• 29.04.2012, 21:26:49
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. April 2012 von Alois Vahrner "Ein Triumph mit vielen Scherben"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Der Sieg von Christine Oppitz-Plörer in
der Bürgermeisterstichwahl fiel überraschend deutlich aus. Nach der
Schlammschlacht im Wahlkampf gilt es jetzt für alle Beteiligten,
rasch die Scherben wegzuräumen.

Das beinharte und teilweise ins Persönliche gehende Duell der
früheren Listen-Kollegen Christine Oppitz-Plörer und Christoph
Platzgummer, den die ÖVP nach miserablen Umfragewerten ins Rennen
schickte, ist entschieden. Und das klarer als vielfach prognostiziert
wurde.
Für den früheren Zach-Kronprinzen Platzgummer, der einen Rückzieher
von seinem einstigen Politik-Rückzieher gemacht hatte, brachte die
Wahl aber dennoch mehr als nur einen Achtungserfolg. Die zuvor nur
auf Platz 4 gelegene ÖVP eroberte vor Oppitz-Plörers Liste Für
Innsbruck Platz 1 (inklusive dem gekoppelten Seniorenbund zehn
gegenüber neun Mandaten). 44 Prozent in der Stichwahl sind
beachtlich, den schon plakatierten Sprung an die Stadtspitze ("Ihr
neuer Bürgermeister") hat Platzgummer aber deutlich verfehlt.
Für Oppitz-Plörer ist der gestrige Wahlsieg nach den jüngsten
Gefechten mit Sicherheit eine riesige persönliche Genugtuung. Und für
die 1994 von Herwig van Staa von der ÖVP abgespaltene Liste Für
Innsbruck bedeutet er so etwas wie eine Überlebens-Versicherung als
führende Kraft in der Stadt. Bei einem Sieg Platzgummers und
gleichzeitigem Rückzug Oppitz-Plörers (den diese vor der Stichwahl
aber ausgeschlossen hatte) wären die Rufe nach einem Zusammenrücken
von ÖVP und FI wohl lauter geworden. Nach diesem heftigen Wahlkampf
und diversen Ausrutschern (von Unterstellungen bis zum grenzwertigen
Ausländer-Brief der Bürgermeisterin) sind FI und ÖVP aber derzeit
voneinander weiter entfernt denn je. Zumal sich die beiden
Kontrahenten nicht nur nichts schuldig geblieben sind, sondern
Oppitz-Plörer auch scharfe Attacken gegen ÖVP-Chef und LH Günther
Platter ("Günstlingswirtschaft") geritten hat. Und auch weil die
Gerüchte nicht verstummen wollen, dass im Hintergrund eifrig an einer
Gegen-ÖVP namens Für Tirol nach Innsbrucker Vorbild gebastelt wird.
Oppitz-Plörer wird wie alle anderen gut daran tun, die richtigen
Lehren aus der Wahl zu ziehen. Auch mit Blick auf die extrem schwache
Wahlbeteiligung. Diese ist ein massiver Warnschuss, dass die Politik
in der bisherigen Form viele Bürger abgeschreckt hat. Der Wahlkampf
ist vorbei, das muss rasch auch in die Köpfe. Jetzt geht es nicht um
Eitelkeiten und Machtspiele, sondern darum, den Wählerwillen zu
erfüllen. Und der heißt, schnell eine Koalition (wohl aus FI, ÖVP,
fix den Grünen und eventuell auch der SPÖ) und ein mutiges
Regierungsprogramm zusammenzustellen. Der Name der Gelben sollte
dabei gleichzeitig für alle Motto sein: Für Innsbruck.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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