• 30.05.2012, 08:45:45
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Tourismus 2011 - eine Branche trotzt der Krise Wettbewerb um internationale Gäste wird härter

Wien (PK) - In Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen war 2011 ein gutes Jahr für den österreichischen
Tourismus, schreibt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im
Vorwort zum aktuellen Bericht über die Lage der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft in Österreich, der dem Nationalrat seit kurzem
vorliegt. 126 Millionen Nächtigungen verzeichneten die
Beherbergungsbetriebe, fast um 1 Prozent mehr als im Jahr davor. Bei
den Ankünften bedeuteten 34,6 Millionen Gäste in Österreich einen
neuen Rekord, wobei die Umsätze auf hohem Niveau gehalten werden
konnten, erfahren die LeserInnen des Berichts. Dokumentiert werden
Stärken, aber auch problematische Entwicklungen des Tourismus-
Standorts Österreich, der wachsende internationale Wettbewerbsdruck,
die hohe Verschuldung der vielen kleinen Betriebe und deren relativ
großes Insolvenzrisiko im Falle eines Ansteigens der derzeit
historisch niedrigen Zinsen. Minister Mitterlehner setzt auf die
Innovationskraft der Unternehmen, auf den Einsatz der Beschäftigten
und auf die Umsetzung der neuen Tourismusstrategie von Bund und
Ländern, die beim Tourismusmarketing intensiv zusammenarbeiten, mit
der neuen Förderpyramide eine klare Aufgabenverteilung bei den
Subventionen gefunden haben und die Innovationsbereitschaft in der
Branche gezielt stärken.

Entwicklungstendenzen des Tourismus in Europa und Österreich

Die relativ guten Tourismusdaten des Jahres 2011 können mit der
zeitverzögerten Reaktion des Tourismus auf die dramatische
Verschlechterung der Konjunktur in der Eurozone erklärt werden. So
verdoppelte sich in Europa im Durchschnitt des Jahres 2011 das
Wachstum des Tourismussektors, die internationalen Touristenankünfte
nahmen gegenüber dem Vorjahr um 6% zu. Der europäische Tourismus
entwickelte sich damit deutlich stärker als der globale (+4,4%). 2012
muss Europa rezessionsbedingt aber mit einem langsameren Wachstums
rechnen. Bezogen auf die Einnahmen im internationalen Reiseverkehr
gingen die Auslandseinnahmen Österreichs 2011 real um 1 % zurück,
während in der EU ein Anstieg von real 5 % verzeichnet werden konnte.
Auch die Nächtigungsentwicklung lässt das Stagnationsbild nur um
Nuancen günstiger erscheinen: So lag 2011 das Nächtigungsvolumen zwar
um 1,3 % über dem Rezessionsniveau, konnte jedoch in keiner Weise mit
der dynamischen touristischen Entwicklung in Europa oder mit der
gesamtwirtschaftlichen Dynamik mithalten. So sind die Nächtigungen in
der EU 2011 um 4 % gestiegen, wogegen Österreich mit einer
Steigerungsrate von 1 % zu den Ländern mit der schwächsten
Entwicklung gehörte. 2011 war durch einen weiteren deutlichen
Rückgang der Aufenthaltsdauer gekennzeichnet. Mit Ausnahme der
Entwicklung im Burgenland und in Oberösterreich zeigten sich in jedem
Bundesland rückläufige Tendenzen.

2011 nahm die Nächtigungsnachfrage inländischer Gäste mit +0,8 % zu,
jene ausländischer Gäste stieg um +0,9 % geringfügig stärker. Von den
für Österreich wichtigen Herkunftsmärkten nahmen die
Übernachtungszahlen der Russen und Polen (+6,7 %), der Ungarn (+6 %),
der Tschechen (+5,3 %), der Belgier (+4,3%), der Rumänen (+3,7 %) und
der Franzosen (+2,7 %) überdurchschnittlich zu. Nächtigungsrückgänge
ergaben sich für Großbritannien (-4,6 %), Dänemark (-3,4 %), USA (-
3,2 %), Niederlande (-1,9 %), Deutschland (-1,6 %) und Schweden (-1,1
%). Die Nächtigungen der Italiener stagnierten.

