- 29.06.2012, 15:31:35
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Wissenschaftsausschuss debattiert Entwicklung der Hochschulen Töchterle will Fachhochschulen kontinuierlich ausbauen
Wien (PK) - Der Wissenschaftsausschuss befasste sich in seiner
heutigen Sitzung mit dem Universitätsbericht 2011 und dem Bericht des
Fachhochschulrates 2010. Dem Ausschuss lag auch die 15a-Vereinbarung
des Bundes mit dem Land Niederösterreich zur finanziellen Absicherung
des Institute of Science and Technology-Austria und ein Antrag der
Koalitionsparteien vor, der das Fachhochschulgesetz um eine
Übergangsregelung für die Leitung von Fachhochschulkollegien ergänzt.
Auf der Tagesordnung standen auch Anträge des BZÖ und der Grünen zu
Universitätsthemen, die jeweils mit S-V-Mehrheit dem Unterausschuss
des Wissenschaftsausschusses zugewiesen wurden.
Bundesminister Töchterle: Der eingeschlagene Pfad wird eingehalten
Abgeordneter Kurt Grünewald (G) meinte, es liege ein umfassender und
informativer Bericht zur Lage der Universitäten vor. Für ihn sei aber
die Frage offen, wie mit dem derzeitigen Budgetpfad bis 2010 den
angestrebten Anteil der Forschung und Entwicklung von 2 % des BIP
erreichen wolle. Für die Grundlagenforschung, wo man derzeit bei 0,46
% BIP-Anteil halte, sei sogar eine Verdoppelung geplant. Wenn man
mehr private Beteiligung wünsche, stelle sich die Frage, wie man
Anreize schaffe und verhindere, dass eine Einflussnahme von privaten
Interessen auf Forschung und Lehre erfolgt.
Abgeordneter Rainer Widmann (B) meinte, der Bericht zeige, vor dem
Hintergrund knapper Ressourcen, viele "offene Baustellen" an den
Hochschulen auf. So gebe es unbefriedigende Betreuungsverhältnisse in
vielen Studien. Bei Studiengebühren stehe eine Regelung, die
Rechtssicherheit schaffe, aus. Dies sei vor allem angesichts vieler
Studierenden aus dem Ausland ein wichtiges Thema. Insgesamt habe sich
auch die allgemeine Lage für Studierende nicht verbessert. Er
vermisse in dem an sich guten Bericht, der viele Daten biete, leider
die Konsequenzen, die daraus abzuleiten wären.
Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) meinte, es sei ein
guter Bericht, der viel Verbesserungsbedarf aufzeige, aber auch auf
positive Entwicklungen verweise - etwa das Steigen der Zahl der
Abschlüsse. Er zeige die Internationalität der Studierenden und auch
die Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten. Für sie sei von
Interesse, welche Entwicklung von StudienanfängerInnen und
AbsolventInnenzahlen zu erwarten seien, welche Steuerungsinstrumente
die Hochschulen und Universitäten dabei hätten, und wie Österreich im
internationalen Vergleich der Hochschulbudgets abschneide.
Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) interessierte sich für den Einsatz der
Offensivmittel und meinte, sie sei gegen ein Ausspielen der so
genannten "Massenstudien" gegenüber den MINT-Fächern. Kuntzl
erinnerte an die gesellschaftlichen Zielsetzungen der
Leistungsvereinbarungen. Das seien die Erhöhung der sozialen
Durchlässigkeit, mehr Frauen in Leitungspositionen zu bringen und
Nachwuchsforscherinnen zu fördern. Hier fehlten im Bericht leider
klare Aussagen, was erreicht sei, und welche zukünftigen Ziele
vereinbart werden sollten. Sie hätte auch eine erste Bewertung der
Studieneingangs- und Orientierungsphase gewünscht. Sie sah auch ein
Stagnieren der Studierendenzahlen, ein Ansturm sei allerdings bei
deutschen Studierenden zu erwarten, welche Maßnahmen setze man hier?
Auch sei der Anteil der BezieherInnen von Studienförderung
rückläufig, stellte Kuntzl fest und wollte wissen, was die Ursache
sei.
