrid
Korosec und Herbert Kohlmaier sowie Botschafter Ludwig Steiner
begrüßen.
Für die musikalische Umrahmung sorgte das Koehne Quartett.
Prammer: Kompromissfähigkeit ist Lebensbestandteil der Demokratie
Die Nationalratspräsidentin zitierte aus der Abschiedsrede Lichals im
Plenum und griff dabei sein leidenschaftliches Plädoyer, wie sie es
formulierte, für eine harte und emotionale Auseinandersetzung heraus.
Wichtig sei dabei immer, dass man nicht beleidigend wird und die
Würde des Hauses nicht verletzt, merkte sie an und beleuchtete dabei
auch kritisch die aktuelle Situation mit dem Hinweis, dass die
PolitikerInnen heute durch die Live-Übertragungen wesentlich mehr als
bisher unter ständiger Beobachtung stehen. Sie brach einmal mehr eine
Lanze für die Kompromissfähigkeit als "Lebensbestandteil der
Demokratie". Niemand könne seine Position zur Gänze umsetzen,
bemerkte sie, es komme auf das richtige Maß an, und das sei eine
Kunst, die es immer aufs Neue zu erlernen gelte.
Kopf: Lichal ist ein Urgestein der ÖVP
Als einen Menschen "mit dauerhafter Wertehaltung" charakterisierte
ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf das Geburtstagskind. Lichal sei immer
für eine klare Sprache gestanden, auf ihn konnte und könne man sich
verlassen, man habe bei ihm immer gewusst, woran man ist. Er sei ein
"Urgestein" der ÖVP im besten Sinne des Wortes, nämlich "dauerhaft,
standfest, beständig und tragend. Lichal habe "Wind gemacht" und sei
auch immer wieder Wind gewesen, der die Dinge in Bewegung bringt. Er
habe die Sachverhalte wortgewaltig auf den Punkt bringen können, was
auch manchmal Probleme nach sich gezogen habe. Beeindruckend sei die
große Überzeugungskraft Lichals und dessen Humor, so Kopf.
Spindelegger: Lichal - ein Konservativer, der menschliche Qualität
ausstrahlt
Lichals Geradlinigkeit habe auch ihn von Anfang an beeindruckt, hielt
Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger, der einstmals
Sekretär des heute Geehrten war, in seiner Laudatio fest. Er sei
immer ein untadeliger Demokrat gewesen, der sich anderen Meinungen
gegenüber stets aufgeschlossen gezeigt habe, unterstrich der ÖVP-
Parteiobmann und zitierte Lichals Grundsatz: "Sage, was du tust, und
tue, was du sagst" als ein vorbildliches Motto. Lichal sei ein
Konservativer, der menschliche Qualität ausstrahle, betonte
Spindelegger, jemand, der Härte gezeigt habe, aber auch politisches
Gespür. Sein Einsatz habe immer dem größeren Ganzen gegolten.
Der Vizekanzler spickte seine Festrede auch mit einigen Anekdoten.
"Keine Pressekonferenz ohne Überraschungen", so Spindelegger und
erinnerte daran, wie Lichal öffentlich und durchaus publikumswirksam
die "mannstoppende Bewaffnung der Polizei" gefordert hat, was ihm
auch den Spitznamen "Revolver-Hofrat" eingebracht hat. Weil er sich
als Verteidigungsminister mit all seiner Kraft für Lenkwaffen
ausgesprochen hat, wurde ihm auch der Titel "Raketen-Django" zuteil.
Lichal habe in seiner Ministerzeit dem Bundesheer seinen Stempel
aufgedrückt, merkte Spindelegger an, er habe die Milizstruktur
eingeführt und den Soldaten einen Stellenwert gegeben.