Die regionale Entwicklung des Tourismus in Österreich zeigte große
Entwicklungsunterschiede zwischen tourismusintensiven und
tourismusextensiven Bundesländern. Tourismusextensive Bundesländer
(mit Ausnahme des Burgenlands) zeigten relativ kräftige Zuwachsraten,
tourismusintensive Länder (mit Ausnahme Kärntens) stagnative oder
rückläufige Tendenzen. Wachstumsdifferenzen zeigten Landeshauptstädte
und ländliche Gebiete. Der Wachstumsvorsprung der Städte verkleinerte
sich gegenüber 2010, betrug 2011 aber noch immer 4 bis 5
Prozentpunkte (2010: 9 Prozentpunkte). Kräftige Zuwachsraten
verzeichneten Wien, Graz, Salzburg, Linz und Klagenfurt.

Ähnlich wie 2010 nahmen die Nächtigungen in der Sommersaison 2011
mäßig zu und entwickelten sich günstiger als in der Wintersaison
2010/2011, die leicht rückläufige Ergebnisse brachte. Rückgänge in
der Wintersaison sind mit der gesunkenen Nachfrage ausländischer
TouristInnen zu erklären. Die Umsätze blieben in der Wintersaison
deutlich hinter der nominellen Umsatzsteigerungsrate der Sommersaison
zurück.

Seinen Anteil an den Tourismusexporten der EU 15 konnte Österreich
2011 nicht halten. Nach einem leichten Ausbau 2009 mussten 2010
geringe Einbußen in Kauf genommen werden, die sich 2011 fortsetzten.
Gegenwärtig liegt der österreichische Marktanteil bei 5,98 %. Das
relativ gute Ergebnis 2009 resultierte unter anderem aus Österreichs
"Nahmarktstärke". In der Krise suchen die TouristInnen nahe gelegene,
mit dem Auto leicht erreichbare Urlaubsziele auf. Die
Marktanteilsverluste seit der Rezession 2009 sind teilweise darauf
zurückzuführen, dass in der Konjunkturerholung der Geschäftstourismus
kräftig ansteigt, wovon Österreich weniger profitieren kann als
typischere Business-Destinationen. Zudem werden im Aufschwung neue
Ziele aufgesucht, was traditionelle Destinationen benachteiligt.
Daher raten Tourismusexperten zur Fortsetzung der doppelten
Orientierung im Österreich-Marketing: Traditionelle Angebote UND
"zeitgeistorientierte" Inhalte für relevante Zielgruppen, wobei
Probleme eher in der Produkt- und Angebotsentwicklung geortet werden.
Eine langfristige Analyse des Tourismus seit 2000 zeigt eine starke
Wintersportorientierung des österreichischen Tourismus.

Touristischer Arbeitsmarkt

Im Jahresdurchschnitt 2011 waren 184.550 unselbstständig Beschäftigte
im Tourismus tätig, um 2 % mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil an den
aktiv unselbstständig Beschäftigten (gesamt: 3.323.325; +1,8 %) macht
5,6% aus. 59 % der Beschäftigten sind Frauen. Mit einem Anteil von
37,9 % (gesamt: 14,3%) war der Anteil der im Tourismus beschäftigten
AusländerInnen 2011 relativ hoch. Hoch ist auch der Anteil junger
Menschen an den Beschäftigten im Beherbergungs- und Gaststättenwesen:
23,7 % (gesamt: 14,4 %) der unselbstständig Beschäftigten sind unter
25 Jahre alt. 2011 waren in der Tourismusbranche im Durchschnitt
33.000 (2010: 32.760) Arbeitslose vorgemerkt, 35,1 % von ihnen hatten
eine Einstellzusage für eine Arbeitsaufnahme. Die Arbeitslosenquote
lag 2011 im Tourismus mit 15,2 % weit über der gesamten Quote von 6,7
%. 13,4% aller Arbeitslosen stammten im Jahr 2011 durchschnittlich
aus der Tourismusbranche. Durchschnittlich belief sich die Dauer der
Arbeitslosigkeit im Tourismus auf 77 Tage; 73 % der Arbeitslosen
waren weniger als drei Monate vorgemerkt. Seit 1. Mai 2011 gelten
Saisonkontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten sowie aus
Rumänien und Bulgarien. Daher wurde das Sommertourismuskontingent von
4.117 (2010) auf 1.500 (2011) und das Wintertourismuskontingent von
6.320 (2010/11) auf 2.225 (2011/12) reduziert, wobei eine Präferenz
für rumänische und bulgarische Arbeitskräfte und Asylwerber gilt. Der
Tourismus gehört zu jenen Branchen, die den Liberalisierungseffekt
genutzt und Stellen vermehrt mit Arbeitskräften aus den neuen EU-
Mitgliedstaaten besetzt haben.