Abgeordneter Werner Herbert (F) meinte, der umfangreiche Bericht
zeige eine Reihe von Schwierigkeiten, die für Studierende bestehen,
auf. Er zeige auch die teilweise unbefriedigende Personalsituation
der Hochschulen auf. Er wolle wissen, wie es mit der Finanzierung der
Hochschulen weitergehen werde, vor allem mit der von der FPÖ
eingeforderten Uni-Milliarde, und wie der Stand der
studienplatzbezogenen Finanzierung sei.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle stellte fest, dass die
Erreichung der 2 %-Quote ein ambitioniertes Ziel sei, dessen
Erreichung sicher nicht einfach sein werde. Es werde dazu der
Bemühungen der öffentlichen Hand wie auch des privaten Sektors
bedürfen. Der Anteil von privater Seite an der Hochschulfinanzierung
sei in Österreich im internationalen Vergleich recht gering, betonte
Töchterle, und müsse sicher ausgebaut werden. Österreich sei auch
eines der wenigen Länder, in dem die öffentliche Finanzierung noch im
Steigen begriffen ist. Da die Gelder der so genannten "Uni-
Milliarde", die mit der Finanzministerin ausverhandelt wurden, bis
2016 bereits eingeplant seien, sei er aber optimistisch, dass man auf
dem vorgesehenen Budgetpfad bis 2020 bleiben werde. Der Anteil der
Grundlagenforschung am BIP liege im Übrigen nach ihm vorliegenden
Zahlen etwas höher, bei 0,5 %.
Sein Ressort fordere die Universitäten auf, verstärkt Kooperationen
mit der Wirtschaft zu suchen, und unterstütze sie dabei. Mit
Stiftungsprofessuren habe man im allgemeinen sehr gute Erfahrungen,
die befürchtete Einflussnahme erkenne er nicht. Eine Verbesserung der
Betreuungsrelationen lasse sich erreichen, indem man entweder mehr
Personal einstelle, oder den Zugang beschränke. Sein Zugang zu der
Frage sei, dass man an beiden Schrauben drehen müsse. Man könne die
Nachfrage nach Studienplätzen nicht einfach unbegrenzt befriedigen.
In der Frage der Regelung der Studiengebühren herrsche derzeit
Stillstand. Einige Universitäten heben sie bereits ein, er selbst
habe ein Modell vorgelegt, dass er für gut halte, und über das zu
diskutieren er einlade. Er sei dagegen, die Akademikerquote zu einem
Fetisch zu machen, sie sage per se noch nichts über die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus. Jedenfalls hole Österreich
aber seit einigen Jahren stark auf und liege jetzt schon bei einem
international durchaus akzeptablen Schnitt.
Der Anstieg der AbsolventInnenzahlen sei am deutlichsten bei den
Medizinstudien, er leite daraus ab, dass diese die klare Folge der
Zugangsregelungen sei, aufgrund derer nur tatsächlich Qualifizierte
ein Studium beginnen. Zudem sei man bemüht, auch finanzielle Anreize
für ein rasches Studium zu bieten.
Zum Einsatz der Offensivmittel wolle er festhalten, dass er als
Geisteswissenschaftler sicher nicht den Wert dieser Fächer gegenüber
MINT-Fächern in Frage stelle. Die Universitäten seien aufgefordert
worden, Projekte vorzulegen, die von einer Fachjury bewertet wurden.
Den Hochschulen war damit die Umsetzung vieler Vorhaben möglich, die
ganz unterschiedlichen Bereichen zugutekamen. Für die umfassende
Evaluierung der Studieneingangs- und Orientierungsphase sei es zu
früh. Es habe sicher auch da und dort zu scharfe Regelungen gegeben,
er sei für Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten stets dankbar.
Was die Internationalisierung der Hochschulen und der Studierenden
betrifft, so sei diese prinzipiell positiv, man müsse aber bedenken,
dass es eine asymmetrische Mobilität gebe. Es sei Österreich
gelungen, dafür auf EU-Ebene ein Problembewusstsein zu schaffen und
erfahre viel Unterstützung, auch wenn erfahrungsgemäß Lösungsansätze
für ein derart komplexes Thema auf dieser Ebene ihre Zeit brauchen.
So lange es diese nicht gebe, werde man auf nationaler Ebene handeln
müssen, man müsse auch an Zugangsbeschränkungen denken.
