• 30.04.2012, 10:19:08
  • /
  • OTS0053 OTW0053

1. Mai: Ausgrenzung durch Arbeit

Armutskonferenz warnt vor sinkender Integrationskraft von Erwerbsarbeit. Arbeit schützt vor Armut nicht.

Wien (OTS) - "Arbeit schützt vor Armut nicht. Jetzt schon leben
200.000 Personen in Haushalten, in denen der Verdienst trotz
Erwerbsarbeit nicht reicht, um die eigene Existenz -und die der
Kinder- zu sichern.", weist Sozialexperte Martin Schenk und
Mitarbeiter der Armutskonferenz, auf die sinkende Integrationskraft
von Erwerbsarbeit hin. Die Betroffenen weisen einen schlechten
Gesundheitszustand auf, leben in feuchten, schimmligen Wohnungen,
können ihren Kindern nur eingeschränkte Zukunftschancen bieten. Das
sind mehr als 2 % der Wohnbevölkerung, die aufgrund ihrer prekären
sozialen Lage nicht wissen, was sie mit ihren geringen Mitteln zuerst
zahlen sollen: Miete, Lebensmittel oder Krankenversicherung?
Die Richtsatzergänzungen in der Sozialhilfe, das sind jene
Leistungen, die auch bei zu geringem Erwerbseinkommen ausbezahlt
werden, haben in den letzten Jahren rasant zugenommen.

Sogenannte "Pendler" und "Wiedereinsteiger" in die Sozialhilfe
machen bereits 42 Prozent der Sozialhilfe/Mindestsicherungbezieher
aus. Aus Workless Poor werden Working Poor, aus der Armut ohne Arbeit
geht es in die Armut mit Arbeit - und umgekehrt. Die Betroffenen
pendeln zwischen letztem sozialen Netz und schlechten,
desintegrativen Jobs hin und her. Hier verkommen die Sprüche von der
"Integration in den Arbeitsmarkt" zu realitätsleeren Parolen. Hier
findet keine soziale Integration statt. Im Gegenteil. Hier entsteht
soziale Ausgrenzung durch die Arbeit selbst", warnt der
Sozialexperte.

Ein niedriges Erwerbseinkommen schlägt sich in
nicht-existenzsichernden Sozialleistungen bei Krankheit,
Arbeitslosigkeit und in der Pension nieder. Wer sein Leben lang in
prekären Jobs arbeitet, wird keine existenzsichernde Pension
zusammenbekommen, das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe sind so
gering, dass man im Falle von Jobverlust davon keinen Tag überleben
kann.

Staatlich geförderte Billigjobs sind Armutsfalle

Schlechte Jobs machen die meisten doch ohnehin nur zur
Überbrückung und bis sie was Besseres gefunden haben, meinen viele.
Und freilich wünschen sich die Betroffenen auch wirklich rasch einen
anderen und besseren Job. "Doch viele kommen aus ihrer schlechten
Situation nicht mehr oder nur schwer heraus.", so die
Armutskonferenz, deren Mitglieder 500000 Hilfesuchende im Jahr
unterstützen und betreuen. Für Deutschland zeigen ebenfalls Studien,
dass es für mehr als 70 Prozent der Billigjobber keinen Aufstieg in
höhere Lohnsegmente gibt. Die in Plädoyers für die Einführung eines
Niedriglohnsektors häufig verwendete Behauptung, Niedriglohn sei ein
Sprungbrett in höhere Einkommensschichten, wird durch diese
Ergebnisse widerlegt. Vielmehr führen die genannten Jobs für die
Mehrheit zu einer dauerhaften prekären Einkommenslage ohne Ausstieg.
"Seit Mitte der 90er Jahre fördert Deutschland zu niedrig entlohnte
Jobs", argumentiert OECD-Experte Herwig Immervoll.

Langzeitarbeitslose hätten "nach wie vor einen vergleichsweise
geringen finanziellen Anreiz, eine existenzsichernde Beschäftigung
anzunehmen". Der künstlich und staatlich geförderte Niedriglohnmarkt
ist eine Armutsfalle.

"Die soziale Disqualifizierung von hunderttausenden von Menschen
wird nicht wahrgenommen. Ihre Situation wird heruntergespielt, mit
leeren Parolen zugedeckt. Die Ignoranz rächt sich spätestens dann,
wenn in dieser Arena des Kampfes um Anerkennung, die Demagogen und
Hetzer das alleinige große Wort führen.", so die Armutskonferenz
abschließend.

Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz
www.armut.at
Koordinationsbüro:
01/ 4026944 oder 0664/544 55 54
(Martin Schenk)

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ARM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel