• 03.05.2012, 08:38:34
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Preisverleihung des Presseclub Concordia im Parlament Publizistikpreise 2011 an ZiB-RedakteurInnen und Nina Horaczek

Wien(PK)-Demokratie existiere nicht ohne freie Medien. Die
Wechselwirkung zwischen Politik und Medien müsse dabei auf
Grundsätzen wie gegenseitigem Respekt und Debattenkultur beruhen. Das
betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei der Eröffnung der
gestrigen Preisverleihung des Presseclub Concordia im Parlament.

Anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit, der jedes
Jahr am 3. Mai begangen wird, erinnerte Prammer daran, dass auch
heute noch viele JournalistInnen ihr Engagement für die
Pressefreiheit mit ihrem Leben bezahlen. Seit Anfang des Jahres 2012
starben weltweit bereits 43 JournalistInnen bei ihrer Arbeit. In
Österreich würden zwar 78% der Bevölkerung Wert auf eine freie Presse
legen, so Prammer, doch sei es alarmierend, dass beinahe ein Fünftel
der ÖsterreicherInnen nichts gegen eine Art von Zensur bei der
Berichterstattung hätte. Daher stelle es eine wesentliche Aufgabe der
Politik dar, bereits Jugendlichen die Pressefreiheit als bedeutendes
Gut zu vermitteln und sie damit zu mündigen BürgerInnen zu machen,
wie das etwa bei den Medienwerkstätten der Demokratiewerkstatt im
Parlament praktiziert werde.

Für die Weiterentwicklung der Demokratie sah Prammer den Dialog mit
den Medien sowie deren kritische und differenzierte
Auseinandersetzung mit dem politischen Geschehen als entscheidend an,
der medialen Skandalisierung von Inhalten müsse jedoch widerstanden
werden, unterstrich sie.

Abschließend erwähnte Prammer die gute Kooperation mit dem Presseclub
Concordia, der die letzten zwei Jahre auf Grund der Sanierung seines
ursprünglichen Standorts in der Bankgasse Unterkunft im Parlament
gefunden hatte.

Peter Bochskanl, Präsident des Presseclub Concordia, dankte der
Nationalratspräsidentin für ihre Gastfreundschaft und würdigte die
PreisträgerInnen für deren Vorbildwirkung bezüglich Meinungs- und
Pressefreiheit.

Jedes Jahr zeichnet der Presseclub Concordia JournalistInnen und
SchriftstellerInnen für herausragende publizistische Leistungen in
den Bereichen Menschenrechte, Demokratie sowie Presse- und
Informationsfreiheit aus. Die Publizistikpreise 2011 erhielten
RedakteurInnen der Zeit im Bild in der Kategorie Pressefreiheit und
die Falter-Journalistin Nina Horaczek in der Kategorie
Menschenrechte. Mit einem Sonderpreis zollte die Jury des Presseclub
der ungarischen Philosophin Àgnes Heller Respekt für ihren Einsatz im
Namen der Menschen- und Freiheitsrechte. Für sein Lebenswerk wurde
der Journalist und langjährige APA-Chefredakteur Otto Schönherr
geehrt.

LaudatorInnen waren Verfassungsjurist Heinz Mayer, der Schauspieler
und Kabarettist Erwin Steinhauer, Sieglinde Rosenberger,
Universitätsprofessorin für Politikwissenschaft, und "Furche"-
Herausgeber Heinz Nußbaumer.

Heinz Mayer vermerkte bei seiner Laudatio für die ZiB-RedakteurInnen,
dass die objektive und unabhängige Berichterstattung in Österreich
verfassungsrechtlich verankert ist. JournalistInnen kämen bei der
Ausübung dieses Rechts allerdings immer wieder mit politischen
Parteien in Konflikt, merkte er an, wenn nämlich sachliche Kritik als
Bedrohung empfunden würde. Rassistische und rechtsextremistische
Tendenzen in Österreich sowie unmenschliche Verfahren in der
heimischen Asylpraxis könnten durch einen verantwortungsvollen
Journalismus überwunden werden, wie Nina Horaczek mit ihrer Arbeit
zeige, analysierte Erwin Steinhauer.