Was die Studienbeihilfen angehe, so seien ein Grund dafür, dass diese
nicht in Anspruch genommen werden, die Einkommensgrenzen. Hier müsse
man überlegen, was man verbessern könne. Das Sinken der
BezieherInnenzahlen erkläre sich aber auch daraus, dass die Anträge
auf die Auszahlung von Kleinstbeträgen zurückgegangen sind.
In einer zweiten Runde sprach Abgeordneter Erwin Preiner (S) die
Probleme beim Übergang vom BA- zum Masterstudium an. Manche
Universitäten würden Hürden schaffen, kritisierte er.
Abgeordnete Karin Hakl (V) meinte, der internationale Vergleich
zeige, dass eine hohe Akademikerquote nicht unbedingt direkten
Einfluss auf die Arbeitslosenquote junger Menschen habe. Das zeige
sich etwa in den skandinavischen Ländern. Ihre Fraktionskollegin
Silvia Fuhrmann thematisierte die Lage der Studierenden. Probleme
gebe es vor allem mit der Vereinbarkeit von Studium und Beruf.
Abgeordneter Bernard Vock (F) bezweifelt die Wirksamkeit der
Frauenförderprogramme der Universitäten.
Abgeordneter Elmar Mayer (S) verwies darauf, dass 61 % der
Studierenden berufstätig seien, 45 % davon durchgängig. Er wollte
wissen, wie man diese Gruppe berücksichtige. Eine akademische
Ausbildung senke auch eindeutig das Risiko der Arbeitslosigkeit.
Wichtig sei, dass ein tertiäres Bildungsangebot für Früh- und
Elementarpädagogik geschaffen werde.
Abgeordneter Kurt Grünewald (G) meinte, dass Österreich aufgrund
seiner Besonderheiten der Statistikführung tatsächlich eine hohe
Dunkelziffer der Akademikerarbeitslosigkeit habe. Der FWF, der viele
Arbeitsplätze sichere, sei massiv unterfinanziert.
Ausschussvorsitzender Martin Graf (F) meinte, die Frage der
Zugangsbeschränkungen sollte nicht immer von Seite der Hochschulen
gedacht werden. An sich besitze man mit der Matura eine Form der
Zugangsberechtigung. Man sollte auch Überlegungen anstellen, wie man
ihre Aussagekraft über die damit verbundene Qualifikation erhöhen
könnte. Der derzeitige Stand in der Frage der Studienbeiträge sei der
schlechteste, der denkbar sei.
Bundesminister Karlheinz Töchterle hielt fest, dass gesetzlich
geregelt sei, dass ein BA-Studium immer die Möglichkeit geben müsse,
daran ein MA-Studium anzuknüpfen. In der Ausgestaltung dieser MA-
Studien hätten aber die Senate der Universitäten das Sagen, er sei
als Minister angehalten, die Autonomie der Hochschulen in dieser
Frage zu respektieren. Was die Früh- und Elementarpädagogik betreffe,
so sei selbstverständlich wichtig, dass die Ausbildung auf die
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse eingehe. Einige
Universitäten überlegen die Einrichtung von Lehrstühlen in diesem
Bereich und erhalten Unterstützung seines Ressorts.
Über die soziale Lage der Studierenden sei er zur Diskussion gerne
bereit, wenn die Ergebnisse des Studierenden-Sozialberichts
vorliegen. Er werde aber darauf drängen, dass zukünftige Berichte auf
tatsächlich repräsentativen Umfragen basieren. Was die Vereinbarkeit
von Beruf und Studium betreffe, so wolle er zu bedenken geben, dass
es eine gewisse Grenze gebe, wie weit diese gelingen könne. Ein
Studium werde immer mehr als eine Wochenend- und
Freizeitbeschäftigung sein.
Die von Abgeordnetem Graf angesprochene Aufwertung der Matura sah
Töchterle kritisch. Matura bzw. Abitur seien ein Modell des 19.
Jahrhunderts, das viele Länder auch nicht hätten. Angesichts der
Internationalisierung sei er skeptisch, ob eine Standardisierung der
Matura zielführend sein könne. Letztlich müsse es die aufnehmende
Institution sein, welche die Kriterien festlege, nach denen sie
Studierende aufnimmt. - Der Universitätsbericht 2011 wurde, gegen die
Stimmen des BZÖ, mehrheitlich zur Kenntnis genommen.
