- 24.05.2012, 19:06:36
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Unsicherheit und kein Ende, Kommentar zu den sich verschlechternden Stimmungsindikatoren für die deutsche Konjunktur, von Reinhard Kuls.
Frankfurt (ots) - Hatten die Stimmungsindikatoren für die deutsche
Konjunktur wie das Ifo-Geschäftsklima, die Markit-Einkaufsmanager und
auch die ZEW-Erwartungen in den vergangenen Monaten eher etwas
widersprüchliche Signale gesendet, zeichnen sie für die größte
Volkswirtschaft in der Eurozone nun wieder ein sehr einheitliches
Bild. Leider haben sich die Indizes dabei aber auf ihrer niedrigsten
Ebene getroffen.
Der Ifo-Index hatte sich seit Jahresbeginn auf überraschend hohem
Niveau festgesetzt, während die Stimmung der Einkaufsmanager in der
Industrie seit Jahresbeginn immer trüber wurde. Die vom Statistischen
Bundesamt für das erste Quartal bekannt gegebenen Zahlen zum
gesamtwirtschaftlichen Wachstum schienen zunächst dem Indikator aus
München recht zu geben. Nun hat dieser aber eine Korrektur nach unten
in einem Ausmaß vollzogen wie sonst nur in den Krisenzeiten direkt
nach der Lehman-Pleite.
Seit der vorhergehenden Befragung des Ifo-Instituts unter rund 7000
deutschen Unternehmen haben die praktisch konkursreifen Griechen eine
reformenscheuende Mehrheit ins Parlament gewählt, die aber keine
Regierung auf die Beine stellen konnte, so dass nun am 17. Juni neu
gewählt wird - mit der Aussicht, dass a) bis dahin die lähmende
Ungewissheit anhält und b) die Euro-Verweigerer noch mehr Zulauf
erhalten könnten. Wenn man sich dies vor Augen führt, kann der
Schreck darob, der sich im aktuellen Rückfall des Ifo-Indexes
ausdrückt, nicht überraschen. Er erklärt die negativeren Urteile der
Firmen zur aktuellen Konjunkturlage. Und wenn nun die ungleiche
Lastenverteilung - solides Haushalten wird bestraft, Schlendrian
belohnt - mittels unkonditionierter Vergemeinschaftung der
Staatsschulden in der Eurozone zementiert werden sollte, hat die
deutsche Wirtschaft, die an einer gesunden und nachhaltigen
Aufwärtsentwicklung in ihren europäischen Absatzmärkten interessiert
ist, allen Grund, weiter ängstlich zu sein. Zumal die für den
deutschen Export inzwischen ja noch wichtigeren Schwellenländer
ebenfalls Ermüdungserscheinungen zeigen.
Auch wenn für die deutsche Wirtschaft ein Euro-Austritt der Griechen
verkraftbar wäre, wie die Bundesbank und der deutsche Bankenverband
betonen, von einem Zuckerschlecken sprechen sie dennoch nicht. Und
das wird es auch dann nicht, sollte in Athen eine reformorientierte
Regierung an die Macht kommen. Die schmerzhaften
Sanierungsanstrengungen bleiben ja immer erst noch zu erbringen - in
Hellas wie in ganz Euroland.
(Börsen-Zeitung, 25.5.2012)
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