- 11.05.2012, 21:01:09
- /
- OTS0289 OTW0289
Griechischer Schrecken ohne Ende
Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: In der griechischen Tragödie ist
das letzte Kapitel leider noch längst nicht geschrieben. Inwieweit
diese Bombe auch die EU und den Euro in ihren Grundfesten erschüttern
kann, ist ebenfalls überhaupt noch nicht abzusehen.
Von Alois Vahrner
Griechenland taumelt von einer Katastrophe in die nächste. Und leider
steht jetzt schon fest, dass die einstige Weltmacht und Wiege der
antiken Kultur den tiefsten Punkt noch nicht erreicht hat.
Nach einer unglaublichen finanziellen Kraftanstrengung der EU-Partner
und des Internationalen Währungsfonds mit dreistelligen
Milliardenbeträgen schien der sonst unausweichliche Bankrott der
Hellenen abgewendet. Vorerst. Nach den jüngsten Parlamentswahlen
steuert Griechenland zwar nicht zielgerichtet (davon kann im maroden
Mittelmeerland derzeit ohnehin keine Rede sein), aber wohl
unaufhaltsam einem noch schlimmeren Desaster entgegen. Konservative
und Sozialisten, die das Land in jahrzehntelanger Misswirtschaft ins
Verderben geführt haben, wurden von den Wählern verständlicherweise
abgestraft. Gestärkt wurden in dieser Situation erwartungsgemäß
radikalere Gruppierungen am linken und rechten Rand. Dies macht eine
Regierungsbildung fast unmöglich und Neuwahlen mit danach nicht
kleineren Problemen nur logisch.
So wortgewaltig derzeit auch so manche Experten und Politiker mit
Verschwörungstheorien hausieren gehen: Es waren in diesem Fall nicht
die bösen Finanzmärkte, sondern die eigenen Politiker, die den
Griechen die jetzige Misere eingebrockt haben - mit völlig
ausgeuferten Schulden (die in unglaublicher Weise mit Tricks vor der
EU verschleiert wurden) sowie Ineffizienz.
Die Hauptverantwortung liegt in Griechenland selbst, aber auch die EU
hat viel zu lange weggeschaut und viel zu wenig energisch reagiert.
Von der Schuldfrage haben die Menschen in Griechenland freilich
herzlich wenig. Wenn die Zahl der Arbeitslosen und Armen explodiert
und die Hälfte der Jungen ohne jegliche Zukunftsaussicht ist, muss
man dem früheren Unterrichtsminister und jetzigen Kontrollbank-Chef
Rudolf Scholten beipflichten, wenn er meint: "Es ist ein großes
Glück, wenn jemand bei dieser Ausweglosigkeit nicht Terrorist wird."
Es gibt eine moralische Verpflichtung für Europa zu helfen, eine
Implosion und einen Rückfall der Kulturnation Griechenland zu einem
Entwicklungsland zu verhindern. Der Wille der Griechen zu
Einschnitten etwa in der Verwaltung, aber auch der Reichen zu einem
spürbaren Beitrag für ihr Land muss dabei aber immer vorausgesetzt
werden. Ein Bankrott hieße Chaos und Unruhen in Griechenland, für den
Euro und noch mehr für die EU wäre es auch ein absoluter Super-GAU.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