Minister Töchterle will Fachhochschulen kontinuierlich ausbauen
Abgeordneter Bernhard Vock (F) leitete die Debatte, in der sich
Sprecher aller Fraktionen lobend über den Bericht und positiv zur
Entwicklung des Fachhochschulsektors äußerten, mit dem Ersuchen an
den Minister ein, beim Ausbau von Fachhochschulstudiengängen in
Richtung Gesundheitsberufe auf die Arbeitsmarktkonformität zu achten.
Auch Abgeordneter Rainer Widmann (B) sprach vom guten Funktionieren
der Fachhochschulen und begrüßte neue Studiengänge zur Krankenpflege,
wobei er auf die inhaltliche Harmonisierung der Ausbildung an den
verschiedenen Standorten drängte.
Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) registrierte
auffallende Unterschiede bei den Absolventenquoten von Universitäten
und Fachhochschulen und hielt es für angebracht, daraus Schlüsse für
die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten zu ziehen. Während
das Verhältnis der Studierendenzahlen zwischen Fachhochschulen und
Universitäten bei 1:7 liege, mache das Verhältnis bei den Absolventen
1:3 aus, sagte Cortolezis-Schlager.
Für Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) belegte die hohe Dropout-Rate auch
bei den Fachhochschulen, dass Zugangsbeschränkungen kein Mittel zur
Reduzierung der Dropout-Quote sei. Kuntzl betonte die Zielsetzung,
den Anteil Studierender ohne Matura an den Fachhochschulen zu
erhöhen, das Angebot an berufsbegleitenden Lehrgängen zu verbessern
und den Anteil Studierender mit Migrationshintergrund zu steigern.
Abgeordneter Kurt Grünewald (G) plädierte für einen zügigen Ausbau
des Fachhochschulsektors, weil Österreich noch weit entfernt von dem
international üblichen 40 Prozent-Anteil der Fachhochschulen am
tertiären Bildungssektor sei. Die Durchlässigkeit zwischen
Universitäts- und Fachhochschulstudien sei zu verbessern und mentale
Schwellen bei den Universitäten gegenüber FH-Absolventen abzubauen,
forderte Abgeordneter Grünewald.
Bundesminister Karlheinz Töchterle bekannte sich dazu,
Fachhochschulen in Richtung Gesundheitsberufe auszubauen, weil es
langfristig wichtig sei, der Nachfrage des Arbeitsmarkts nach
qualifizierten Pflegekräften zu entsprechen. Der Forderung nach
gleichen Ausbildungsstandards an verschiedenen Standorten stimmte
Töchterle zu. Hinsichtlich der quantitativen Relation zwischen
Fachhochschulen und Universitäten meinte der Wissenschaftsminister,
ein Verhältnis von 30 zu 70 sei für ihn ein plausibles Ziel. Der FH-
Sektor insgesamt sollte aber kontinuierlich, nicht explosionsartig,
ausgebaut werden. Verbesserungen registrierte Töchterle bei der
Kooperation zwischen Universitäten und Fachhochschulen: "Da beweget
sich einiges", teilte der Ressortleiter den Abgeordneten mit. - Der
Fachhochschulbericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.
Absicherung des Institute of Science and Technology - Austria
Eine Verlängerung der bis 2016 geltenden 15a-Vereinbarung mit
Niederösterreich über die Errichtung und den Betrieb des Institute of
Science and Technology - Austria (IST) bis 2026 soll dem Institut
ausreichende Planungssicherheit geben (1783 d.B.). Der Bund stellt
dem Institut vom 2017 bis 2026 988 Mio. €, Niederösterreich 368 Mio.
€ zur Verfügung. Damit werden dem Institut bis 2026 bis zu 1,356 Mrd.
€ eingeräumt. 2014 soll eine umfassende Beurteilung des IST
durchgeführt und auf dieser Grundlage über dessen weitere Entwicklung
entschieden werden.
Abgeordneter Rainer Widmann (B) lobte das Institut und sprach sich
grundsätzlich auch dafür aus, diese renommierte wissenschaftliche
Einrichtung finanziell abzusichern. Zugleich mahnte der Abgeordnete
aber die Gleichbehandlung anderer Wissenschafts- und
Forschungsstätten in Österreich ein. Kritisch merkte Widmann an, der
der "schwarze" Wissenschaftsminister eile mit diesem Vertrag dem
"schwarzen" Landeshauptmann von Niederösterreich im Wahlkampf um
dessen Wiederwahl zu Hilfe.
