• 28.06.2012, 15:51:12
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Neue Reifeprüfung trotz "Toleranzjahr" fix Unterrichtsausschuss: Mehrheit für Verschiebung der Zentralmatura

Wien (PK) - Die Zentralmatura an AHS und BHS wird ein Jahr später als
von der Regierung geplant in den Schuljahren 2014/15 beziehungsweise
2015/16 allgemein eingeführt. Ein S-V-Initiativantrag zur
entsprechenden Novelle des Schulunterrichtsgesetzes wurde im heutigen
Unterrichtsausschuss mit den Stimmen aller Fraktionen außer jener der
Grünen beschlossen. Einstimmig nahmen die Ausschussmitglieder
Regierungsvorlagen zu einer neuen Form der Externistenprüfung und zur
Verlängerung von Sprachförderkursen an Österreichs Schulen an.

Der Ausschuss diskutierte anschließend mehrere Anträge der
Opposition. Die Freiheitlichen forderten, in Deutschlandsberg das
Bundeschulzentrum zu sanieren sowie die Bundeslehranstalt für
Maschinenbau und Elektrotechnik zu erhalten. Die Grünen drängten auf
einen Kriterienkatalog für die Bestellung von SchulleiterInnen.
Anträge zur Abschaffung der Schulsprengel, Reform der Schulverwaltung
und zum sonderpädagogischen Förderbedarf brachte das BZÖ ein, wobei
letzterer Antrag dem Unterausschuss des Unterrichtsausschusses
zugewiesen wurde. Alle anderen Oppositionsanträge wurden vertagt.

Schmied: Zentralmatura für mehr Qualität und Fairness an Österreichs
Schulen

Bundesministerin Claudia Schmied beschrieb die Einführung der
kompetenzorientierten Diplom- und Reifeprüfung als einen
"Paradigmenwechsel" im österreichischen Bildungssystem. Der
Unterricht werde sich zukünftig an einheitlichen Bildungsstandards
orientieren und externe Prüfungsformate stellten Transparenz,
Objektivität und eine internationale Ausrichtung der Matura sicher.
In den letzten drei Jahren habe es eine steigende Beteiligung an
Schulversuchen mit der neuen Reifeprüfung gegeben. Insgesamt seien
bereits 310 Klausurstandorte verzeichnet worden und regelmäßige
Informationsveranstaltungen an AHS und BHS in allen Bundesländern
begleiteten das Projekt, beantwortete Schmied die Frage nach
Implementierungsmaßnahmen für die Zentralmatura von der Abgeordneten
Andrea Gerstl-Raftl (S). In den Regionen böten Schulen, die bei
Versuchen bereits Erfahrung mit der neuen Reifeprüfung gemacht haben,
anderen Schulen Hilfestellungen an, informierte die
Unterrichtsministerin. Sie betrachte auch den direkten
Informationsfluss zu SchulleiterInnen und zu den Landesschulräten als
essentiell für das Gelingen der Maturareform.

Die Kritik des G-Bildungssprechers Harald Walser, die Verschiebung
der neuen Matura um ein Jahr würde auf Kosten von SchülerInnen und
LehrerInnen, die sich bereits auf das neue Format vorbereitet haben,
gehen und zeuge von einem "Chaosmanagement", wies die
Bundesministerin entschieden zurück. Sie hob die Bedeutung der
Schulpartnerschaft hervor und betonte, es müsste die Sorge von
SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern am 2009 beschlossenen Zeitplan
respektiert werden. An Abgeordneten Dieter Brosz (G) gerichtet, der
blockierende Kräfte im Lehrpersonal für die Verzögerung der
Zentralmatura verantwortlich machte, meinte Schmied, die fachlichen
und inhaltlichen Rahmenbedingungen für die neue Reifeprüfung seien
bereits gesichert. Da diese bildungspolitisch entscheidende Maßnahme
für die nächsten 50 Jahre gelten solle, komme es auf ein
"Toleranzjahr" mehr nicht an, so die Ministerin. Petitionen und
Landtagsbeschlüsse hätten die Befürchtungen der Betroffenen
verdeutlicht.