Als engagierte Intellektuelle bezeichnete Sieglinde Rosenberger die
Philosophin Àgnes Heller, da diese wissenschaftliche Exzellenz mit
engagiertem Auftreten für ein demokratisches Zusammenleben verbinde.
Ein hohes journalistisches Ethos, Glaubwürdigkeit und
Selbstbewusstsein der JournalistInnen habe Otto Schönherr bei der APA
in seiner Zeit als Chefredakteur der Nachrichtenagentur eingeführt,
hob Heinz Nußbaumer hervor und bemerkte, dass mit der modernisierten
APA den österreichischen Medien ein neuer Zugang zur
Weltöffentlichkeit geschaffen wurde.

Den Vorsitz in der Concordia-Jury führte Heribert Krejci.

Die PreisträgerInnen

Mit dem Concordia-Preis für Pressefreiheit wurden 55 ZiB-
Redakteurinnen und -Redakteure ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit
deren vehementes Auftreten gegen politische Einflussnahme auf ihre
Arbeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie seien VerfechterInnen
der unabhängigen Berichterstattung, so die Concordia-Jury, und
wirkten als Vorbilder für andere Redaktionen. Heinz Mayer beschrieb
den Protest der RedakteurInnen als mutiges und sichtbares Zeichen
gegen die politische Steuerung des ORF.

Nina Horaczek, Politikredakteurin in der Zeitung "Falter", erhielt
den Concordia Preis der Kategorie Menschenrechte für ihre Berichte
und Kommentare zum Thema Asyl. Insbesondere hob die Concordia-Jury
hervor, dass Horaczek mit ihren Artikeln die Abschiebung des
serbisch-stämmigen Basketball-Nachwuchstalents Denis Vuckovic vorerst
verhindern konnte. Erwin Steinhauser hielt in seiner Würdigung der
Politologin, Buchautorin und Journalistin Horaczek die Bedeutung
ihrer Zivilcourage in der österreichischen Gesellschaft fest.

Àgnes Heller hat sich zeitlebens für die Freiheit und Rechte der
BürgerInnen eingesetzt und war 2011 eine der prominentesten
KritikerInnen der Mediengesetznovelle in Ungarn. Sieglinde
Rosenberger verwies auf das pluralistische, moralische Wertesystem,
dass Heller vertritt.
Die ungarische Philosophin und Buchautorin jüdischer Herkunft
überlebte den Holocaust nur knapp, ihr Vater und zahlreiche Verwandte
wurden von den Nationalsozialisten ermordet. 1977 emigrierte Heller
nach Australien und nahm eine Soziologie-Professur an der Universität
La Trobe Melbourne ein. 1986 ging sie als Professorin für Philosophie
an die New School for Social Research in New York. Sie ist Trägerin
einer Vielzahl von Auszeichnungen, unter anderem des Hannah-Arendt-
Preises der Stadt Bremen, des Széchenyi-Nationalpreises Ungarn sowie
zweier Ehrendoktorate.

Otto Schönherr modernisierte als Leiter der APA (1959-1987) zusammen
mit seinem Redaktionsteam die amtliche Nachrichtenagentur und machte
sie zu einem unabhängigen Informationsdienstleister. Zuvor hatte er
als Chefredakteur bei der "Kleinen Zeitung" gearbeitet. Der
diplomierte Philosoph und Diplomkaufmann Schönherr habe ein
Mammutwerk vollbracht, indem er die APA von der politischen
Umklammerung befreite, merkte Heinz Nußbaumer an. Ganz im Sinne des
Presseclub Concordia sei Schönherr immer für Ethik und
Glaubwürdigkeit im Journalismus eingetreten und habe sein Schaffen
der Pressefreiheit gewidmet.

Gestiftet wurden die beiden Publizistikpreise von der Bank Austria
(Kategorie Menschenrechte) und der gemeinnützigen Privatstiftung Dr.
Strohmayer (Kategorie Pressefreiheit). Die Insignien für die
Lebenswerksauszeichnung und den Sonderpreis hatte die Firma Swarovski
gestaltet.

Der Presseclub Concordia besteht seit 1859 und ist damit die weltweit
älteste Standesvertretung von JournalistInnen und
SchriftstellerInnen. Ethik und Qualität im Journalismus sowie der
Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit zählen zu den Prinzipien des
Presseclub, der die Unabhängigkeit der Medienarbeit hochhält. Auch
der regelmäßige Austausch von in- und ausländischen JournalistInnen
wird in dem gemeinnützigen Verein gefördert.(Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website
des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
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