Abgeordneter Johannes Schmuckenschlager (V) wies den Vorwurf der
Parteipolitik bei der finanziellen Absicherung des IST entschieden
zurück und machte darauf aufmerksam, dass sich das Land
Niederösterreich beträchtlich an der Finanzierung des Instituts
beteilige. Der Abgeordnete machte auf internationale Erfolge dieser
Forschungseinrichtung aufmerksam, sowie darauf, dass dieses Institut
auch private Investoren und Mittel aus anderen europäischen Ländern
anziehe.
Abgeordneter Alexander Van der Bellen (G) hielt es für "gescheit",
dieses Institut, dessen erfolgreiche Arbeit auf österreichische
Universitäten, insbesondere in Wien, ausstrahle, bis 2026 finanziell
abzusichern. Van der Bellen zeigte aber auch Verständnis dafür, dass
Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ebenfalls
langfristige finanzielle Absicherungen fordern. In diesem Sinn sei
der vorliegende Vertrag doppelt vorbildlich, für die Finanzierung von
Instituten wie dem IST, aber auch für Universitäten und andere
Forschungsstätten.
Abgeordneter Martin Graf (F) gab ebenfalls seiner Freude über die
Zukunftsperspektive Ausdruck, die die Absicherung des IST bedeute und
sprach ebenfalls von einem Best-Practice-Modell für alle anderen
Forschungseinrichtungen.
Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) schloss sich den Einschätzungen ihrer
Vorredner an und plädierte ebenfalls dafür, den vorliegenden Vertrag
als ein Vorbild für alle zu sehen, die finanzielle Planungssicherheit
brauchen. Dabei machte die Rednerin aber auf Unterschiede zwischen
der Art der Finanzierung von Universitäten und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen aufmerksam.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle dankte für die Anerkennung
und hielt es für sinnvoll, einen erfolgversprechenden Weg
fortzusetzen. Die mit diesem Vertrag vereinbarten Mittel werden klug
und verantwortungsvoll eingesetzt, zeigte sich der
Wissenschaftsminister überzeugt und meinte zur Situation an den
Universitäten, auch dort sei es gelungen, die Situation wesentlich zu
verbessern. Das sich Landeshauptmann Josef Pröll für die Förderung
von Wissenschaft in seinem Bundesland einsetze, sei legitim und zu
begrüßen.
Übergangsregelung für die Leitung von Fachhochschulkollegien
Die Abgeordneten Katharina Cortolezis-Schlager (V) und Andrea Kuntzl
(S) beantragten eine Novelle des Fachhochschul-Studiengesetzes
(1994/A), um sicherzustellen, dass spätestens mit 1. September 2012
bei allen Erhaltern von Fachhochschulen Kollegien eingerichtet
werden. Eine Ergänzung bringt eine Übergangsregelung für bereits
bestehende Leitungen und Stellvertretungen der Leitungen von
Fachhochschulkollegien, deren Funktionsperioden bis dahin nicht
abgelaufen sind. Die auf Grundlage des Fachhochschulgesetzes 2008
gewählten Leitungen und Stellvertretungen sollen in ihren Funktionen
verbleiben, sofern sie von den anderen Mitglieder des Kollegiums
bestätigt werden. Andernfalls üben sie diese Funktion bis zur Wahl
einer neuen Leitung und Stellvertretung aus. - Der Antrag stieß auf
einhellige Zustimmung.
Anträgen der Grünen und des BZÖ an Unterausschuss zugewiesen
Im weiteren Verlauf der Ausschusssitzung nahmen die Abgeordneten eine
Reihe von Entschließungsanträgen der Grünen und des BZÖ zu
Universitätsthemen in Verhandlung und wiesen diese Vorlagen jeweils
mit S-V-Mehrheit dem Unterausschuss des Wissenschaftsausschusses zur
weiteren Beratung zu. Die Antragsteller, Abgeordneter Kurt Grünewald
(G) und Rainer Widmann (B) protestierten gegen diese Vorgangsweise
der Koalitionsparteien.