Im Jahresdurchschnitt 2011 standen in den Tourismusberufen 472
Lehrstellensuchenden (-7,5 % gegenüber dem Vorjahr) 1.720 offene
Lehrstellen (+5,7 %) gegenüber. 732 Lehrstellen wurden gefördert, 80
% davon entfielen auf die Förderung benachteiligter Jugendlicher.

Die wirtschaftliche Lage der Hotels und Gastronomiebetriebe

Die Hotels sind größer geworden und durchwegs besser ausgelastet. Die
Preise konnten im Durchschnitt stärker angehoben werden als die
Inflationsrate, was auch mit dem qualitativ verbesserten Angebot
zusammenhängt. Gegenüber Umsatz und Fremdkapital gingen die Erträge
jedoch zurück. Immer größere Investitionen wirken sich negativ auf
die Kapitalverzinsung im Tourismus aus. Die Hotels konnten die
wirtschaftlich turbulenten Jahre dennoch gut meistern und haben
durchschnittlich gute Auslastungen erzielt, die sich in den oberen
Qualitätsklassen seit mehreren Jahren auf hohem Niveau bewegt. Der
Umsatzzuwachs rührt aus Preisanpassungen, die jedoch nicht
ausreichen, die Aufwandssteigerungen aufzuwiegen, vor allem auch,
weil die Kosten für Energie oder Werbung weit über der Inflationsrate
gestiegen sind. Das wirkt sich auf die Umsatzrentabilität aus, die
bei allen Unternehmen in den letzten Jahren abgenommen hat (in der
5/4-Sterne-Kategorie von 25,7 % im Jahre 2000 auf 22,7 % im Jahr 2010
und von 24 % auf 23 % bei den 3-Sterne-Betrieben). Dieser
Ertragsrückgang wird die wirtschaftliche Stabilität einiger
Unternehmen auf eine harte Probe stellen, liest man im
Tourismusbericht.

Nach wie vor hoch ist die Verschuldung der Betriebe, nur Unternehmen
der oberen Qualitätsklassen können im Durchschnitt als wirtschaftlich
stabil bezeichnet werden, weil nur sie die notwendige
Eigenkapitalausstattung und eine maximale Entschuldungsdauer von 15
Jahren erreichen. Dies gilt nicht für die Unternehmen der 3-Sterne-
Kategorie. Das schlechteste Quartal der 3-Sterne-Hotels weist eine
Eigenkapitalausstattung von -44 % und eine Entschuldungsdauer von 25
Jahren oder mehr aus. Diese Betriebe sind bei einer Verschlechterung
der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gefährdet. Sobald die seit
2009 sinkenden Zinsen wieder ansteigen, sind bei hoch verschuldeten
Unternehmen Zahlungsengpässe zu befürchten. Besonders groß ist der
Druck für Betriebe mit suboptimalen Betriebsgrößen der unteren
Qualitätsklassen. Qualitätsbetriebe haben gute Chancen, sich nach den
gegenwärtigen wirtschaftlichen Turbulenzen weiter zu entwickeln; sie
sind laut Tourismusbericht 2011 die Hoffnungsträger für die weitere
Entwicklung im Fremdenverkehr.

Bei Restaurants, Gasthäusern, Imbiss-Stuben, Cafehäusern, Bars und
Eissalons weisen haben mehr als 37 % der Betriebe eine Größe von
weniger als 0,3 Mio. € Jahresumsatz auf. 82 % der Betriebe erzielten
2011 einen Umsatz von weniger als 1 Mio. €. Eigenkapitalausstattung
und Schuldentilgungsdauer bewegten sich in der Gastronomie auf dem
Niveau der Vorjahre. Die Schulden können innerhalb von 15 Jahren
zurückgeführt werden. Auch bei den Gastronomen korrelieren Erfolg und
Stabilität mit der Betriebsgröße. Das erklärt den
Förderungsschwerpunkt "Betriebsgrößenoptimierung" in der TOP-
Tourismus- Förderung und bei der Übernahme von Haftungen für
Tourismus- und Freizeitbetriebe.