Die Abgeordneten Elmar Mayer und Josef Auer (beide S) bekräftigten,
Schmied habe die richtige Entscheidung getroffen, den Schulen ein
Jahr mehr zur Vorbereitung auf die standardisierte Reifeprüfung zu
geben und den Bedenken der Schulpartner Rechnung zu tragen. In einem
Initiativantrag (1975/A) zur Zentralmatura sprachen sich Abgeordnete
Elmar Mayer (S) und Werner Amon (V) für ein Optionenmodell aus. Damit
sollte zwar die standardisierte Form der Reifeprüfung an AHS bzw. der
Reife- und Diplomprüfung an BHS wie von der Regierung vorgesehen in
den Schuljahren 2013/14 bzw. 2014/15 ermöglicht werden, wenn das der
jeweilige Schulgemeinschaftsausschuss beschließt. Norm soll die
Zentralmatura jedoch erst ein Jahr später werden, an AHS also mit
2014/15 und an BHS mit 2015/16. Abgeordneter Werner Amon (V)
erklärte, der Entschluss, die neue Reifeprüfung zu verschieben, sei
nach monatelanger Diskussion gefallen, außer dem Termin habe sich
jedoch nichts an der Umsetzung der Zentralmatura geändert.

Abgeordnete Ursula Haubner (B) bemerkte, der vorliegende Bericht
(III-328 d.B.) des Unterrichtsministeriums zur Zentralmatura zeige
den erfolgreichen Verlauf der neuen Reifeprüfung für lebende
Fremdsprachen, daher sei die Terminverschiebung doch schwer
nachzuvollziehen. Laut Bericht waren mehr als 90% der befragten
Lehrkräfte mit den verfügbaren Informationen zur Zentralmatura
zufrieden, der Großteil bewertete auch die Form der bereitgestellten
standardisierten Prüfungsaufgaben und Lösungen positiv. Bei
Höraufgaben etwa beurteilten 89% der Befragten die angesprochenen
Themen als eher oder völlig angemessen für die jeweiligen Klassen,
das Hörverstehen ihrer SchülerInnen werteten 61% der LehrerInnen als
vergleichbar mit den Schularbeitsleistungen der achten Klasse und 27%
erkannten eine Verbesserung der Resultate. Bis zur allgemeinen
Einführung könnten Schulstandorte sich auch dafür entscheiden, die
standardisierten Maturaprüfungen nur in ausgewählten Fächern
abzuhalten, zusätzliche Kosten würden durch die Terminänderung keine
anfallen, beantwortete die Unterrichtsministerin eine diesbezügliche
Frage der Abgeordneten Haubner. Der Bericht wurde einstimmig zur
Kenntnis genommen.

Empirische Grundlage zur neuen Reifeprüfung

Von den Abgeordneten Katharina Cortolezis-Schlager (V) und Walter
Rosenkranz (F) auf die wissenschaftliche Begleitung der
standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung angesprochen,
hielt Schmid fest, sie sehe die intensive Kooperation mit den
Universitäten sehr positiv. Christian Dorninger, am Bundesinstitut
für Bildungsforschung (BIFIE) für österreichweit einheitlichen
Klausuren zuständig, umriss die Zusammenarbeit mit den Universitäten
in Innsbruck, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Linz und Wien sowie mit
internationalen Fachleuten in den Bereichen Testpsychologie,
Fachdidaktik und Aufgabenevaluierung. Prüfungsbeispiele werden
Dorninger zufolge nach empirischen Methoden überarbeitet. Gemeinsam
mit den pädagogischen Hochschulen adaptiere man zudem die Fortbildung
von LehrerInnen an die neue Unterrichts- und Maturaform.

Die Teilnahme von 85% der Schulstandorte an den Schulversuchen zur
Zentralmatura in den letzten drei Jahren wertete Dorninger als Beleg
für die hohe Akzeptanz des standardisierten Prüfungsmodells. Das
Vollprogramm der neuen Fremdsprachenmatura, bestehend aus Teilen zum
Hör- und Leseverständnis, zur Idiomatik und zur Schreibkompetenz,
werde für AHS und BHS 2013 fertig vorliegen, führte Dorninger aus.
Auch die standardisierten Prüfungen für Deutsch, Altgriechisch und
Latein seien gut im Zeitplan. Im Prüfungsfach Mathematik biete man
den SchülerInnen in den nächsten zwei Jahren Kompetenzchecks und
Probeprüfungen an, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich an das
neue Format heranzuarbeiten. Bei der Aufgabeneerstellung für
Feldtestungen arbeite das BIFIE mit 80 erfahrenen Lehrenden zusammen,
im Institut selbst seien 32 MitarbeiterInnen mit der Koordination von
Fächern und der Projektassistenz betraut, skizzierte Dorninger. Die
Website des BIFIE biete außerdem Mathematikbeispiele für den
kompetenzorientierten Unterricht zur Zentralmatura an.(Fortsetzung
Unterrichtsausschuss)

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