Grüne fordern eine ausreichende Finanzierung des FWF
G-Abgeordneter Kurt Grünewald beantragte (1889/A(E)), die FTI-
Strategie 2011 umzusetzen und eine konkurrenzfähige Finanzierung des
Forschungsfonds FWF sicherzustellen. Grünewald sprach sich dafür aus,
Investitionen in die Grundlagenforschung bis 2020 auf das Niveau
führender Forschungsnationen zu steigern, den Anteil der im
Wettbewerb vergebenen Mittel anzuheben, die Universitätsfinanzierung
zu reformieren, die Forschungsfinanzierung stärker kompetitiv und
projektbezogen zu gestalten und die Drittmittelforschung der
Hochschulforschung über FWF-Projekte auszubauen. Dabei soll es eine
pauschalierte Abdeckung der Overheads in der Höhe von 20 % geben. Mit
einer Exzellenzinitiative will Grünewald bis zu zehn Exzellenzcluster
bis 2020 implementieren, die von der Regierung versprochen wurden.
... und eine Anhebung der Altersgrenze für StipendienwerberInnen
In einem weiteren Antrag (1890/A(E)) forderte Abgeordneter Kurt
Grünewald, auf den sich vollziehenden demographischen Wandel mit der
Unterstützung des lebensbegleitenden Lernens zu reagieren. Dazu müsse
die Altersgrenze für Stipendien auf mindestens 40 Jahre angehoben
werden. Auch die Alterskriterien für den Weiterbezug des Stipendiums
nach dem Bachelor bzw. zum Beginn des Masters sollten nach Meinung
der Grünen bei einer durchgängigen Bildungslaufbahn Bachelor-Master
gelockert werden.
Grüne für leistbare Studierendenwohnheime
G-Abgeordneter Kurt Grünewald (G) forderte in einem
Entschließungsantrag (1989/A(E)) die Rücknahme der Streichung der
Sanierungsförderung für Studierendenheime. Der Ausbau der
Wohnheimplätze soll an allen Hochschulorten forciert werden, um
sicherzustellen, dass der Anteil von Studierenden, die Heimplätze
erhalten, den europäischen Durchschnitt von 20 % erreicht. Grünewald
forderte außerdem eine einheitliche Obergrenze für das
Benützungsentgelt.
BZÖ für Einführung von Studiengebühren
Für das BZÖ beantragte Abgeordneter Rainer Widmann eine Novelle des
Universitätsgesetzes 2002 zur Einführung von Studiengebühren in der
Höhe von 500 € pro Semester und Studierendem (1919/A(E)). Eine
Refundierung des Gesamtbetrages samt Zinsen sollen jene Studierenden
bekommen, die ihr Studium in Mindeststudienzeit plus zwei
Toleranzsemester absolvieren.
Sieben-Punkte-Programm des BZÖ für Österreichs Universitäten
Ein Entschließungsantrag (1999/A(E)) des BZÖ-Abgeordneten Rainer
Widmann enthielt folgende sieben Punkte für den Universitätsstandort
Österreich: Alle Bildungsagenden in einem Schul-, Wissenschafts- und
Forschungsressort; Studienplatzfinanzierung an Universitäten,
Finanzierungsbeteiligung von Bund und Studierenden zur Sicherung der
"Uni-Milliarde"; Studienkreditsystem für Studierende;
qualitätssichernde Aufnahmeverfahren und anrechenbare
Studieneingangsphasen; mehr Autonomie und Selbstverantwortung der
Universitäten.
Grüne für die Erhaltung des Studiums "Internationale Entwicklung"
G-Abgeordneter Kurt Grünewald zeigte sich besorgt wegen der
zunehmenden Verdrängung gesellschaftskritischer Inhalte an den
Universitäten und forderten in einem Entschließungsantrag (1943/A(E))
den Wissenschaftsminister auf, im Rahmen der Leistungsvereinbarung
von der Universität Wien zu verlangen, das Studium "Internationale
Entwicklung" weiterhin im vollen Umfang anzubieten.
Grüne gegen unausgewogene Geschlechterverhältnisse an Universitäten
Schließlich räumte Abgeordneter Kurt Grünewald ein, dass beim Gender
Mainstreaming an den Universitäten durchaus etwas weitergegangen sei,
hielt die Kritik seiner Fraktion an unausgewogenen
Geschlechterverhältnissen an den österreichischen Universitäten aber
dennoch aufrecht und forderte in einem Entschließungsantrag
(1980/A(E)), die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten für
2013 bis 2015 im Sinn des Gender Mainstreamings zu überprüfen und die
Situation der Frauen zu verbessern. (Schluss)
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