Die Anfang 2012 veröffentlichten Insolvenzzahlen in der Hotellerie
und Gastronomie zeigen einen leichten Anstieg im Jahr der Finanzkrise
und einen leichten Rückgang im vergangenen Jahr. Dies gilt für das
Gastgewerbe und für die gesamte Wirtschaft. Der Tourismus war im
konjunkturellen Abschwung weniger betroffen, wodurch der Rückgang der
Insolvenzen 2011 weniger deutlich ausgefallen ist. Die
Insolvenzzahlen des Gastgewerbes, die sowohl Gastronomie als auch
Hotellerie umfassen, sind wesentlich von der Gastronomie geprägt.
Unternehmen des Gastgewerbes müssen, falls sie zahlungsunfähig
werden, im Durchschnitt nur einen Schuldenstand von 0,4 Mio. €
bereinigen. Das ist etwa die Hälfte des durchschnittlichen
Schuldenstandes in der Gesamtwirtschaft. Der volkswirtschaftliche
Schaden einer Insolvenz im Gastgewerbe fällt also deutlich geringer
aus.

Investitionen in der Tourismusbranche

2011 ist es mittels Förderungen gelungen, das Investitionsvolumen zu
steigern. Dies ist auch auf Nachzieheffekte der
Konjunkturbelebungsmaßnahmen 2009 und 2010 zurückzuführen. Die
geförderten Gesamtinvestitionen erreichten mit 880 Mio. € einen
Rekord. 65 % der unterstützten Unternehmen sind
Beherbergungsbetriebe, etwa 27 % zählen zur Gastronomie. Bei den
restlichen Förderungsfällen handelt es sich um Freizeitbetriebe,
Reisebüros oder infrastrukturelle Einrichtungen wie Beschneiungs-
oder Golfanlagen. In der Hotellerie sind Betriebsgrößenoptimierung
und Qualitätsverbesserung weiterhin die beherrschenden Themen.
Investitionen der Hotellerie dienen der Qualitätsverbesserung im
Wettbewerb, der Wetterunabhängigkeit und Zusatzeinrichtungen. Das
Ziel der Saisonverlängerung spielt eine bedeutende Rolle (Wellness-
und Seminareinrichtungen in der Hotellerie) und wirkt sich positiv
auf Offenhaltungszeiten und Beschäftigungsdauer aus. 3-Sterne- und
5/4-Sterne-Hotels steigerten ihre Offenhaltungstagen seit 2000 von
280 auf 300 Tage. Nach wie vor bedeutsam sind Investitionen in
Beschneiungsanlagen, die bereits 70 % der Pisten Österreichs
weitgehend schneesicher machen.

Es ist im Tourismus gelungen, den Umbau des Angebotes durch
Investitionsförderungen des Bundes in Richtung höherwertiger Qualität
zu forcieren. Beträchtliche Fortschritte wurden beim Umbau der
Qualitäten des Bettenangebots und bei der Erhöhung der
durchschnittlichen Betriebsgröße von durchschnittlich 40 Betten pro
Betrieb im Jahr 2000 auf 43 Betten im Jahr 2010 erzielt. Trotz dieses
Fortschritts besteht im internationalen Vergleich bei den
Betriebsgrößen aber nach wie vor ein beträchtlicher Rückstand. Die
durchschnittliche Betriebsgröße beträgt in der EU-27 57 Betten und
die in Österreich tätigen Kettenbetriebe weisen im Durchschnitt 225
Betten, die Interconti-Gruppe sogar mehr als 300 Betten auf. Bei den
5/4-Sterne-Kategorie ist die Größe der Betriebe kontinuierlich auf
durchschnittlich 99 Betten gewachsen, während die 2/1-Sterne-
Kategorie seit Jahren bei 22 Betten stagniert. Das Erreichen
wirtschaftlicher Betriebsgrößen ist ein Anliegen der österreichischen
Förderungspolitik, das auch zukünftig mit Nachdruck verfolgt wird,
erfährt man im Tourismusbericht 2011.

Die Änderungen im Investitionsverhalten spiegeln sich auch in einem
Anstieg der Fremdkapitalaufnahme in der Verschuldungsstatistik der
OeNB wider. Die Zunahme des Fremdkapitals in der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft in den vergangenen Jahren ist auf die ständig hohe
Investitionsbereitschaft zurückzuführen, von der auch umliegende
Unternehmen profitieren. 2011 kam es allerdings - wie in der
Gesamtwirtschaft auch - trotz massiver Zinssenkung durch die EZB zu
einer Verlangsamung des Investitionswachstums. Die Unternehmen haben
große Projekte zurückgestellt und in eher kleinem Umfang dringend
notwendige Investitionen durchgeführt. Im Gegensatz zum
Konjunkturabschwung 2009, als Hotellerie und Gastronomie ihre
Investitionen kaum reduzierten, haben im vergangenen Jahr die
Unternehmen erstmals auch mit entsprechender Zurückhaltung bei
Investitionen reagiert. (Schluss)

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