• 12.06.2012, 20:05:36
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Eine Erfolgsgeschichte der wissenschaftlichen Politikberatung Würdigung von IHS-Chef Bernhard Felderer im Hohen Haus

Wien (PK) - Anlässlich des Ausscheidens von Bernhard Felderer aus dem
Amt des Direktors des Instituts für höhere Studien (IHS) hatte
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute Nachmittag zu einer
Abschiedsfeier in den Budgetsaal des Hohen Hauses geladen. Den
langjährigen Direktor dieses bedeutenden österreichischen
Wirtschaftsforschungsinstituts würdigten Zweiter
Nationalratspräsident Fritz Neugebauer sowie der Präsident des
Kuratoriums des IHS Heinrich Neisser, OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny,
Finanzministerin Maria Fekter, Wissenschaftsminister Karlheinz
Töchterle und Klaus Ritzberger (Senior Professor am IHS). Felderer
bleibt auch weiterhin Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses.

Zweiter Nationalratspräsident Fritz Neugebauer begrüßte in Vertretung
von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer die zahlreich
erschienenen Gäste. Der Budgetsaal des Parlaments als Ort dieser
Veranstaltung sei symbolisch, denn Bernhard Felderer habe sein
Institut in mehr als zwanzig Jahren zu einer Schlüsselinstitution der
Politikberatung geführt. Er habe sich dabei nie gescheut, seine
Überzeugungen engagiert und pointiert zu vertreten, unterstrich
Neugebauer.

Heinrich Neisser dankte Felderer im Namen des Kuratoriums des IHS für
seine Tätigkeit. Es sei eines seiner besonderen Verdienste, das IHS
zu einem wichtigen Ort postgradualer Forschung gemacht zu haben, der
sich durch die Verbindung von angewandter und von Grundlagenforschung
auszeichne.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny unterstrich die Leistung Felderers, dem
Institut in finanzieller wie organisatorischer Hinsicht Stabilität
gegeben zu haben. Er habe dabei stets die Freiheit der
wissenschaftlichen Forschung im Auge gehabt und die Vielfalt in den
wirtschaftspolitischen Zugängen gefördert, unterstrich Nowotny.

Bundesministerin Maria Fekter hob die Rolle Felderers als exzellentem
Politikberater und fundiertem Kritiker von wirtschaftspolitischen
Entscheidungen hervor. Felderer habe sich nie gescheut, gegen den
Mainstream zu gehen. Sie habe von ihm gelernt, dass wirtschaftliches
Wachstum nur auf stabilen Finanzen aufgebaut werden könne. Es freue
sie besonders, dass es in den letzten Jahren immer die
optimistischeren Prognosen des IHS waren, welche durch die
tatsächliche Entwicklung der österreichischen Wirtschaft am besten
bestätigt wurden, sagte Fekter.

Bundesminister Karlheinz Töchterle wies auf die besondere Verbindung
von Forschung und Lehre am IHS hin. Besonders der interdisziplinäre
Zugang, der dort gepflegt werde, sei ein besonderes Qualitätsmerkmal
von Bernhard Felderers Tätigkeit und der Entwicklung, die in seiner
Amtszeit an dieser Institution stattgefunden habe.

Klaus Ritzberger meinte, die vielen Jahre, die er selbst mit dem IHS
verbunden sei, erlaubten es ihm, die Jahre, in denen Bernhard
Felderer das IHS geleitet habe, besonders zu würdigen. Seine Leitung
habe sich durch politische, intellektuelle und akademische
Unabhängigkeit ausgezeichnet. Felderer habe als einer der ersten
moderne makroökonomische Theorien aus den USA nach Europa gebracht.
Für den Erfolg des Instituts, der sich besonders im Bereich der
Drittmittel zeige, sei die für ihn charakteristische Verbindung von
Organisationstalent und hoher Wissenschaftlichkeit ausschlaggebend
gewesen.

Bernhard Felderer dankte in seiner Rede den VertreterInnen aus
Politik und Wirtschaft, mit denen er im Laufe von mehr als zwanzig
Jahren viele interessante Gespräche habe führen dürfen. Er sei stolz
darauf, dass das IHS mit wissenschaftlich anspruchsvollen Modellen
der Politikberatung nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland
immer mehr Anerkennung finde. Der Schlüssel zum Erfolg sei, dass
angewandte und theoretische Forschung im ständigen Austausch stehen.
Es würden stets international höchst qualifizierte
WissenschaftlerInnen eingeladen, um die Forschungsprojekte zu
beurteilen, hielt Felderer fest. Er verknüpfte damit einen Appell an
die Gesetzgebung, bürokratische Hürden bei der Zuwanderung von
hochqualifizierten ForscherInnen nach Österreich zu beseitigen.

Curriculum Vitae von Prof. Dr. Bernhard Felderer

Bernhard Felderer wurde am 21.03.1941 in Klagenfurt geboren. Er ist
verheiratet und hat zwei Kinder. Von 1964-1966 studierte er
Wirtschaftswissenschaften an der "Faculté de Droit et Sciences
Economiques" der Universität Paris. Von 1966-1967 war er in den USA
Research Assistant bei Professor Dr. Fritz Machlup, Princeton
University, und 1967-1968 Visiting Professor an der University of
North Carolina. 1968-1974 arbeitete er als Assistent am Institut für
Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung der Universität Karlsruhe
mit Lehraufträgen für Mikro- und Makroökonomische Theorie,
Wirtschaftspolitik und Ökonometrie. 1973 habilitierte er sich im Fach
Volkswirtschaftslehre an der Universität Karlsruhe mit einer
empirischen Arbeit über die Wettbewerbsintensität auf Arbeits- und
Kapitalmärkten in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland.

1974-1991 arbeitete Felderer als Professor für Volkswirtschaftslehre
an der Universität zu Köln. Seine Lehrtätigkeit erstreckte sich vor
allem auf die Gebiete Makroökonomische Theorie, Wirtschaftspolitik,
Wachstumstheorie, Bevölkerungsökonomie und Verteilungstheorie.

Er absolvierte zudem Studienaufenthalte in den USA und in der UdSSR
und arbeitet als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ruhr-
Universität Bochum und an der Universität zu Köln.

Von Februar 1991 bis Juni 2012 war Bernhard Felderer Direktor des
Instituts für Höhere Studien in Wien. In dieser Zeit entfaltete er
eine intensive Vortragstätigkeit zu wirtschaftlichen und
wirtschaftswissenschaftlichen Themen. Von 2002 bis 2012 war er
Mitglied des Generalrates der OeNB und zudem als Gutachter
verschiedener Stiftungen und Ministerien tätig. Seit 1990 ist er
Mitherausgeber der Reihe "Studies in Contemporary Economics". Seit
2006 ist er zudem Präsident des österreichischen
Staatsschuldenausschusses.

Seit 1990 führte Bernhard Felderer umfangreiche Beratungstätigkeiten
der österreichischen Bundesregierung, österreichischer Verbände und
Firmen zu Themen wie Konjunkturpolitik, Sozialpolitik, Forschungs-
und Wissenschaftspolitik, Europäische Union, Ostintegration und
Budgetpolitik durch. Felderer beriet auch osteuropäische Regierungen
und Politiker, beispielsweise die ukrainischen Regierung und die
ukrainischen Zentralbank zu Fragen der Privatisierungen, der
Errichtung einer ukrainischen Währung und der Desintegration der
ehemaligen UdSSR. (Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
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