Neugebauer: Lichal in Wahrheit ein "patzweicher Mensch"
Ob Revolver-Hofrat, Raketen-Django oder Rambo, Lichal sei in Wahrheit
ein "patzweicher Mensch", konstatierte der Zweite Präsident des
Nationalrats, Fritz Neugebauer. Neugebauer ging insbesondere auf die
Tätigkeit Lichals als Personalvertreter ein und meinte, in dieser
Funktion sowie durch die Arbeit in der Sozialpartnerschaft habe er
die besten Voraussetzungen für die Politik mitbekommen, denn da sei
es gefragt, auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Menschen
einzugehen. Am Ende stehe immer der soziale Dialog und
verantwortungsvolles Handeln. Auch Neugebauer würdigte die hohe
Identifikation Lichals mit seinen jeweiligen Aufgaben, dessen
Heimatbewusstsein und dessen gelebte Überzeugung, dass das Parlament
jener Ort ist, wo man die Spielregeln gestaltet. Ihm sei es auch zu
verdanken, dass die Milizstruktur in die Bundesverfassung aufgenommen
worden ist, fügte Neugebauer hinzu.
Lichal: Apell, Würde des Parlaments zu wahren und Spiel mit dem
Bundesheer zu beenden
Eine sehr nachdenkliche Note brachte dann der Jubilar selbst in die
feierliche Stunde ein, indem er an die harten Jahre seiner Kindheit
und Jugend - Bürgerkrieg in Österreich, Anschluss, Krieg,
Besatzungszeit - erinnerte. "Das war Angst, das waren Sorgen" rief er
den Gästen entgegen und übte harsche Kritik an der Panikmache der
heutigen Zeit. Er habe kein Verständnis dafür, worüber heute
gejammert wird, wetterte er.
Lichal betonte in seinen Dankesworten, wie sehr ihm das Parlament und
das Bundesheer am Herzen liegen und knüpfte daran zwei Wünsche: Es
sei viel Positives seit seiner Zeit geschehen, räumte er ein, aber
das Präsidium des Nationalrats müsse etwas gegen das "verheerende
Bild" tun, das so manche Abgeordnete vermitteln. Viele würden
absichtlich nicht der Würde des Hauses entsprechen, griff er die
Worte der Nationalratspräsidentin mit Verve auf. Und was das
Bundesheer betreffe, so appellierte er an alle Funktionsträger, das
"Spiel doch zu beenden". Man könne doch eine Institution nicht
willentlich und wissentlich ruinieren, die Landesverteidigung brauche
wieder ein Selbstwertgefühl. Was jetzt passiere, sei eine "Zumutung".
"Politik ist nichts anderes als die Notwendigkeit, das Zusammenleben
der Menschen in einer Gemeinschaft zu gestalten", fasste Lichal
abschließend zusammen.
Robert Lichal
Der ehemalige Zweite Präsident des Nationalrats und
Verteidigungsminister Robert Lichal wurde 1932 in Wien geboren. Nach
seinem Studium als Werkstudent an der Wiener Universität promovierte
er 1965 zum Doktor iuris. Seine erste berufliche Station war in der
Niederösterreichischen Landesregierung. Dort engagierte er sich bald
in der Personalvertretung und übernahm ab 1973 zusätzlich wesentliche
Aufgaben in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, wie etwa die
Funktion des stellvertretenden Obmanns. Als Vorsitzender des FCG
fungierte Lichal von 1985 bis 1987, ab 1987 als Obmann des ÖAAB und
gehörte des Weiteren auch dem ÖGB-Präsidium an.
Seine ersten Tätigkeiten im Bundesrat nahm Lichal ab 1976 wahr und
wechselte drei Jahre später in den Nationalrat, wo er
Sicherheitssprecher seiner Fraktion ÖVP wurde. Während seiner
Amtszeit als Verteidigungsminister (1987-1990) setzte Robert Lichal
zahlreiche Neuerungen im Sinne der Stärkung der nationalen
Landesverteidigung durch. Als Lichal nach den Nationalratswahlen 1990
aus der Bundesregierung ausschied, bildete er eine
Gesetzgebungsperiode lang mit Heinz Fischer und Heide Schmidt das
Präsidium des Österreichischen Nationalrats. 1994 verabschiedete sich
der heute immer noch rege am öffentlichen Leben teilnehmende Lichal
aus der aktiven Politik.
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at)
im Fotoalbum. (Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA






